Die deutschen Landwirte erwarten nach einem trockenen Frühjahr eine durchschnittliche Getreideernte. Der Regen sei in vielen Regionen noch rechtzeitig gekommen, teilte der Deutsche Bauernverband mit. Die Niederschläge in der zweiten Maihälfte und im Juni hätten die Situation verbessert. Auf den Getreidefeldern haben die Mähdrescher bereits mit der Ernte begonnen.
„Wir laufen nicht auf eine Super-Ernte bei Getreide und Raps zu“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Die Chance für eine durchschnittliche Ernte bestehe aber. Sorgen bereiten den Landwirten die stark gesunkenen Getreidepreise, die sich auf einem Tiefstand befinden. Die Branche setzt nun Hoffnungen auf die neue Bundesregierung, die nicht nur den Konflikt um den Agrardiesel lösen soll.
Der Bauernverband erwartet von dem neuen Landwirtschaftsminister Alois Rainer konkrete Schritte für den Umbau der Tierhaltung. „Das Bekenntnis zur Weiterentwicklung der Tierhaltung ist ein wichtiges Signal. Es dürfen aber keine leeren Worte bleiben“, sagte Rukwied. Der Umbau gelinge nur mit staatlicher Unterstützung. Dafür seien neue Finanzmittel nötig, keine Umschichtungen im Agrarhaushalt. Die Ampel-Koalition hatte bereits eine Milliarde Euro für die Schweinehaltung reserviert.
Bauernverband fordert Planungssicherheit für Stallumbau
Die Landwirte fordern für Investitionen in Ställe eine garantierte Planungssicherheit für 20 Jahre. Außerdem seien Erleichterungen im Bau- und Emissionsschutzrecht notwendig. Minister Rainer will nach eigenen Angaben für eine Förderung von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr kämpfen. Wie genau der Umbau finanziert werden soll, sei dem Bauernverband gleichgültig. Im Gespräch sind kleine Preisaufschläge oder eine höhere Mehrwertsteuer für Fleisch.
Das geplante staatliche Tierhaltungslogo für Fleisch kommt später als geplant. Statt im August dieses Jahres soll es erst im März 2026 in den Handel kommen. „Das war ein notwendiges Ziehen der Reißleine“, sagte Rukwied. Das System solle zusammen mit der Branche neu aufgesetzt werden. Der Bauernpräsident plädiert dafür, das Konzept auf einem weißen Blatt Papier schlank und praktikabel neu zu entwickeln.
Bei den Lebensmittelpreisen sieht der Bauernverband keinen neuen Preiskampf, obwohl sich Lebensmittel zuletzt stärker verteuerten als die allgemeine Inflation. Die Branche brauche den Handel als Partner, um heimische und nachhaltig erzeugte Produkte langfristig stärker im Markt zu platzieren, teilte der Verband mit. Zeitlich begrenzte Sonderangebote in der Grillsaison seien aber durchaus sinnvoll.