Die EU-Kommission will die Fangmöglichkeiten für Hering in der westlichen Ostsee weiter stark einschränken. Insbesondere soll eine bislang geltende Ausnahme für die kleine Küstenfischerei im Jahr 2027 wegfallen, wie die Brüsseler Behörde mitteilte. Davon wären vor allem deutsche Ostseefischer betroffen, die den Großteil der Küstenfischerei in der Region stellen.
Hering darf in der an Deutschland grenzenden westlichen Ostsee bereits jetzt nicht gezielt befischt werden. Bislang nutzen Küstenfischer jedoch eine Ausnahme, die ihnen erlaubt, mit passiven Fangmethoden wie Stellnetzen in Küstennähe Hering zu fangen. Nach dem Vorschlag der Kommission soll diese Ausnahme ersatzlos entfallen. Übrig bliebe dann nur noch eine Beifang-Regelung: Beim Fischen nach anderen Arten dürften Fischer eine begrenzte Menge Hering als Beifang anlanden. Die erlaubte Beifangmenge soll sich laut dem Vorschlag von derzeit 788 Tonnen auf 437 Tonnen nahezu halbieren. Die Kommission begründet den Schritt damit, dass die Heringsbestände weiterhin deutlich zu gering seien. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Kommission einen ähnlichen Vorschlag vorgelegt, dem die zuständigen Fischereiminister der EU-Länder jedoch nicht gefolgt waren.
Auch beim Dorsch sieht der Vorschlag deutliche Einschnitte vor. Die zulässigen Beifangmengen in der westlichen Ostsee sollen den Angaben zufolge um 88 Prozent auf 31 Tonnen sinken, in der östlichen Ostsee um 51 Prozent auf 211 Tonnen. Beifänge gefährden Arten wie den Dorsch in der Ostsee, erklärte die Kommission. Gleichzeitig könnten die Fangmöglichkeiten für einige andere Bestände steigen – etwa für Hering in der mittleren Ostsee und für Sprotte. Die Kommission verwies dabei auf die jeweilige Bestandsgröße.
Fischereikommissar Kadis warnt vor schlechtem Zustand der Ostsee
EU-Fischereikommissar Costas Kadis erklärte laut der Mitteilung, die Aussichten für manche Fischbestände in der Ostsee seien für 2027 besser als zuletzt. Man müsse aber vorsichtig bleiben. „Das Ökosystem der Ostsee ist in einem sehr schlechten Zustand, und wir müssen Maßnahmen in allen Bereichen ergreifen, um es zu schützen.“ Klimawandel, Überfischung und andere Faktoren hätten den Beständen in den vergangenen Jahren zugesetzt.
Die Kommission erarbeitet ihre Vorschläge jährlich auf Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung. Die endgültige Entscheidung über die Fangmengen treffen jedoch die Fischereiminister der EU-Länder, die sich Ende Oktober mit dem aktuellen Vorschlag befassen. Sie sind dabei nicht an die Empfehlungen der Kommission gebunden.