Kriselnder Schokoladenhersteller Ritter trennt sich von Ronken und beruft Familienmitglieder an die Spitze

Moritz Ritter und Tim Hoppe führen den Schokoladenhersteller künftig gemeinsam. Die beiden Urenkel der Firmengründer lösen Andreas Ronken ab, der das Unternehmen nach 20 Jahren verlässt. Der Wechsel erfolgt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Montag, 18. Mai 2026, 13:01 Uhr
Manuel Glasfort
Sie bilden die neue Spitze bei Ritter: Moritz Ritter (links) und Tim Hoppe. Bildquelle: Alfred Ritter

Der Schokoladenhersteller Ritter hat seine Führung neu besetzt. Moritz Ritter und Tim Hoppe übernahmen zum 15. Mai als Doppelspitze den Vorsitz der Geschäftsführung, wie das Unternehmen mitteilte. Damit liegt die Verantwortung für das operative Geschäft wieder bei Mitgliedern der Inhaberfamilie. Andreas Ronken, der seit 2015 als Vorstandschef fungierte, verlässt das Unternehmen.

Die beiden neuen Geschäftsführer sind Urenkel der Unternehmensgründer Clara und Alfred Ritter und Gesellschafter des Unternehmens. Moritz Ritter (Jahrgang 1978) ist Informatiker und arbeitet seit 2009 im Familienunternehmen. Sein Cousin Tim Hoppe (Jahrgang 1979) ist Betriebswirt und seit 2011 im Unternehmen tätig. Seit 2017 führt er die Ritter Agrar. Beide waren bislang Vorsitzende des Beirats. Diese Position übernimmt künftig Linda Dauriz, die bereits Mitglied des Beirats ist.

Ronken kam 2005 als Geschäftsführer für Produktion und Technik zu dem Schokoladenhersteller nach Waldenbuch und übernahm 2015 den Vorsitz der Geschäftsführung von Alfred T. Ritter. „Andreas Ronken hat Ritter Sport in den letzten 20 Jahren maßgeblich geprägt und wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens gesetzt“, zitierte das Unternehmen Moritz Ritter in der Mitteilung. Dazu zählten unter anderem der Aufbau der eigenen Kakaofarm El Cacao, die Internationalisierung und der Ausbau der Nachhaltigkeitsstrategie.

Hoppe und Ritter übernehmen in der Krise

Die Neubesetzung erfolgt vor dem Hintergrund einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. „Aufgrund der herausfordernden wirtschaftlichen Situation haben wir in den letzten Monaten ein Programm mit schmerzhaften Einschnitten auf den Weg gebracht“, erklärten Hoppe und Ritter laut der Mitteilung. Vor diesem Hintergrund hätten sie sich entschieden, selbst Verantwortung zu übernehmen, um die notwendige Transformation abzuschließen.

Zu Jahresbeginn hatte Ritter mitgeteilt, im zurückliegenden Geschäftsjahr trotz eines Umsatzsprungs in die roten Zahlen gerutscht zu sein. Als Grund für die roten Zahlen nannte das Unternehmen massive Kostensteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Erst vor wenigen Wochen sorgte das Unternehmen dann erneut für Schlagzeilen mit der Ankündigung, am Stammsitz in Waldenbuch rund 70 Stellen in der Verwaltung zu streichen – ein Novum für das Unternehmen.

Das 1912 gegründete Familienunternehmen mit Hauptsitz in Waldenbuch und einem zweiten Produktionsstandort in Österreich beschäftigt nach eigenen Angaben rund 1.700 Mitarbeiter. Das Unternehmen erzielte 2025 einen vorläufigen, konsolidierten und wechselkursbereinigten Umsatz von 712 Millionen Euro, wie es mitteilte. Die Ritter Sport Schokoladen werden den Angaben zufolge in über 100 Ländern weltweit verkauft.

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