„Schweinefleisch mit gutem Gewissen essen“
Von Gereon Schulze Althoff, Premium Food Group
Gereon Schulze Althoff ist als Chief Sustainability Officer (CSO) bei der Premium Food Group (ehem. Tönnies) tätig.
Die Entwicklungen der letzten Jahre – von Futtermittelinnovationen bis hin zu effizienteren Produktionssystemen – zeigen: Die Schweinehaltung in Deutschland ist Teil der Lösung für eine nachhaltige Lebensmittelversorgung. Die Premium Food Group hat den CO₂-Fußabdruck unseres Schweinefleisches neu berechnet – mit einem deutlichen Ergebnis: Der tatsächliche Emissionswert liegt 28 Prozent niedriger als vor zehn Jahren. Bisherige Werte basierten häufig auf mehrere Jahre alten Daten aus internationalen Sekundärdatenbanken – und zeigten nicht die tatsächlichen Fortschritte, die unsere Landwirtschaft längst erreicht hat. Mit der „Klimaplattform Fleisch“, mit der landwirtschaftliche Betriebe ihre Emissionen exakt berechnen lassen können, nutzen wir erstmals exakte Realbetriebsdaten unserer Lieferanten. Das macht die neue Berechnung nicht nur präziser, sondern bildet die tatsächlichen Verbesserungen der letzten Jahre realistisch ab. Sicher entwaldungsfreies Soja hat erheblich niedrigere Emissionen. In Kombination mit der flächendeckenden Einführung einer Fütterung, die Ausscheidungen von Stickstoff und Phosphor reduziert, Verbesserungen in Tiergesundheit und -zucht sowie optimierter Güllewirtschaft sehen wir eine klare, faktenbasierte Trendwende.
„Transformation statt Schönrechnerei“
Von Lasse van Aken, Greenpeace
Lasse van Aken ist Experte für Agrarwende, nachhaltige Landwirtschaft und europäische Agrarpolitik bei Greenpeace.
Schweinefleisch kann Teil einer klimafreundlichen Ernährung sein – wenn es denn beim Sonntagsbraten bleibt. Es ist jedoch befremdlich, den CO₂-Fußabdruck von Schweinefleisch neu zu berechnen und es dann als klimafreundlich zu bewerben. Die Fleischindustrie trickst, indem sie CO₂-Bilanzen nur pro Kilo berechnet und nicht die Gesamtemissionen betrachtet. Rund zwei Drittel des in Deutschland erzeugten Fleisches sind Schweinefleisch – 4,3 Millionen Tonnen. Das gelingt nur, weil die Tierhaltung von der Fläche entkoppelt wurde. Soja wird importiert, angeblich entwaldungsfrei, was den größten Teil der ausgerechneten Emissionsminderungen ausmacht. Doch das Soja-Moratorium ist gescheitert und es bleibt unklar, ob für das Futter bei der Premium Food Group und anderen Fleischkonzernen nicht doch Wald abgeholzt wurde. Das gesetzlich verbindliche Ziel der Klimaneutralität bis 2045 ist nicht erreichbar, wenn der Fleischkonsum weiter extrem hoch bleibt. Verschmutztes Grundwasser durch Überdüngung und der Verlust der Artenvielfalt durch den Futterbau in Deutschland sind weitere Folgen. Die Premium Food Group sollte sich mehr mit zukunftsfähigen Geschäftsmodellen beschäftigen und weniger damit, den Status quo schönzurechnen.