Marktrundgang Wasgau Saarbrücken – wie der Umbau im Bestand bis zu 25 Prozent Energie spart

Nachhaltige Maßnahmen in einem Bestandsbau umzusetzen ist knifflig. Im neuen Wasgau-Markt ist das gelungen, der Erfolg messbar. Mehr noch: Der Markt überzeugt durch Frische und sein gastronomisches Angebot.

Dienstag, 14. April 2026, 12:40 Uhr
Heidrun Mittler
Artikelbild Wasgau Saarbrücken – wie der Umbau im Bestand bis zu 25 Prozent Energie spart
Ein Foto des umgebauten Marktes.
Wasgau Frischemarkt: Wasgau hat das Gebäude, in dem zuvor Autoteile Stahlgruber untergebracht war, komplett umgebaut. Dabei hat man nach den Green-Building-Prinzipien gearbeitet und spart 25 Prozent Energie im Vergleich zu einem nicht optimierten Markt. Bildquelle: Marco Kany

„Neu bauen kann jeder.“ Milan Bucalo, Geschäftsführer Wasgau Einzelhandel, ist voll in seinem Element, wenn es um die Themen Bauen und Umwelt geht. „Doch was könnte nachhaltiger sein, als ein leer stehendes Gebäude wiederzubeleben?“, fragt er rhetorisch und ergänzt: „Ein Umbau ist herausfordernder als ein Neubau“, den man naturgemäß nicht von Grund auf nach eigenen Vorstellungen planen kann. Im frisch eröffneten Markt im Saarbrücker Stadtteil St. Johann musste die Wasgau-Bauabteilung beispielsweise viele bestehende Betonpfeiler berücksichtigen. Zudem ist die Station für die Leergutrücknahme nur über einen separaten Eingang betretbar.

Wärme rückgewinnen

Hier in der saarländischen Landeshauptstadt hat das westpfälzische Unternehmen Wasgau einen Supermarkt nach den Prinzipien des „Green Building“ erbaut. Der Standard ist im Handel bekannt, seit Längerem bei der Rewe und Edeka im Einsatz. Er beinhaltet unter anderem einen Verzicht auf fossile Brennstoffe. Für die erforderliche Kälte kommt CO₂-Technik zum Einsatz, gleichzeitig sind alle SB-Truhen und -Schränke mit Glastüren verschlossen, das reduziert den Energieverlust.

Milan Bucalo, der insgesamt 70 Märkte verantwortet, weist auf die Wärmerückgewinnung hin: Dieser Kreislauf wird mithilfe von Propan betrieben. Auf der Verkaufsfläche sind an mehreren Stellen Deckenlufterhitzer angebracht. Sie erinnern optisch an Lampenschirme, geben bei Betrieb ein leise summendes Geräusch von sich. Die gesamte Anlage sorgt für die optimale Temperatur im Verkaufsraum. Der Geschäftsführer schätzt die Energieeinsparung auf etwa 20 bis 25 Prozent im Vergleich zu einem nicht optimierten Markt. Generell liegt die Einsparung bei Neubauten seiner Erfahrung nach bei etwa 40 bis 50 Prozent gegenüber einem konventionell errichteten Markt. Die Rückgewinnung ist nicht auf die Verkaufsfläche beschränkt: Die Kältemaschine ist in den Prozess eingebunden.

Fernsteuerung möglich

Neu installiert hat Wasgau zudem eine „Eco-Link-Anlage“, sie ermöglicht die Steuerung und Wartung der gesamten Haustechnik aus der Ferne. Ins Konzept passt sogar der Parkplatz: 20 neu gepflanzte Bäume und Bodendecker in der Grünanlage sollen die CO₂-Bilanz verbessern. Und wenn sie erst einmal blühen, verbessern sie die Optik.

Chef auf der Verkaufsfläche ist Joachim Scheid, der mit seiner langjährigen Erfahrung das Marktteam routiniert anleitet. Er konnte mit sechs erprobten Wasgau-Mitarbeitern die Eröffnungsphase managen, hat aber auch viele neue, darunter Quereinsteiger, in der Mannschaft. Der ruhige, ausgeglichene Marktleiter sucht bewusst das Gespräch mit Kunden. Was gefällt am Markt, welche Produkte fehlen, wo sehen sie Verbesserungsmöglichkeiten? Eine Erkenntnis: Am Standort Kieselhumes sind Bio-Produkte stark gefragt. Deshalb hat die Einkaufsabteilung des Unternehmens hier mehr Bio-Gemüse gelistet als an anderen Standorten. Scheid: „Eine Kundin fragte nach Bio-Grünkohl für ihren Smoothie. Mittlerweile kaufen schon drei weitere Konsumenten genau dieses Produkt.“

Erklärtes Ziel ist es, die Produkte aus der Umgebung zu beschaffen. Auf Tafeln erklärt Wasgau beispielsweise, woher das regionale Obst- und Gemüse-Sortiment stammt. Bei der frischen Convenience liegen Feinkost-Artikel in der Kühltruhe, die direkt aus Saarbrücken stammen: Frischkäse-Cremes, marinierte Oliven und weitere Antipasti vom Feinkosthändler Yargici. „Empfehlung eines befreundeten Marktleiters“, erzählt Scheid. Bio und lokal, das trifft auch auf die Spezialitätenkaffees „Black Hen“ zu, sie werden ebenfalls in der Landeshauptstadt geröstet.

Wasgau Frischemarkt, Am Kieselhumes 6–8, 66121 Saarbrücken

Eröffnet 12/2025
Verkaufsfläche 1.450 qm
Artikel 27.000
Mitarbeiter (Köpfe) 35
Öffnungszeiten Mo.- Sa. 8 bis 20 Uhr
Bäckerei und Café 7 bis 20 Uhr
Café 70 Sitzplätze, innen und außen
Parkplätze 84
Kaufkraft Ort 113*
Durchschnittsbon ca. 24 Euro
Investition Bau 1,8 Mio. Euro
Investition Technik 3 Mio. Euro

* Kaufkraftindex 100 = 30.555 Euro, das entspricht im Saarbrücker Stadtteil St. Johann einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf in Höhe von 34.527 Euro.
Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der Bevölkerung sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: MB Research.

Keine Schleuderpreise

Die Bewohner des Stadtteils St. Johann verfügen über eine hohe Kaufkraft – diese statistische Annahme schlägt sich im Durchschnittsbon nieder. Schon in der Anlaufphase des Marktes liegt er bei knapp 24 Euro. Anders als andere Handelsunternehmen erkaufe Wasgau sich bei Neueröffnungen die Kundschaft nicht über Schleuderpreise, erläutert Geschäftsführer Bucalo. Er freut sich, dass einige Kunden nach höherpreisigen Schaumweinen aus Frankreich fragen, und kümmert sich gern um die Beschaffung von Crémant und Cham­pa­gner. Doch wie im gesamten Bundesgebiet stehen teure Flaschen auch bei Ladendieben hoch im Kurs. Deshalb setzt man auf einen Sicherungsring um den Flaschenhals der edlen Tropfen. Die Vorrichtung schlägt Alarm, wenn sie (nicht entfernt) an der Kasse vorbeitransportiert wird. Die Abschreckung wirkt. Allerdings mussten die Mitarbeiter auch schon zerstörte Flaschen am Regal wegfegen, weil Unbefugte versucht hatten, den magnetischen Ring ohne passendes Werkzeug zu entfernen.

Anziehungspunkt Gastronomie

Vom Tag der Eröffnung an war den Wasgau-Verantwortlichen klar: Das angeschlossene Café entwickelt sich zum Kundenmagneten. Die rund 50 Sitzplätze hinter der Bäckereitheke sind von morgens bis abends stark frequentiert. Hier trifft sich Jung und Alt aus den angrenzenden Stadtteilen. Das liegt zum einen am angenehmen Ambiente – das Café ist an drei Seiten verglast, entsprechend mit viel Tageslicht erfüllt –, zum anderen aber auch am preisgünstigen und qualitativ hochwertigen Angebot. Nach dem Frühstück oder ausführlichen Brunch bietet Wasgau ein täglich wechselndes Mittagsmenü, im Schnitt für 8 Euro pro Portion. Ein kleinerer Snack plus ein alkoholfreies Getränk sind zudem beliebt bei den Schülern des deutsch-französischen Gymnasiums, das in Laufweite liegt. Der Nachmittag steht im Zeichen von Kaffee und Kuchen beziehungsweise süßen Stückchen.

Die süßen oder salzigen Kuchen, Torten oder Snacks stammen aus der eigenen Wasgau-Konditorei in Pirmasens. Dementsprechend hat das Unternehmen direkten Einfluss auf die Herstellung, Frische und Kalkulation der Ware. Gleiches gilt übrigens für die Fleischtheke: Wurst und Fleischwaren bezieht der Markt überwiegend aus der eigenen Produktionsstätte in Pirmasens. Was allerdings nicht bedeutet, dass in der Abteilung auf lokal produzierte Wurst verzichtet wird. Schließlich liegen „Schröder Fleischwurst“ und die Metzgerei „Bard Frische Küche“ gleich um die Ecke. „Sobald die Grillsaison startet“, kündigt Geschäftsführer Bucalo an, „finden Sie bei uns ein breites Sortiment von Spießen in der Theke.“

Doch zurück zum Café, das auch sonntags geöffnet hat: Wie verhindert man, dass Besucher dann auf die geschlossene Verkaufsfläche laufen? Marktleiter Scheid erklärt, dass das Marktteam am Samstagabend den Verkaufsraum mithilfe von Paletten absperrt. Außerdem verweist er auf einen Lerneffekt, den er und die übrigen Verantwortlichen verinnerlicht haben. Weil sich anfangs doch der ein oder andere Kunde auf die Verkaufsfläche verirrt hat, sind mittlerweile Bewegungsmelder installiert. Diese melden akustisch einen unbefugten Zutritt.

Parken nur zum Einkaufen

Gibt es weitere Vorkommnisse, mit denen man nicht gerechnet hat, aber auf die das Marktteam reagieren muss? Joachim Scheid schaut auf den ständig gut genutzten Parkplatz. Dieser ist auch beliebt bei einigen Eltern und Schülern des benachbarten Gymnasiums. Doch die Fremdnutzung ist schon bald kein Thema mehr, gerade installiert das Unternehmen ein System zur Bewirtschaftung des Parkraums.

Drei Fragen an ... Milan Bucalo, Geschäftsführer Wasgau
Milan Bucalo

Sie haben beim Umbau in nachhaltige Maßnahmen investiert. Haben Sie dafür eine Förderung erhalten?

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit für den Gebäudeeigentümer, Fördermittel zu erhalten. In unserem Falle sind wir Mieter des Objektes.

Was heißt das in Bezug auf eine mögliche Förderung?

Der Eigentümer muss entsprechende Förderanträge stellen, nicht der Mieter. Für etwaige technische Anlagen, die den Markt betreffen, werden unsererseits im Vorfeld Anträge gestellt, oder es wird geprüft, ob eine Förderung möglich ist.

Angenommen, Sie wären Eigentümer des Gebäudes. Hätten Sie dann andere Maßnahmen umgesetzt?

Maßnahmen, die tiefgreifende Eingriffe in die Gebäudesub­stanz erfordert hätten, haben wir nicht weiterverfolgt. Nachhaltigkeit verstehen wir nicht als maximale Eingriffstiefe oder reine Förderlogik, sondern als verantwortungsvolle, realistische und dauerhaft wirksame Lösung im Betrieb. 

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Ein Foto des umgebauten Marktes.
Bild öffnen Das Wasgau-Versprechen: möglichst viele Produkte stammen aus der Region.
Bild öffnen Prominent am Eingang: das Convenience-Regal.
Bild öffnen Das Aushängeschild: die Bedienungstheken für Fleisch, Fleischwaren und Käse.
Bild öffnen Ein Blick in den Technik-Raum.