Süßwaren Ritter Sport bringt dünnere Tafeln auf den Markt

Ritter Sport verkauft drei neue Schokoladensorten mit 75 statt 100 Gramm. Die Verbraucherzentrale Hamburg spricht von versteckter Preiserhöhung. Das Unternehmen verweist auf neue Rezepturen und Edelkakao aus Nicaragua.

Dienstag, 12. Mai 2026, 11:58 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Quadratisch und farbenfroh – so kennen Verbraucher die Schokoladentafeln von Ritter. An der Verpackungsgröße neuer Sorten entzündet sich jetzt jedoch Kritik. Bildquelle: Santiago Engelhardt

Der Schokoladenhersteller Ritter Sport hat drei neue Schokoladensorten mit einem Gewicht von 75 Gramm auf den Markt gebracht. Die neue Edelkakao-Linie ist seit Ende April im Handel erhältlich, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. Die bisherige Kakao-Klasse werde nicht mehr produziert.

Die Verbraucherzentrale Hamburg erkennt darin eine versteckte Preiserhöhung. Aus Sicht der Verbraucherschützer spreche vieles für eine sogenannte Shrinkflation – weniger Inhalt zum gleichen oder sogar höheren Preis. Ritter Sport versuche den Eindruck zu erwecken, dass es sich um eine neue Produktlinie handele, heißt es in einem Beitrag auf der Internetseite der Verbraucherschützer. Die Produkte der neuen Linie seien äußerlich so groß wie die Standardtafeln mit 100 Gramm, aber dünner.

Konkret geht es um die Sorten „Die Vollmundige“ mit einem Kakaoanteil von 55 Prozent, „Die Aromatische“ mit 74 Prozent und „Die Intensive“ mit 81 Prozent. Zwei der neuen Sorten hätten denselben Kakaoanteil wie frühere Produkte der Kakao-Klasse. Der Preis liege trotz der geringeren Füllmenge meist weiterhin bei 2,29 Euro je Tafel. Unter der Annahme, dass die bisherigen Produkte faktisch ersetzt werden, entspreche das einer versteckten Preiserhöhung von mehr als 33 Prozent, argumentieren die Verbraucherschützer.

Eigene Plantage liefert genügend Kakao

Ritter Sport widerspricht der Darstellung. Es handele sich um eine vollkommen neue Produktgruppe mit neuen Rezepturen sowie einem neuen Tafelformat, teilte ein Sprecher mit. Die bisherige Kakao-Klasse sei dafür nicht angepasst oder verändert worden. Die neuen Produkte basierten vielmehr auf einer langfristig angelegten Entwicklung rund um die firmeneigene Kakao-Plantage in Nicaragua. Diese liefere inzwischen ausreichend Edelkakao für eine eigene Produktlinie.

„Aus der Marktforschung wissen wir, dass Verbraucherinnen und Verbraucher bei Schokoladen mit hohem Kakaoanteil dünnere Tafeln bevorzugen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Eine 100-Gramm-Variante wäre deutlich größer ausgefallen. Außerdem wäre der Preis so hoch gewesen, dass sie nach Unternehmensangaben voraussichtlich nicht am Markt angenommen worden wäre. Auf das reduzierte Gewicht werde unter anderem auf der Verpackung mehrfach hingewiesen.

Mondelez im Rechtsstreit mit Verbraucherschützern

Auch der Wettbewerber Mondelez war im vergangenen Jahr wegen seiner Packungsgrößen in die Kritik geraten. Die Schokoladentafeln der Marke Milka verteuerten sich nicht nur von 1,49 auf 1,99 Euro, zudem verringerte sich der Packungsinhalt etlicher Sorten von 100 auf 90 Gramm. Der Grundpreis stieg damit um 48 Prozent. Die Verbraucherzentrale Hamburg zog deshalb vor Gericht und wirft Mondelez unlauteren Wettbewerb vor. Das Landgericht Bremen beschäftigt sich derzeit mit dem Streit. Die Entscheidung soll am 13. Mai verkündet werden.

Ritter Sport steht wirtschaftlich unter Druck. Im vergangenen Jahr rutschte das Unternehmen trotz eines Umsatzanstiegs auf 712 Millionen Euro in die Verlustzone. Belastet worden sei das Ergebnis vor allem von stark gestiegenen Kakao-, Energie- und Verpackungskosten, teilte das Unternehmen mit. Gleichzeitig schwächte sich den Angaben zufolge die Nachfrage ab. Als Reaktion kündigte Ritter Sport erstmals in der mehr als 110-jährigen Firmengeschichte einen Stellenabbau an. In der Zentrale in Waldenbuch soll etwas mehr als jede zehnte Stelle wegfallen.

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