Diese Saison wird spannend. Nicht dass es in den Vorjahren nicht schon spannend gewesen wäre. Hermann Bühlbecker, Alleingesellschafter der Aachener Lambertz-Gruppe, ist seit 50 Jahren im Unternehmen. Er hat viel Erfahrung, was das Auf und Ab im Herbst- und Weihnachtsgeschäft angeht. Doch 2026 ist anders. „Die Saison startet unter Vorzeichen, die kaum Planungssicherheit zulassen: unsichere Verbraucherstimmung, schwache Konsumlaune, ein Preisumfeld, das je nach Rohstoff stark auseinanderläuft“, sagt Bühlbecker im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis.
Flexibilität und Verlässlichkeit in der Produktion, mit dem Partner Handel immer im Dialog bleiben: Diese Strategie hat Bühlbecker in der DNA des mehr als 300 Jahre alten Familienunternehmens verankert. Für 2026 spricht er aber häufig auch von Vorsicht. „Ich sage ganz offen: Mit einigen Händlern haben wir vereinbart, dass sie erst einmal vorsichtig bestellen, damit am Ende weder beim Handel große Überhänge entstehen noch wir ein unnötiges Risiko tragen.“ Gleichzeitig stehe Lambertz Gewehr bei Fuß, um zu reagieren.
Die Strategie beschreibt Bühlbecker so: „Vorsichtige Disposition auf Basis der Vergangenheit, aber eben mit etwas mehr Zurückhaltung. Dafür halten wir uns bereit. Die Mehrkosten nehmen wir in Kauf.“ Die Aachener haben sich mit Verpackungen sowie Rohstoffen eingedeckt. „Und wir leisten uns den Luxus, freie Kapazitäten vorzuhalten, um dann gemeinsam mit dem Handel reagieren zu können.“
Das Weihnachtsgeschäft 2025 war eher durchwachsen. Die durch multiple Krisen und Preiserhöhungen im gesamten Lebensumfeld verunsicherten Verbraucher ließen sich auch durch die Advents- und Weihnachtszeit nicht in Konsumstimmung bringen. Das prozentuale Absatzminus für Saisonartikel summierte sich bis Ende Dezember auf 8,1 Prozent (Quelle: Nielsen-IQ).
Wie es 2026 wird? „Das werden wir wahrscheinlich Mitte oder Ende November einschätzen können“, sagt Bühlbecker. Wenn der Handel Anfang November sagt, die Planmengen bleiben oder es werden 2 bis 3 Prozent mehr, dann ist das so. „Wenn er aber sagt: ‚Nein, da ist wieder richtig Zug drin‘, dann reagieren wir und produzieren nach“, sagt der Lambertz-Chef. Es schwingt Stolz in der Stimme mit. Das könne nicht jedes Unternehmen leisten. Auch größere nicht immer. „Aber vielleicht ist genau das die Chance des Spezialisten: dass er reagieren kann und im engen Austausch bleibt“, sagt Bühlbecker. Dann backen die Aachener in ihren sieben Werken Dominosteine, Aachener Printen oder Spekulatius nach, während anderswo schon Osterprodukte auf dem Plan stehen.
10 bis 15 Prozent Unsicherheit
Bühlbeckers Erfahrung sagt ihm aber auch, dass die Verbraucher immer eine gewisse Menge an weihnachtlichem Gebäck kauften. Gerade zu Beginn der Saison. Aber: „Wer heute Tagesschau schaut, Radio hört oder Zeitung liest, ist von dem, was er da mitbekommt, nicht gerade begeistert. Ob ihn das dann motiviert, groß einzukaufen, können wir im Moment kaum einschätzen.“ Die letzten 10 bis 15 Prozent sind der eigentliche Unsicherheitsfaktor für das Ergebnis einer Saison, definieren letztlich das Risiko für den Unternehmer: „Sie sind oft der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Geschäft. So offen muss man das sagen.“
Was bedeutet das für die Preise? Bühlbecker ist auch hier vorsichtig, nicht nur weil die Preissetzung in der Hoheit des Handels liegt. Der Schokoladenanteil ist ein wichtiger Faktor. „Wir haben zum Glück auch Artikel wie Kräuterprinten, Zimtsterne oder Butter-Spekulatius, die gar keine oder kaum Schokolade enthalten. Deshalb kann man nicht pauschal sagen: Saisonartikel werden jetzt billiger oder teurer.“ Unterm Strich erwartet er keine großen Preiserhöhungen, „es sei denn, es gibt ein spezielles Argument, etwa bei Nüssen, die stark teurer geworden sind“. Auch hochwertige Bio-Schokolade sei derzeit immer noch schwer zu bekommen – für den nach eigenen Angaben Marktführer bei Bio-Gebäck unbefriedigend. Bühlbecker freut sich aber, in dieser Saison auch Bio-Spekulatius im Portfolio zu haben.
Mit seiner Ehefrau Zahra Bühlbecker als Geschäftsführerin gehört seit Kurzem ein Familienmitglied zum Team der Geschäftsleitung. Die Aufgaben der Diplom-Mathematikerin: Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Cybersicherheit. Sie hat mehr als 20 Jahre Berufserfahrung innerhalb der Lambertz-Gruppe, ist seit mehr als zehn Jahren Mitglied im Beirat der Gruppe, war bis zuletzt stellvertretende Beiratsvorsitzende.
Nachfolger für Manfred Vondran gesucht
Derzeit sucht die Lambertz-Gruppe einen neuen Vertriebs- und Marketinggeschäftsführer. Manfred Vondran gab diese Position jüngst auf, bleibt dem Unternehmen aber als Berater erhalten. Vondran will laut Hermann Bühlbecker diese Tätigkeit noch etwa anderthalb Jahre ausüben. „So habe ich mehr Zeit, einen Nachfolger zu finden und einzuarbeiten“, sagt Bühlbecker. Einfach sei dies nicht: Er spricht von einer herausfordernden Struktur der Gruppe mit einem starken Saison- und Handelsmarkengeschäft sowie starken, traditionsreichen Marken.
„Ein spezieller Fall“
„Eigentlich verfolgen wir eher das Modell, dass die Familie im Beirat sitzt. Das Digitale ist da ein spezieller Fall“, sagt Bühlbecker mit Verweis auf einen Cyberangriff auf das Unternehmen vor zwei Jahren und auf die Bedeutung von KI. Die mittelfristige Zielrichtung bleibt: „Die Familie stellt den Beirat, und über das Management wird die Geschäftsführung abgedeckt. Dieses Wechselspiel zwischen Beirat und Geschäftsführung muss dann den Erfolg des Unternehmens tragen.“
Unterstützung von der Politik erwartet Bühlbecker nicht. Es werde hier und da ein Bonbon geben, wie etwa die Abschreibung. „Das vorgelegte Reformpaket selbst hilft in erster Linie der Regierung, um an der Macht zu bleiben. Es reicht bei Weitem nicht aus, um eine große Wende zu mehr privaten Investitionen und Wirtschaftswachstum zu erreichen“, sagt er nüchtern. Und fügt kämpferisch hinzu: „Wir können uns am Ende nicht über das Klagelied profilieren. Unser Job ist nicht, durch die Welt zu laufen und uns zu beschweren. Unser Job ist, damit fertigzuwerden.“