Fairer Handel Fairtrade wächst auf 3,14 Milliarden Euro und will stärkere Lieferketten

Fairtrade Deutschland hat 2025 beim Umsatz um 9 Prozent zugelegt – angetrieben von treuen Verbrauchern und Kampagnen wie dem „Fairbruary“. Gleichzeitig belasten steigende Kosten, neue EU-Vorgaben und globale Krisen die Produzenten. Die Organisation fordert deshalb fairere Bedingungen entlang der gesamten Lieferkette und stellt ihre Standards neu auf.

Dienstag, 05. Mai 2026, 11:52 Uhr
Bettina Röttig
Fairtrade wächst weiter – doch steigende Kosten, neue Vorgaben und globale Krisen setzen die Lieferketten zunehmend unter Druck. Bildquelle: Carsten Hoppen

Fairtrade Deutschland hat 2025 mit Fairtrade-Produkten einen Umsatz von 3,14 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Plus von knapp 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Pro Kopf gaben Verbraucher rund 38 Euro für fair gehandelte Produkte aus. „Die Verbraucher bleiben Fairtrade trotz gestiegener Lebensmittelpreise treu“, sagt Fairtrade-Vorständin Claudia Brück gegenüber der Lebensmittel Praxis. Besonders sichtbar sei das bei der Kampagne Fairbruary gewesen, die sich etabliere und zweistellige Zuwachsraten bringe.

Fairtrade-Rosen das stärkste Produkt

Bei den wichtigsten Produkten blieb die Entwicklung aufs Gesamtjahr gesehen unterschiedlich: Fairtrade-Bananen stiegen um 7 Prozent auf 130.550 Tonnen und erreichten einen Marktanteil von rund 17 Prozent. Bei Fairtrade-Bio-Bananen liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent. Der Absatz von Fairtrade-Kakaobohnen wuchs auf 92.100 Tonnen und damit um rund 3,5 Prozent; der Marktanteil liegt bei 21 Prozent. Fairtrade-Kaffee kam trotz hoher Kaffeepreise auf 1,04 Milliarden Euro Umsatz, ging im Absatz mit 24.000 Tonnen aber leicht zurück. Fairtrade-Blumen verzeichneten mit 472 Millionen Stielen ein Minus von 8 Prozent. Fairtrade-Rosen bleiben mit 37 Prozent Marktanteil das stärkste Produkt.

42 Millionen Euro Prämiengelder ausgezahlt

Zusätzlich zum Verkaufspreis erhielten Produzenten rund 42 Millionen Euro Prämiengelder. Aber: „Neue Gesetzgebungen verlangen Produzenten immer mehr ab“, sagt Vorständin Claudia Brück gegenüber der Lebensmittel Praxis. Dabei bezieht sie sich unter anderem auf EU-Richtlinien wie die Bio-Verordnung für Importe aus Drittländern oder die EUDR. Diese erfordern zusätzliche Informationen und bürokratische Aufwände, die zusätzliche Kosten verursachen. Gleichzeitig trieben „Klimawandel und globale Krisen wie die in Venezuela oder im Iran die Produktions- und Transportkosten in die Höhe“. Ihr Appell: „Steigende Kosten müssen dringend entlang der gesamten Lieferkette fair verteilt werden.“

Neues Regelwerk wird erarbeitet

Ein Schwerpunkt der Organisation ist derzeit die Überarbeitung der Standards. Das Ziel sei ein vereinheitlichtes Regelwerk. Brück: „Wir haben im Moment 27 verschiedene Standards, die über die vergangenen mehr als 30 Jahre gewachsen sind“; diese seien zwar mit Stakeholdern konsultiert worden, aber nicht immer bis ins Detail konsistent. Ziel sei ein „gemeinsamer, prinzipiengesteuerter Rahmen“ mit einem „Ansatz, der sich auf Risiken und Auswirkungen fokussiert“. Entscheidend sei nicht das Abhaken von Punkten: „Es geht darum, Veränderungen stärker auszulösen und ihre Wirkung sichtbarer zu machen.“

Auch beim Thema Transparenz und Rückverfolgbarkeit will Fairtrade nachlegen. Brück sagte: „Wir können alles zurückverfolgen, aber unsere Systeme sprechen noch nicht auf Knopfdruck miteinander.“ Daran werde mit Datenspezialisten gearbeitet. Gleichzeitig stelle sich die Frage: „Wem gehören welche Daten?“

Weitere Händler sollen nachziehen

Die Organisation arbeitet daran, existenzsichernde Einkommen für Produzenten im Süden zu gewährleisten. Als erster Handelspartner in Deutschland hat Lidl das Thema aus dem Projektstadium in die Skalierung gebracht für das kompletten Tafelschokoladen-Sortiment unter der Eigenmarke und zwar „nicht nur in Deutschland, sondern in vier Ländern“.

Es brauche ein „Level playingfield“, also vergleichbare Bedingungen für alle Händler, betont Brück. In den Niederlanden machten bei solchen Programmen „fast alle“ mit. Genau das sei auch hier das Ziel: weitere Händler sollen nachziehen.

Unterschriftensammlung für mehr Fairness

Parallel dazu hat Fairtrade die Unterschriftensammlung „Landwirtschaft braucht Fairness“ gestartet. Der Hintergrund: In der EU werden gerade Regeln gegen unfaire Handelspraktiken verhandelt. Fairtrade will erreichen, dass die Bundesregierung sich dafür einsetzt, dass Preise unter Herstellungskosten nicht erlaubt sind.

Die Aktion richtet sich nicht nur an den globalen Süden, sondern ausdrücklich auch an die Landwirtschaft in Deutschland. Brück sagte, man wolle den Schulterschluss mit der hiesigen Landwirtschaft suchen. Ziel ist es, bis September 20.000 Unterschriften zu sammeln und diese dann an die Bundesregierung zu übergeben.

Neues Projekt betrifft Haselnüsse aus der Türkei

Fairtrade rückt auch im Sourcing näher an Europa heran. Ein neues Projekt betrifft Haselnüsse und die Türkei. „Alle, die Haselnüsse beziehen, wissen, dass es dort ein Problem gibt“, so Brück. Die Türkei sei bereits als mögliches Erzeugerland aufgenommen worden. Nun gilt es, Standards zu entwickeln. Fairtrade habe bereits einen Antrag bei Fairtrade International gestellt und erste Kontakte zu NGOs aufgebaut, die in dem Bereich arbeiten.

Fairbruary zentraler steuern

Zudem beschäftigt das Team um Claudia Brück die Vermarktung von Fairtrade-Produkten in Mittel- und Osteuropa. Fairtrade Deutschland hat seit dem 1. Januar die Lizenzierungsverantwortung für weitere 22 Länder in Mittel- und Osteuropa übernommen und baut lokale Expertise vor Ort auf. In Polen und Tschechien arbeiten nach Angaben der Vorständin bereits knapp unter 20 Personen für Fairtrade. Zusätzlich gibt es eine Koordinationsstelle in Deutschland. Ziel sei, Kampagnen wie den Fairbruary zentraler zu steuern, aber lokal anzubinden. Dieses Jahr gehe es vor allem darum, die Umstellung zu managen, Wachstum solle dann im nächsten Jahr folgen.

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