Das Hamburger Unternehmen Traceless hat in Hamburg-Harburg eine Produktionsstätte für ein Biomaterial eröffnet, das konventionelles Plastik ersetzen soll. Das Bundesumweltministerium bezeichnete die Anlage als weltweit erste ihrer Art und förderte das Projekt mit rund fünf Millionen Euro aus dem Umweltinnovationsprogramm.
Traceless investiert nach eigenen Angaben mehr als 20 Millionen Euro in den neuen Standort, der zugleich als Hauptsitz dient. Neben der Produktion sind dort auch Vertrieb, Entwicklung, Logistik und Verwaltung angesiedelt. Jährlich sollen rund 3.000 Tonnen des Plastikersatzes hergestellt werden können. Zu den Kunden zählen dem Unternehmen zufolge der Händler Otto und der Verpackungshersteller Mondi, der unter anderem nachhaltige Verpackungslösungen für Lebensmittel, Kaffee- und Teeprodukte sowie Frischeartikel entwickelt.
Das Material entsteht laut der Mitteilung aus pflanzlichen Reststoffen der Agrarindustrie – konkret aus Nebenprodukten der Getreideverarbeitung. Mittels eines zum Patent angemeldeten Verfahrens extrahiert Traceless daraus natürliche Polymere und verarbeitet sie zu einem Granulat. Dieses Granulat besitze vergleichbare Eigenschaften wie Kunststoff und lasse sich mit gängigen Technologien der Kunststoffverarbeitung weiterverarbeiten. Traceless betont, dass die produzierten Granulate selbst kein Plastik seien und biologisch vollständig abbaubar sein sollen.
Bundesumweltminister Schneider lobt Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen
Bundesumweltminister Carsten Schneider sagte laut der Mitteilung: „Solche Ideen brauchen wir für erfolgreichen Klima- und Umweltschutz.“ Das Material komme ohne Erdöl aus und könne konventionelles Plastik ersetzen. Die Technologie helfe „gegen Plastikvermüllung“ und mache „uns unabhängiger von fossilen Energieimporten aus dem Ausland“, so Schneider weiter.
Die Produktionsanlage ist dem Unternehmen zufolge bereits teilweise in Betrieb. Die Fertigung soll in den kommenden Monaten hochgefahren werden. Traceless wurde den Angaben nach 2020 gegründet und beschäftigt etwa 110 Mitarbeiter. Zuvor betrieb das Unternehmen eine Testanlage im niedersächsischen Buchholz in der Nordheide. Bereits jetzt plant Traceless laut eigener Mitteilung den Bau einer noch größeren Anlage, um die Produktionskapazitäten weiter auszubauen.