Folgen des Irankriegs Institut der deutschen Wirtschaft senkt Wachstumsprognose

Das Institut der deutschen Wirtschaft erwartet für 2026 nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent. Die Exporte sinken zum vierten Mal in Folge, die Investitionen bleiben schwach. Nur der Staat stützt die Wirtschaft mit höheren Ausgaben.

Donnerstag, 07. Mai 2026, 10:31 Uhr
Manuel Glasfort
Die Industrie in Deutschland bekommt die Folgen des Irankriegs zu spüren in Form hoher Energiepreise. Das bleibt nicht ohne Folgen für das Wachstum. Bildquelle: Getty Images

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat seine Wachstumsprognose für Deutschland im laufenden Jahr mehr als halbiert. Das Forschungsinstitut rechnet für 2026 nur noch mit einem Wachstum von gut 0,4 Prozent, wie es mitteilte. Im Dezember hatte das Institut noch ein Wachstum von knapp 1 Prozent vorhergesagt. Als Grund für die Korrektur nennt das Institut den Krieg im Nahen Osten mit steigenden Energiepreisen und Störungen in den Lieferketten.

Die deutschen Exporte sinken den Angaben zufolge 2026 um 0,3 Prozent. Dies wäre der vierte Rückgang in Folge. Der Welthandel legt dagegen um 1,7 Prozent zu. Das Institut begründet die Entwicklung damit, dass sich die globale Nachfrage vom deutschen Produktionsportfolio wegbewege, die Wettbewerbsfähigkeit sinke und Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagerten.

Auch die Investitionen entwickeln sich schwach. Das Institut hat seine Prognose für die Anlageinvestitionen von 2,2 auf 1,2 Prozent nahezu halbiert. Die Ausrüstungsinvestitionen etwa für Maschinen oder Nutzfahrzeuge lagen 2025 um elf Prozent unter dem Niveau von 2019, wie das Institut mitteilte. Nur jedes fünfte Unternehmen plant höhere Ausgaben, doppelt so viele wollen kürzen.

Institut erwartet stagnierende Konsumausgaben

Der private Konsum stagniert nach Einschätzung des Instituts 2026. Im Dezember hatte das Institut noch ein Plus von 1 Prozent erwartet. Steigende Energie- und Lebensmittelpreise treiben die Inflation auf gut 3 Prozent und entziehen den Haushalten Kaufkraft, heißt es in der Mitteilung. Die Arbeitslosigkeit steigt den Angaben zufolge auf gut drei Millionen, die Arbeitslosenquote auf 6,4 Prozent. Die Erwerbstätigkeit sinkt um 190.000 Personen.

Dass die Wirtschaft noch ein Plus verzeichnet, liegt laut dem Institut am Staat. Öffentliche Konsumausgaben und Verteidigungsinvestitionen stützen die Nachfrage. Das Staatsdefizit steigt den Angaben zufolge auf 156 Milliarden Euro, die Staatsquote auf über 51 Prozent. „Die Krisen prasseln schneller auf die deutsche Wirtschaft ein, als sie sich erholen kann“, zitierte das Institut seinen Konjunkturchef Michael Grömling in der Mitteilung. Wenn die Regierung das Reformfenster nutze, um die Wettbewerbsfähigkeit und die Investitionsbedingungen für Unternehmen zu verbessern, sei dem Land mehr geholfen.

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