Warum braucht es einen genossenschaftlichen Supermarkt?
Der Lebensmittelhandel in Deutschland ist oft nicht fair. Es ist nicht transparent, wie Preise zustande kommen und wer am Ende daran verdient. Wir wollen möglichst vielen Menschen gute und fair gehandelte Lebensmittel zugänglich machen. Und das mit maximaler Transparenz bei den Lieferketten und der Preisbildung.
Gibt es ein Vorbild?
Das ist für uns die Park Slope Food Cooperation aus New York. Den Markt gibt es schon seit den 1970er-Jahren. Die haben inzwischen rund 16.000 Mitglieder – das ist also eine ganz andere Dimension.
Wie funktioniert Ihr Modell?
Wir verstehen uns mit 1.500 Produkten als Vollsortimenter. Einkaufen können nur Mitglieder, aktuell sind das 500. Jeder muss alle vier Wochen drei Stunden mitarbeiten. Dafür gibt es einen Schichtplan, der sich an den Öffnungszeiten orientiert. Dazu haben wir drei Minijobber angestellt, die sich um die Warenannahme und Bestellungen kümmern.
Woher kommt die Ware?
Wir haben zwei Großhändler: Landlinie und Naturkost West aus Duisburg und Hürth. Die liefern uns jeweils einmal pro Woche ein, zwei Paletten. Es ist also nicht so, dass hier 50 Paletten abgestellt werden. Wir wollen aber stärker in die Direktvermarktung gehen – also direkt bei den Menschen einkaufen, die die Produkte auch herstellen.
Gibt es Beispiele?
Egal welchen Honig man sich im Markt anschaut, der kommt direkt vom Imker. Oder Käse: Der kommt am Stück, wir schneiden ihn selbst und verkaufen dann zum Beispiel ein ganzes oder ein halbes Rad. Wir schauen uns diese Höfe genau an, wo produziert wird, wie die Tiere stehen, wie viel Freilauf sie haben und wo das Gemüse wächst. Das ist schon wirklich schön, wenn man das so genau weiß.
Wie kalkulieren Sie die Preise?
Wir nehmen den Einkaufspreis und schlagen konsequent 30 Prozent drauf. Deswegen sind unsere Regalpreise auch etwas ungewöhnlich und nicht wie in einem typischen Supermarkt, wo vieles auf 99 Cent endet. Beim Gemüse liegt der Aufschlag bei 35 Prozent, weil es dort eher mal Ausschuss gibt und sich das finanzieren muss. So bleibt die Preisgestaltung transparent.
Wie schneiden Sie im Vergleich zum Wettbewerb ab?
Bei Artikeln, die Kunden auch bei großen Bio-Ketten bekommen, sind wir im Schnitt etwa 17 Prozent günstiger. Bei Obst und Gemüse sind wir bei manchen Produkten ungefähr 30 Prozent drunter. Mit Aldi oder Rewe kann man uns nicht vergleichen. Wir müssen aber auch zum Glück keine großen Gewinne machen.
Trotzdem müssen Sie auch wirtschaftlich denken, oder?
Natürlich. Am Anfang, wir haben den Laden im Oktober 2024 eröffnet, haben wir jeden Monat noch große Verluste gemacht. Mittlerweile haben wir von unseren Fixkosten, also etwa Strom und Miete, um 94 Prozent gedeckt. Es geht also aufwärts.
Welchen Umsatz brauchen Sie pro Mitglied?
Der Betrag liegt im Moment bei 150 Euro im Monat. Der Druck, hier alle vier Wochen dieses Geld auszugeben, würde natürlich sinken, wenn einfach 200 Leute mehr hier einkaufen würden.