Die Geschäftsführerin des Food Campus Berlin, Lia Carlucci, verlässt Ende August die operative Leitung des Projekts. Das gab sie in einem Newsletter und über LinkedIn bekannt. Sie wechsle vorerst in eine beratende Beiratsposition, die operative Verantwortung liege künftig beim Projektentwickler Artprojekt.
Hintergrund des Abgangs sind erhebliche Verzögerungen bei dem geplanten Innovationszentrum für die Lebensmittelbranche in Berlin. Ursprünglich sollte der sogenannte Food Campus in Tempelhof auf 40.000 Quadratmetern für rund 200 Millionen Euro entstehen. Gestiegene Zinsen und Baukosten infolge des Ukrainekriegs hätten das Vorhaben in dieser Form jedoch unmöglich gemacht, da Banken bei großvolumigen Projekten zurückschreckten, heißt es in der Mitteilung. Das Konzept sei daraufhin auf 10.000 Quadratmeter verkleinert worden, modular und erweiterbar.
Zusätzlich steht ein Standortwechsel an. Potenzielle Mieter hätten Tempelhof als nicht zentral genug wahrgenommen, zudem fehlten kurzfristig verfügbare Wohnmöglichkeiten für Beschäftigte und internationale Forschungsgäste in der Umgebung, teilte der Food Campus mit. Derzeit liefen konkrete Verhandlungen für einen zentraleren Standort. Inhaltlich wolle das Projekt Kompetenzzentren zu den Themen „Food as Medicine“, Ernährungsresilienz und „Circular Food“ aufbauen.
Geschäftsführerin Lia Carlucci begründet Abgang mit fehlender Geduld
Die scheidende Geschäftsführerin begründete ihren Rückzug auf LinkedIn mit persönlichen Motiven: „Dieser nächste Schritt braucht vor allem Geduld. Und Geduld ist nicht mein stärkstes Talent.“ Sie habe das Projekt zwei Jahre lang vorangetrieben, fühle sich aber angesichts der Verzögerungen „wie mit angezogener Handbremse“. Ob sie erneut gründe oder in ein bestehendes Team einsteige, sei noch offen. Dem Berliner Lebensmittel-Ökosystem wolle sie über den neu gegründeten Berlin Food Network treu bleiben.
Ein konkretes Eröffnungsdatum für den Food Campus nannte die Mitteilung nicht. Auch die geplanten Food-Events und der Newsletter sollen den Angaben zufolge erst wieder starten, wenn ein solches Datum absehbar ist. Die Stadt Berlin unterstütze das Vorhaben weiterhin, hieß es.