Klimaschutz  Denkfabrik hält Milchprodukte für besonders klimaschädlich

Die Ernährung setzt in Deutschland jährlich 235 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente frei, so ein Bericht der Denkfabrik Agora Agrar. Etwa 70 Prozent davon entstehen durch tierische Produkte. Besonders klimaschädlich sei der Konsum von Milchprodukten.

Dienstag, 17. März 2026, 09:56 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Klimaschutz mit Messer und Gabel: Was wir essen, hat immensen Einfluss auf unsere CO₂-Bilanz. Experten haben überraschende Daten zusammengetragen – und halten ein ambitioniertes Ziel für möglich. Bildquelle: Getty Images

Die Ernährung verursacht rund ein Viertel aller konsumbezogenen Treibhausgas-Emissionen in Deutschland. Der Konsum von Lebensmitteln setzt pro Jahr etwa 235 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente frei. Das führt die Denkfabrik Agora Agrar in einem Bericht aus. Etwa 70 Prozent davon entstehen durch den Konsum tierischer Produkte.

Käsekonsum besonders klimaschädlich?

Eine durchschnittliche Person in Deutschland kauft dem Bericht zufolge etwa 642 Kilogramm Nahrungsmittel pro Jahr ein. Allein etwa 120 Kilogramm entfallen auf Milchprodukte wie Frischmilch, Joghurt und Käse. Von den tierischen Produkten ist der Konsum von Milchprodukten mit den anteilig höchsten Treibhausgas-Emissionen verbunden: etwa die Hälfte davon geht auf Käsekonsum zurück. Für ein Kilogramm Frischkäse werden etwa 4 Liter Milch benötigt, für Hartkäse etwa 13 Liter. So heißt es in dem Bericht. 

Drei Faktoren für hohe Emissionen

Der hohe Beitrag des Konsums tierischer Produkte an den Emissionen geht den Angaben zufolge vor allem auf drei Faktoren zurück: Umwandlungsverluste, die Futtermittelproduktion und die Verdauung von Wiederkäuern. Dabei entsteht Methan, welches eine rund 30-mal stärkere Klimawirkung hat als Kohlendioxid. Die Entwässerung von Mooren für die Erzeugung von Nahrungsmitteln verursacht jährlich etwa 27 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Der überwiegende Teil dieser Moore liegt in Deutschland und wird für die Produktion tierischer Lebensmittel genutzt.

Agora Agrar sieht größte Potenziale in Ernährungsumstellung

In den vergangenen Jahren sanken die Emissionen in den Sektoren Energie und Industrie deutlich schneller als in der Landwirtschaft, teilte Agora Agrar mit. Setze sich dieser Trend fort, werde der landwirtschaftliche Ausstoß bis 2045 den größten Teil der verbleibenden Emissionen ausmachen, die für das Erreichen der Klimaneutralität kompensiert werden müssen. Die größten Potenziale einer Verringerung der Klimawirksamkeit liegen aus Sicht der Denkfabrik in der Nutzung erneuerbarer Energien, einer stärker pflanzlich basierten Ernährung und der Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moore.

Derzeit liegt die Klimawirksamkeit der Ernährung bei etwa 2,8 Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Person und Jahr. Mitte des Jahrhunderts könnten mit ambitionierter Politik etwa 0,7 Tonnen pro Person und Jahr erreicht werden, stellt der Bericht dar. 

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