Versorgungssicherheit Was es für die Lebensmittelversorgung heißt, dass Benzin und Diesel so teuer sind

Hintergrund

Wegen des Iran-Kriegs geraten Transport und Logistik in Deutschland unter starken Druck. Spediteure bewerten die Lage als ernst. Händler und Hersteller sollten das ebenfalls tun.

Freitag, 10. April 2026, 07:40 Uhr
Thomas Klaus
Gar nicht so selbstverständlich: Ein Fahrer liefert Lebensmittel aus. Bildquelle: Getty Images

Donald Trump brach sein Wort. Innerhalb eines Monats wollte der US-Präsident den Iran niederringen, doch der Krieg tobt auch nach diesem Zeitpunkt weiter. Von den menschlichen Schicksalen abgesehen, sind die wirtschaftlichen Folgen verheerend. Mit steigender Tendenz. Auch für Deutschland und auch für die Lebensmittelwirtschaft.

Eine der Fragen, die die Branche beschäftigt: Wie wirkt sich der militärische Konflikt auf Transport und Logistik von Lebensmitteln aus? Hauptgeschäftsführer Markus Olligschläger vom Bundesverband für Eigenlogistik und Verlader (BWVL) beruhigt im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis zwar anfänglich: „Kurzfristig erwarten wir keine flächendeckenden Versorgungsengpässe bei Lebensmitteln.“ Er sagt aber ebenso: „Die Lage muss ernster bewertet werden, als es eine reine Preisdebatte vermuten lässt“ – etwa, weil die Bundesregierung im März bereits einen Teil der strategischen Ölreserve freigegeben habe. Wahrscheinlicher als eine akute Versorgungskrise findet Olligschläger zurzeit punktuelle Störungen. Als Beispiele nennt der BWVL-Funktionär längere Lieferzeiten, Lücken bei importabhängigen Sortimenten sowie Engpässe bei einzelnen Vorprodukten, Verpackungen oder Zusatzstoffen.

Der Verband befasst sich gegenwärtig ebenfalls mit dem Szenario massiver Treibstoffengpässe. Für diesen Fall rechnet Markus Olligschläger bei der Lebensmittelversorgung mit „Priorisierung und staatlicher Koordination“, sprich: staatlicher Lenkung. 

Engere Verzahnung ratsam

Olligschläger appelliert an die Branche: „Gerade die Lebensmittelwirtschaft sollte in einer solchen Lage wie der jetzigen die Versorgungssicherheit wieder stärker gewichten.“ Der BWVL rät Händlern und Herstellern unter anderem zu einer engeren Verzahnung von Einkauf, Disposition und Logistik. Die Entscheider sollten ihre Sicherheitsbestände für kritische Artikel, Verpackungen und Vorprodukte überprüfen. Außerdem sei das Vorbereiten alternativer Bezugsquellen und Verkehrsträger empfehlenswert.

„Derzeit nicht gefährdet“ – so bewertet Hauptgeschäftsführer Frank Huster die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln. Er ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Spedition und Logistik (DSLV). Allerdings sei bereits spürbar, dass sich die Kühlketten bei Transport und Logistik schwieriger aufrechterhalten ließen. Das führt Huster auf unter Druck geratene Frachtraten zurück.

85 Prozent der Güter per Lkw

„Im Straßengüterverkehr machen Treibstoffkosten bis zu einem Drittel der Gesamtproduktionskosten aus“, berichtet Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), der LP. Seit dem Krieg im Nahen Osten sei der Dieselpreis um mehr als 25 Prozent sprunghaft angestiegen. Vor allem die vielen kleinen Betriebe im Straßengüterverkehrsmarkt könnten das kräftige Plus beim Treibstoff nicht einpreisen und gerieten in eine Liquiditätskrise. Der BGL geht von kletternden Logistikkosten und einem steigenden Frachtratenniveau aus. Eine Entspannung sei nicht erkennbar. „Doch 85 Prozent aller Güter in Deutschland werden mit dem Lastwagen transportiert“, erinnert Engelhardt. An dieser Stelle fahren also ebenfalls Gefahren für die Versorgungssicherheit.

Schulterschluss der Branchen

Meinung von LP-Redakteur Thomas Klaus

Steht das Speditions- und Transportgewerbe unter wirtschaftlichem Druck, merken das früher oder später auch seine Kunden aus der Lebensmittelwirtschaft. Und zurzeit ist der Druck kriegsbedingt besonders groß. Womöglich wären steigende Logistikpreise für Handel und Hersteller sogar das kleinere Übel. Denn wenn zu viele Firmen aus Spedition und Transport den Markt verlassen sollten, würde das die Lieferkette brechen. Warum kein branchenübergreifender Schulterschluss? Auch mit Blick auf die Politik, die das Speditions- und Transportgewerbe finanziell entlasten sollte. Kunden der Lebensmittelwirtschaft und ihre fahrenden Dienstleister sitzen in einem Boot beziehungsweise Lkw. 

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