Herr Lindlein, Biovegan hat eine turbulente Phase mit Insolvenz hinter sich. Wo stehen Sie heute?
Karsten Lindlein: Erfreulicherweise sehr positiv. Biovegan hatte eigentlich nie ein Absatz- oder Umsatzproblem. Selbst in schwierigen Phasen ist das Unternehmen weiter gewachsen. Nach Corona haben wir die Weichen richtig gestellt und das Sortiment in Richtung mehr Convenience erweitert. Mit der Familie Zimmermann haben wir Investoren gefunden, die den regionalen Bezug mitbringen und eine langfristige Perspektive verfolgen. Sie haben nicht nur das Unternehmen übernommen, sondern auch die Grundstücke und Anbauflächen.
Wie viel hat die Unternehmerfamilie investiert und worein?
Im siebenstelligen Bereich, und zwar gezielt in den Produktionsbereich. Wir haben den gesamten Mischbereich umgebaut und setzen dort auf eine moderne, schonende Fördertechnik mit Unterdruck. Das schont die Produkte beim Einbringen in den Mischer enorm. Darüber hinaus haben wir in eigene Abfüllanlagen investiert und ganz neu eine Riegelanlage angeschafft.
Wie haben sich Absatz und Umsatz entwickelt?
2025 haben wir unseren Umsatz von 22 auf 25,5 Millionen Euro gesteigert und das Jahr voraussichtlich ertragspositiv abgeschlossen. 2026 liegen wir beim Umsatz wie beim Absatz über 30 Prozent im Plus gegenüber dem Vorjahr. Und wir peilen an, in diesem Jahr erstmals die 30-Millionen-Grenze zu überschreiten.
Der vegane Käsekuchen „She’s Cake“ ist Ihr erstes Tiefkühlprodukt. Warum dieser Schritt?
Die Idee entstand in Kooperation mit unserem Nachbarbetrieb Firma Hack in Kurtscheid, 500 Meter entfernt. Wir haben das Produkt gemeinsam entwickelt, getestet und vermarktet. Auf der Biofach haben wir ihn als Projekt vorgestellt, Konditoren probierten ihn und zweifelten sofort daran, dass er bio und vegan sein kann. Direkt auf der Messe kamen Anfragen von Alnatura und Dennree. Von Februar bis Mai haben wir dann aus einem Projekt eine Serienproduktion gemacht. Seit Mitte Mai steht er in den Läden und läuft sehr gut. Das Produkt wird auch in der Gastronomie angeboten.
Werden Sie in weitere neue Produktbereiche vorstoßen?
Wir bleiben der Back- und Kochwelt treu. Was uns aktuell stark beschäftigt: vegane Brühen, die über klassische Gemüsebrühe hinausgehen. Außerdem arbeiten wir an einer Airfryer-Linie, die Anfang 2027 auf den Markt kommt.
Was planen Sie bis 2030?
Wir wollen den Standort erweitern. Spätestens in zwei Jahren beginnen wir zu bauen. Die Auslastungsquote liegt heute bei rund 80 Prozent mit zwei bis drei Schichten. Bis 2027/2028 werden wir an bestimmten Anlagen das Maximum erreicht haben. Parallel testen wir KI-gestützte Produktionsplanung und Auslastungssteuerung, investieren in weitere Automatisierungsschritte und arbeiten daran, die Personalzahl von heute 135 auf rund 180 Mitarbeiter bis 2030 auszubauen.
Haben Sie noch ein Leuchtturm-Projekt, das Sie beschäftigt?
Ja: regionaler Shiitake-Anbau. Shiitake sind die Basis für unseren veganen Speck. Aktuell beziehen wir sie aus Osteuropa, teils aus Asien, weil die Mengen in Europa unseren Bedarf nicht decken. Ein Konzept mit containerbasiertem Pilzanbau liegt auf dem Tisch. Wir sind im Gespräch mit Landwirten. Zur Not machen wir es selbst.