Offener Brief Branchenvertreter fordern Soforthilfe für das Kunststoffrecycling

Das Deutsche Verpackungsinstitut und fünf Unternehmen aus Industrie, Handel und Recyclingwirtschaft appellieren in einem offenen Brief an die Bundesregierung, das Kunststoffrecycling in Europa zu retten. Bis Ende 2025 seien fast eine Million Tonnen Recyclingkapazität durch Werksschließungen und Insolvenzen verloren gegangen. Unter den Unterzeichnern sind Rossmann, Remondis und Der Grüne Punkt.

Dienstag, 31. März 2026, 10:00 Uhr
Theresa Kalmer
Bis Ende 2025 gingen in Europa laut Branche rund eine Million Tonnen Kunststoffrecyclingkapazität verloren – vor allem durch Werksschließungen und Insolvenzen. Bildquelle: Getty Images

Das Deutsche Verpackungsinstitut und fünf Unternehmen aus Industrie, Handel und Recyclingwirtschaft haben sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz, Wirtschaftsministerin Katja Reiche und Umweltminister Schneider gewandt. Darin fordern sie einen sofortigen Dialog über Maßnahmen zur Rettung des Kunststoffrecyclings in Europa. Zu den Unterzeichnern gehören neben dem Verpackungsinstitut die Unternehmen Constantia Flexibles, Dirk Rossmann, Werner & Mertz, Remondis Recycling und Der Grüne Punkt.

Die Lage der Branche ist nach Darstellung der Unterzeichner dramatisch: Bis Ende 2025 seien in Europa fast eine Million Tonnen Kunststoffrecyclingkapazität durch Werksschließungen und Insolvenzen verloren gegangen. Die Zahl der Schließungen habe sich 2024 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Für 2025 rechneten die Verfasser des Briefes mit einer Verdreifachung gegenüber 2023.

Als Ursachen benennt der offene Brief vor allem niedrige Rohölpreise und globale Überkapazitäten, die zu sinkenden Preisen für fossilbasierte Neukunststoffe führten. Gleichzeitig drängten preisgünstige Rezyklate aus Drittstaaten auf den europäischen Markt, teils ohne die hiesigen Qualitätsstandards zu erfüllen. Hohe Energiekosten verschlechterten die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Recycler zusätzlich. Die Unterzeichner warnen, dass technologische Kompetenz, industrielle Infrastruktur und qualifizierte Arbeitsplätze unwiederbringlich verloren gingen, wenn die Politik nicht gegensteuere.

Verpackungsinstitut fordert Steueranreize und Bürokratieabbau

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen laut der Mitteilung unter anderem steuerliche Anreize wie reduzierte Mehrwertsteuersätze für Rezyklate, gleiche oder strengere Umwelt- und Qualitätsstandards für importierte Sekundärrohstoffe, Entlastungen bei den Energiekosten für Recyclingbetriebe sowie ein Abbau von Bürokratie durch schnellere Genehmigungsverfahren. Geschäftsführerin Natalie Brandenburg vom Deutschen Verpackungsinstitut verwies in der Mitteilung auch auf die geopolitische Lage rund um die Straße von Hormus: „Auch wenn der Krieg gegen den Iran und dessen Folgen für die globale Wirtschaft aktuell einen gegenläufigen Einfluss auf die Rohölpreise haben, ändert das nichts an der langfristigen Situation.“

Das Deutsche Verpackungsinstitut wurde nach eigenen Angaben 1990 gegründet und vereint derzeit mehr als 280 Mitgliedsunternehmen. Es versteht sich als branchenübergreifendes Netzwerk der Verpackungswirtschaft, das Unternehmen vom Maschinenbau über die Konsumgüterindustrie und den Handel bis zur Recyclingbranche verbindet.

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