Bananenmarkt unter Druck Pilzkrankheiten gefährden wichtige Obstsorte im Handel – das sind die Folgen für Einkauf und Sortiment

Hintergrund

Aggressive Pilzkrankheiten wie TR4 und Black Sigatoka setzen den globalen Bananenmarkt unter Druck. Bei der Suche nach resistenten Sorten verfolgen Forscher unterschiedliche Ansätze.

Dienstag, 14. April 2026, 07:40 Uhr
Hedda Thielking
Artikelbild Pilzkrankheiten gefährden wichtige Obstsorte im Handel – das sind die Folgen für Einkauf und Sortiment
Befürworter konventioneller Züchtung: Peter Stedman, Chiquita-Nachhaltigkeitsexperte
Fernando García-Bastidas vom Yelloway-Bananenzüchtungsprogramm hat die genetische Vielfalt der Banane mit entschlüsselt. Bildquelle: Key-Gene, Chiquita

Bananen sind im Lebensmitteleinzelhandel ein Frequenzbringer und nach Äpfeln das zweitbeliebteste Obst in Deutschland. Obwohl es mehr als 1.000 Bananensorten gibt, basiert der weltweite Export bei Bananen seit den 1960er-Jahren fast vollständig auf einer Sorte: Cavendish. Ob konventionell oder ökologisch, als Marken- oder Preiseinstiegsprodukt – im Handel dominiert überall dieselbe Banane. Sie ist süß, samen- und kernlos, robust, lagerfähig und ertragreich. Genau darin liegt das Problem: Cavendish vermehrt sich nicht über Samen, sondern vegetativ über Sprösslinge, die in den Boden gepflanzt werden. Somit besitzt jeder Bananenableger dieselbe DNA. Das erhöht die Krankheitsanfälligkeit erheblich.

Pilzkrankheiten bedrohen Anbau

Und genau das ist passiert: Mit Tropical Race 4 (TR4, siehe Kasten rechts) hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein Bodenpilz von Südostasien aus ausgebreitet und inzwischen auch Lateinamerika erreicht – erstmals 2019 in Kolumbien. Der Nachweis in Ecuador im September 2025 gilt als besonders kritisch, denn der weltweit größte Bananenexporteur ist das wichtigste Lieferland für den deutschen Markt. Nach Angaben von Henning Kleinespel, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbandes, handele es sich bislang um begrenzte Ausbrüche in Kolumbien, Peru und Ecuador, die unter Kontrolle seien. Ein wirksames Mittel gegen TR4 gibt es jedoch nicht. Die Betriebe setzen daher vor allem auf strenge Hygienemaßnahmen wie Schutzanzüge und desinfizierte Schuhe bei Mitarbeitern, um die Ausbreitung des Bodenpilzes zu verlangsamen.

Zusätzlichen Druck erzeugt die Pilzkrankheit Black Sigatoka (siehe Kasten rechts). Sie verursacht nach Angaben von Peter Stedman, Nachhaltigkeitsexperte bei Chiquita, jährlich Kosten von mehr als einer halben Milliarde US-Dollar für Fungizide – Tendenz steigend. Fresh Del Monte beziffert die jährlichen Verluste in Costa Rica durch Black Sigatoka mit 22 Prozent.

Noch ist die Versorgung des deutschen Marktes laut Henning Kleinespel nicht eingeschränkt. Doch Peter Stedman warnt: „Wir gehen davon aus, dass TR4 in den nächsten fünf bis zehn Jahren erhebliche Auswirkungen verursachen wird.“ Ein Sprecher von Fresh Del Monte ergänzt: „Wenn die Branche nicht rasch gegensteuert, ist in absehbarer Zeit mit erheblichen Problemen zu rechnen, sodass Bananen seltener verfügbar sind und die Preise steigen.“ Gerade in einer Kategorie mit ohnehin angespannten Margen gewinnen robuste, effizient produzierte und krankheitsresistente Sorten strategisch an Bedeutung. Beide Unternehmen treiben deshalb die Forschung nach resistenten Sorten voran.

Pilzkrankheiten bei Bananen

Tropical Race 4 (TR4) kann bis zu zwei Jahre unentdeckt im Boden bleiben und sich über Geräte, Mitarbeiter oder Wasser verbreiten. Die Bananenpflanzen sterben meist innerhalb von Monaten. Der Pilz Black Sigatoka behindert die Foto­synthese, die Pflanzen bilden nur kleine Früchte. Zudem reifen die Früchte oft schon beim Transport. Die Folge: Ernteverluste und Food Waste.

Gentechnisch verändert

Die Queensland University of Technology hat mit der Universität Wageningen gentechnisch veränderte Bananen entwickelt. Durch das Resistenzgen aus einer Wildbanane erwies sich die Sorte QCAV-4 im Feldversuch als nahezu resistent gegen TR4. Anfang 2024 wurde sie in Australien für den Verzehr zugelassen, ein kommerzieller Anbau ist aktuell nicht geplant.

Intensive Forschung

Chiquita verfolgt mit der Yelloway-Initiative gemeinsam mit dem Biotechnologie-Unternehmen KeyGene, dem Bananenzüchter MusaRadix und Wage­ningen University & Research (WUR) das Ziel, resistente Bananensorten ohne Gentechnik zu entwickeln, die gleichzeitig geschmacklich überzeugen sowie transport- und lagerfähig bleiben.

Peter Stedman erklärt: „Mit Yelloway One läuft derzeit ein erster Testhybrid in Feldversuchen auf den Philippinen und in Indonesien. Marktfähige Sorten erwartet Yelloway innerhalb der kommenden acht bis zehn Jahre.“ Ein Meilenstein sei dabei die Entschlüsselung des Bananen-Pangenoms, also der gesamten genetischen Vielfalt der Banane. „Sie beschleunigt die Entwicklung resistenter Bananensorten“, sagt Fernando García-Bastidas, Leiter des Yelloway-Bananenzüchtungsprogramms, stolz. Langfristig sollen auch andere Marktteilnehmer diese neuen Sorten über Lizenzen nutzen können. Peter Stedman betont zudem: „Wir unterstützen grundsätzlich die Entwicklung in der EU, dass Neue Genomische Techniken (NGT) unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen werden. Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass die Technologie frei verfügbar ist und dem Gemeinwohl dient.“ Das Thema tangiere jedoch Fragen des Patent- und Urheberrechts. Wichtig sei zudem die gesellschaftliche Akzeptanz. Deshalb konzentriert sich Yelloway bislang auf natürliche Züchtung.

Offen für Biotechnologie

Fresh Del Monte positioniert sich breiter und bezieht biotechnologische Verfahren als Teil des Lösungswegs ein. Das Unternehmen betont, dass traditionelle Züchtungsprogramme trotz jahrzehntelanger Arbeit bislang keine marktfähige, resistente Cavendish-Sorte hervorgebracht haben. Weil Bananen in vielen Anbauländern für Ernährungssicherheit und Export wichtig sind, wachse das Interesse an modernen Verfahren zur schnelleren Entwicklung widerstandsfähigerer Sorten ohne Einbußen bei Qualität und Ertrag.

Das Unternehmen kooperiert mit Partnern und internationalen Forschungseinrichtungen und kombiniert klassische Züchtung mit modernen biotechnologischen Verfahren. Biotechnologie sei aus Unternehmenssicht ein wichtiges Instrument für langfristige Lösungen, sofern sie verantwortungsvoll, wissenschaftlich fundiert und transparent eingesetzt wird. Die Herausforderungen ließen sich jedoch nur gemeinsam lösen – durch Forschung, Erzeuger, Handel und Politik.

Für den Lebensmittelhandel gewinnt die Debatte an Bedeutung: Mit wachsendem Druck auf den Bananenanbau wird entscheidend, ob und welche neuen Sorten künftig verfügbar, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich akzeptiert sind.

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