Er ist der „Champagner“ der Lombardei, obwohl er diesen Namen nicht tragen darf: der Franciacorta. Es ist der erste italienische Wein, der durch die exklusive Flaschengärung entstanden ist. Seinen Namen erhielt er vom lateinischen Begriff „francae curtes“, einer Bezeichnung für die von der Steuer befreiten Klöster der Region. Zum ersten Mal tauchte der Name 1277 auf, in einer Zeit, in der mittelalterliche Mönche, vor allem Cluniazenser und Zisterzienser, die Gegend besiedelten. Sie rodeten ab dem 11. Jahrhundert die Wälder und legten Weinberge an.
Auch heute noch bauen die Winzer am Südrand des Iseosees die Trauben an und keltern sie. Der Name Franciacorta steht für Luxus und Exzellenz, seit die Region 1995 zum DOCG-Bereich (Denominazione di Origine Controllata e Garantita, eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung, die für die höchste Qualitätsstufe für italienische Weine gilt) ernannt wurde. Franciacorta ist eine Gegend reich an Natur. Kleine Städtchen liegen zwischen den grünen Hügeln voller Reben.
Erzeugung mit viel Handarbeit
Die Winzer dürfen die Trauben nur von Hand lesen. Die Sorten stammen aus streng abgegrenzten, überwiegend hügeligen Moränengebieten am Iseosee. Hier wachsen tief wurzelnde Pflanzen wie die dort typischen Chardonnay- und Pinot-noir-Rebstöcke, auch mediterrane Olivenbäume, die sich an die lehmig-schlickigen und kalkhaltigen Böden anpassen. Die Böden sind sehr besonders: im Allgemeinen arm an Ton, oft sehr durchlässig und von beträchtlicher Dicke. Die Trauben, die hier wachsen, werden schonend gepresst, um den reinen Blütenmost (Vorlaufmost) für die Grundweine zu gewinnen. Später gären sie in Edelstahltanks oder Holzfässern. Im Frühjahr stellen die Önologen aus den Weinen verschiedener Rebsorten, Lagen und Jahrgänge die finale Cuvée (im Deutschen auch Verschnitt genannt) zusammen. Heute sind Winzer und Produzenten zusammengeschlossen im Consorzio Franciacorta, einer Organisation, die sich um den Schutz und die Förderung des Franciacorta kümmert. Die Winzer haben sich der Qualität, unter anderem der Ernte per Hand, und der Tradition verschrieben.
Die Perlage macht den Franciacorta einzigartig. Er bildet extrem feine, winzige Bläschen. Die Winzer dürfen nur die Rebsorten Chardonnay, Pinot noir und bis zu 50 Prozent Pinot bianco sowie bis zu 10 Prozent Erbamat, eine weiße autochthone Rebsorte aus der Region, verwenden. Mindestens 18 Monate muss der Wein auf der Hefe reifen. Neben den Standardvarianten bietet Franciacorta auch Millesimati, also Jahrgangsschaumweine an, die aus den besten Trauben gewonnen werden und mindestens 30 Monate auf der Hefe lagern müssen.
Marktbedeutung
Die Erzeuger vermarkteten im Jahr 2025 insgesamt 18,9 Millionen Flaschen. Der Inlandsmarkt macht mit 87,2 Prozent nach wie vor den Löwenanteil des Absatzes aus. Das klare Signal des Jahres 2025 kommt jedoch von den Exportmärkten: Die internationalen Verkäufe wuchsen um 5,3 Prozent gegenüber 2024. Die Schweiz ist dabei wichtigster Exportmarkt mit 22,7 Prozent, gefolgt von den USA (12,6 Prozent) und Japan (10,8 Prozent). Auf Deutschland entfallen 10,4 Prozent der Exporte.
