Herr Kofahl, Convenience ist längst im Alltag angekommen. Wird sie aus Ihrer Sicht dennoch zu wenig beachtet?
Ja. Convenience ist klar im Alltag angekommen, wird aber oft unterschätzt und nur auf Tiefkühlpizza reduziert. Dass in Deutschland immer mehr Convenience-Produkte gekauft werden, obwohl die Zeit fürs Kochen fast gleich bleibt, zeigt: Sie ergänzen den Kochalltag passend und alltagstauglich.
Ist Convenience heute vor allem eine praktische Notwendigkeit oder auch Ausdruck eines veränderten Lebensgefühls?
Beides. Convenience ist eine praktische Entlastung und im Zuge dessen auch ein Ausdruck des Lebensstils geworden, der eine reibungsarme Alltagsbewältigung ermöglicht. Sind Convenience-Produkte gut gemacht und entsprechend kommuniziert, passen sie zu einem Milieu, das Zeit sparen will, ohne auf Gesundheit, Genuss und situative Flexibilität zu verzichten.
Wo sehen Sie derzeit die spannendsten Wachstumsfelder?
Spannende Wachstumsfelder sind erhitzbare Komplettmahlzeiten und funktionale Convenience mit Ballaststoff- oder Proteinversprechen. Wichtig bleibt, die aktuellen Kundenerwartungen im Blick zu behalten. Jüngere Zielgruppen suchen zudem vermehrt ach kulturellen Hybridprodukten – also international inspirierten Gerichten, angepasst an heimische Geschmäcker und Essgewohnheiten.
Wie beeinflussen Gesundheitsbewusstsein, Genuss und Zeitmangel die Nachfrage nach Convenience-Produkten?
Zeitmangel und der Wunsch nach Entlastung öffnen die Tür, doch über den Wiederkauf entscheidet der Geschmack. Gesundheitsbewusstsein kann den Konsum moralisch echtfertigen – zumindest darf der Genuss kein schlechtes Gewissen auslösen.
Was erwarten Konsumenten inzwischen in puncto Qualität, Transparenz und Frische von vorverarbeiteten Produkten?
Die Vorverarbeitung soll auf keinen Fall nach Verzicht aussehen, in Bezug auf keinen dieser drei Faktoren. Dass es zu keinem Qualitätsabfall kommt, ist zweifellos eine unternehmerische Herausforderung. Deren erfolgreiche Bewältigung darf und sollte durch Transparenz und detaillierte Produktinformationen deutlich kommuniziert werden.
Warum tun sich manche neuen Convenience-Formate in Deutschland schwerer als in anderen Ländern?
Neue Convenience-Formate tun sich in Deutschland oft schwer, weil Verbraucher erst überzeugt werden müssen. Meist müssen Preis, Vertrauen, Frische und Alltagstauglichkeit stimmen, bevor Akzeptanz entsteht. Auch der Wunsch nach Prüfung durch Experten sowie die Skepsis gegenüber Aufpreisen bremsen vieles, was sich anderswo schneller durchsetzt.
Was sollten Händler aus Ihrer Sicht beachten, wenn sie Convenience strategisch weiterentwickeln wollen?
Convenience-Produkte sollten nicht als bloße Regalware gesehen werden, sondern als Lösungen für konkrete Esssituationen: allein, unterwegs, spät oder gesund ohne Aufwand. Entscheidend sind zuverlässige Verfügbarkeit, klare Infos, glaubwürdige Frische, passende Logistik und faire Preise.