So entsteht... Frischpasta für den Handel – 1.000 Tonnen pro Woche aus Remscheid

Hintergrund

Ein Besuch vor Ort zeigt, dass die „Pasta Rustica“ von Steinhaus zwar industriell, aber mit vielen handwerklichen Schritten hergestellt wird.

Mittwoch, 01. April 2026, 07:40 Uhr
Jens Hertling
Artikelbild Frischpasta für den Handel – 1.000 Tonnen pro Woche aus Remscheid
Zunächst stellen die Mitarbeiter die Füllung für die Pasta-Rustica-Tortelloni her. Hierzu mischen sie Spinat, Ricotta und Bindemittel in einem Kutter.
„Die Pasta Rustica ist unsere Visitenkarte,“ sagt Lajos Becker von Steinhaus. Bildquelle: Peter Eilers

Wenn man durch Remscheid-Lennep fährt, denkt man eher an Werkzeuge und dunkle Schieferdächer als an italienisches Lebensgefühl. Doch am Tenter Weg, hinter einer unscheinbaren Industriefront, hängt der Duft von Hartweizen und warmem Dampf in der Luft. Hier stellt das Familienunternehmen Steinhaus jene frische Pasta her, die in den Kühlregalen der Supermärkte so selbstverständlich wirkt, die aber das Ergebnis eines erstaunlich sorgfältigen und aufwendigen Handwerks ist.

Bereits um 5 Uhr warten drei Mitarbeiter am Wareneingang auf den anrollenden Lkw. Heute steht eine Zutat im Mittelpunkt: Spinat. Gemeinsam mit Ricotta bildet er die Füllung der Pasta-Rustica-Tortelloni. „Der Spinat darf eine Temperatur von maximal sieben Grad haben“, erklärt Lajos Becker, Manager in der Betriebsleitung. Diese Vorgabe ist streng, doch nur so lassen sich die gewünschte Frische und die hohe Qualität der Ware sicherstellen.

Sicherheit startet an der Rampe

Bereits an der Rampe wird der Grundstein dafür gelegt, wie sicher ein Produkt später beim Kunden ankommt. Im Wareneingang kontrollieren die Mitarbeiter die Temperatur der Produkte, prüfen das Temperaturprotokoll des Lkws und werfen einen kritischen Blick auf den Fahrer und die Ladefläche. Dabei stellen sie sich die zentrale Frage: Wurde tatsächlich das geliefert, was bestellt wurde? Sobald der Lkw an die Rampe fährt, beginnt die lückenlose Rückverfolgbarkeit. Jeder Rohstoff erhält eine eindeutige Herkunftsbezeichnung und eine Chargennummer. Begleitende Dokumente machen seinen Weg durch das Werk vollständig nachvollziehbar. „Sollte es einmal zu Beanstandungen kommen, kann man anhand der Rückverfolgbarkeit exakt bestimmen, welche Zutat von welchem Lieferanten kam“, erklärt der Operationsmanager.

Chargierung: das Herz der Marke

Hinter der Warenannahme beginnt eine andere Welt des Werks: leiser, unspektakulärer, aber von zentraler Bedeutung. In einem hohen, hellen Raum findet die sogenannte Chargierung statt. „Das heißt: rezepturgetreues Zusammenstellen der Rohstoffe“, erklärt Becker und blickt auf die Behälter. Was technisch klingt, ist in Wahrheit das Herz der Marke. Denn die frische ­Pasta sollen immer gleich schmecken. Dieser Wiedererkennungswert ist kein Zufall, sondern das Ergebnis strenger Präzision. Jede Rezeptur wird auf das Gramm genau eingehalten – erst so entsteht aus bloßen Zutaten das, was für die Kunden „immer gleich gut“ schmeckt. Nur die Mitarbeiter in der Chargierung kennen die Rezepturen – die exakten Zahlen auf ihren Zetteln gelten als Betriebsgeheimnis.

Am Ende dieses Prozesses stehen drei große Wagen in der Halle: Einer ist bis oben hin mit Spinat gefüllt, der zweite mit Ricotta und der dritte mit Gewürzen und Bindemitteln. Von dort aus geht es weiter zum Kutter. Die massive Maschine mit einem Fassungsvermögen von rund 750 Litern dominiert den Raum nicht nur optisch, sondern auch akustisch. Ein Mitarbeiter kippt die Masse per hydraulischer Beschickung in den offenen Edelstahlkessel: zuerst Spinat, dann Ricotta, dann Gewürze und Bindemittel. Doch entscheidend ist, was im Inneren geschieht. „Der Kutter rührt nicht einfach, er zerkleinert und vermischt“, sagt Becker. Dieser Vorgang dauert zehn bis fünfzehn Minuten, abhängig von der jeweiligen Füllung. Am Ende verlässt eine homogene, sämige Spinat-Ricotta-Masse den Kutter – die unscheinbare, aber entscheidende Grundlage für die späteren Tortellini. 

In Halle 1 riecht die Luft nach frischem Teig und heißem Dampf. Unter dem kalten Neonlicht schimmert das Metall, Maschinen surren im Takt und Förderketten ziehen ihre Bahnen. In dieser Halle läuft gerade die Pasta Rustica vom Band – ein Produkt, das im Unternehmen geradezu ehrfürchtig behandelt wird. „Rustica“ ist die Premiumreihe im Sortiment mit höherem Füllgrad und exklusiveren, an die italienische Küche angelehnten Rezepturen. Trotz der hochmodernen Anlagen bleibt das Handwerk sichtbar. „Das ist wie unsere Visitenkarte“, sagt Becker.

Hier, im zweiten Schritt der Produktion, entsteht das Herz jeder Nudel: der Teig. Vor einer wuchtigen Maschine steht ein Mann und bereitet den Teig zu. Sein Blick wandert über Anzeigen und Messwerte, doch am Ende zählt, was er zwischen den Fingern spürt. Immer wieder greift er in die Masse, knetet eine kleine Probe und prüft Konsistenz und Feuchtigkeit. Der perfekte Teig entsteht nicht allein durch Maschinenkraft, sondern erfordert auch Erfahrung, Intuition und den Tastsinn eines Könners.

Das Geheimnis hinter G-R-I-M

Damit dieser Mitarbeiter seine Arbeit aufnehmen kann, setzt sich jeden Morgen außerhalb der Halle ein anderes Schauspiel in Szene: Lastwagen, beladen mit Zutaten wie Hartweizengrieß, rollen an. Ihre Auflieger werden an ein Netz aus Rohrleitungen angeschlossen, das den Grieß in acht hohe Stahlsilos befördert. Von dort aus wandert der Grieß unsichtbar durch Rohre zur nächsten Station der Prozesskette, einem massiven Teigkneter mit dem nüchtern-technischen Namen „G-R-I-M“. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die italienische Bezeichnung für einen „Ständigen Teigkneter“ – eine Maschine, die ohne Pause arbeitet.

„Unser Teig besteht aus drei Komponenten“, erklärt Becker. „Ungefähr zwei Drittel Grieß und ein Drittel Ei-Wasser.“ Was so schlicht klingt, ist in Wahrheit ein fein austariertes System. Im sogenannten G-R-I-M werden die Komponenten „verheiratet“, wie Becker es nennt. Oben auf einem Podest fällt der Hartweizengrieß in die Kammern des Kneters, während von der Seite das Ei-Wasser-Gemisch zudosiert wird. Zwei Kammern drehen sich zwanzig bis dreißig Minuten lang gegeneinander, bis aus den trockenen Körnern und der Flüssigkeit ein feinkörniger, homogener Teig entstanden ist.

Unter dem „G-R-I-M“ wartet bereits die nächste Maschine. Sie heißt unspektakulär Teigausroller, doch ihre Leistung ist durchaus beeindruckend. Sobald der Teig fertig ist, greift sie ihn sich und beginnt, ihn zu walzen. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder, bis er schließlich nur noch etwa einen Millimeter dünn ist. „Nach dem Ausrollen wird der Teig gefüllt“, erklärt Becker, während er das Band verfolgt, auf dem sich die Teigbahn langsam vorwärtsschiebt. Für die Pasta Rustica wird die Füllung punktgenau zwischen zwei Teigschichten gesetzt. Dann schlagen die Messer zu und stanzen die typischen Formen aus. Der übrig gebliebene Teig fließt nahtlos zurück in den Prozess und wird erneut verarbeitet.

Aktuell verlassen rund 1.000 Tonnen Frischpasta jede Woche das Werk. Dahinter steckt jedoch eine immense logistische Herausforderung. Die Produkte haben im Handel nur ein kurzes Zeitfenster, da ihre Restlaufzeit 21 Tage beträgt.

Die Wurzeln

Steinhaus ist ein Pionier für frische Pasta in Deutschland. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in einer 1841 von Johann-Peter Steinhaus in Bergisch Born gegründeten Metzgerei. Ab den 1950er-Jahren entwickelte es sich vom lokalen Metzger zum Feinkostbetrieb mit Großproduktion.

Die Idee

1983 brachte Steinhaus als erstes Unternehmen frische Pasta nach Deutschland. Der Handel reagierte anfangs skeptisch, da das Konzept der „Convenience-Produkte“ noch unbekannt war. Da passende Kühlmöbel fehlten, stellte Steinhaus die Kühlregale zunächst auf eigene Kosten auf. Dieser Pionierschritt war erfolgreich: Heute sind frische Pasta-Produkte im Kühlregal ein Ankerprodukt der Convenience-Abteilungen in Supermärkten

Das Schicksal jeder Nudel

Direkt aus der Maschine fallen die ausgestanzten Teigtaschen auf ein Förderband. Noch roh und zerbrechlich gleiten sie in Richtung eines unscheinbaren, grauen Tunnels, der sogenannten Dampfstraße. Was von außen wie ein flacher Tunnel wirkt, entscheidet im Inneren über das Schicksal jeder einzelnen Nudel. „Er sorgt dafür, dass die Teigbahnen mit der Füllung verbunden bleiben“, erklärt Becker und deutet auf den geschlossenen Dämpfer. Drinnen umhüllt heißer Dampf die zarten Taschen. Bei rund 75 °C werden sie etwa 60 Sekunden lang bedampft. In dieser einen Minute erhalten die Nudeln ihre innere Festigkeit, und die Verbindung aus Teig und Füllung wird stabilisiert.

Wenn die Nudeln den Dämpfer wieder verlassen, sind sie äußerlich unverändert – und doch grundlegend verwandelt. Nun folgt der letzte Feinschliff, die Bemehlung. Über der Linie hängt eine kaum wahrnehmbare, aber sehr wirkungsvolle Mehlwolke. Ein zarter Film legt sich auf jede Nudel. Er sorgt dafür, dass die Pasta nicht aneinanderklebt und ihr rustikales Aussehen behält.

Über ein Förderband steigen die Nudeln langsam nach oben, als würden sie eine kleine Reise antreten. Am Ende wartet bereits die nächste Station: eine Maschine, die wie ein Ring aus glänzenden Metalltrichtern aussieht – die sogenannte Mehrkopfwaage. Was nach komplizierter Technik klingt, ist in der Lebensmittelindustrie Alltag und garantiert, dass sich später wirklich das in der Tüte befindet, was auf der Packung steht. In ihrem Inneren kombiniert die Maschine unablässig kleine Teilmengen, probiert im Sekundentakt neue Kombinationen aus und rechnet blitzschnell nach, bis die gewünschte Grammzahl exakt erreicht ist. Erst wenn alles stimmt, öffnet sich die richtige Kombination von Trichtern, und die exakt abgewogene Portion Nudeln rauscht durch den Schacht hinunter zur nächsten Station, der Schlauchbeutelmaschine. Dort erhalten sie schließlich ihre Verpackung.

Pasteurisieren und Abkühlen

Wir stehen in der Konfektionierungshalle von Steinhaus. „Vor dem klassischen Konfektionieren kommt immer zuerst das Pasteurisieren“, sagt Becker und deutet mit einem leichten Kopfnicken auf das wuchtige System. Im Inneren wird das Produkt im Beutel auf eine Kerntemperatur von über 72 Grad erhitzt. Dieser Prozess läuft etwa eine bis eineinhalb Stunden – eine Zeitspanne, in der es von außen so wirkt, als passiere gar nichts. Tatsächlich entscheidet sich in dieser Zeit, ob das Lebensmittel am Ende mikrobiologisch sicher ist. „Wenn ich pasteurisiere, muss ich im nächsten Schritt immer herunterkühlen“, erklärt Becker. Wieder vergehen etwa eine bis anderthalb Stunden.

Danach beginnt die Konfektionierung. Vor der Linie stehen mehrere Mitarbeiter, durch deren Hände jeder Beutel geht. „Das wird bei uns ganz bewusst händisch gemacht“, erklärt Becker. Der Grund dafür hängt am Beutel selbst. Er hat ein Sichtfenster, das eine letzte Sichtkontrolle jedes einzelnen Beutels ermöglicht. „Wenn die Mitarbeiter den Beutel noch einmal in die Hand nehmen, dann sehen sie wirklich: Haben wir für diesen Artikel die gewünschte Qualität erreicht?“, sagt Becker.

Anschließend kommt der fertige Beutel in den Karton, der dann auf eine Palette gestellt wird. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt die Logistik. Die Paletten wandern ins Zwischenlager, wo sie auf ihren Einsatz warten.

Sortiment  Frische Teigwaren sind auf dem Vormarsch
Steinhaus Ravioli

Der Markt für frische Teigwaren zeigt sich laut dem Marktforschungsinstitut Circana insgesamt in einer robusten Wachstumsphase. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz des Gesamtmarkts, der frische italienische Pasta, deutsche Teigwaren sowie internationale Produkte wie Piroggen und asiatische Teigwaren umfasst, um 4,2 Prozent auf 911 Millionen Euro. Parallel dazu erhöhte sich der Absatz um 1,5 Prozent auf 182,5 Tausend Tonnen. Die Tatsache, dass der Wert stärker wächst als die Menge, deutet auf eine fortschreitende Premiumisierung sowie auf höhere Durchschnittspreise hin.

Große Akzeptanz von Pasta

Innerhalb dieses Gesamtmarktes spielt frische italienische Pasta eine zentrale Rolle. Mit einem Umsatzplus von 5,1 Prozent auf 480 Millionen Euro und einem Absatzzuwachs von 3,5 Prozent auf 92,6 Tausend Tonnen entwickelt sich dieses Segment dynamischer als der Gesamtmarkt. Italienische Pasta bleibt somit der Wachstumstreiber im Bereich frischer Teigwaren und profitiert von ihrer hohen Akzeptanz bei den Verbrauchern sowie ihrer starken Verankerung in der Alltagsküche.

Besonders relevant ist das Teilsegment der frischen und gefüllten italienischen Pasta, zu dem unter anderem die Linie Pasta Rustica gehört. In diesem Segment konnte der Umsatz um 2,6 Prozent auf 299 Millionen Euro gesteigert werden, der Absatz nahm um 2,1 Prozent auf 50,5 Tausend Tonnen zu. Dieses Wachstum fällt etwas moderater aus als im Gesamtsegment der italienischen Pasta, bleibt jedoch klar positiv und bestätigt die anhaltende Nachfrage nach gefüllten Spezialitäten.

Pasta pusht den Markt

Insgesamt zeigt sich der Markt für frische Teigwaren wachstumsstark, wobei der Schwerpunkt klar auf italienischer Pasta liegt und hierbei insbesondere hochwertige, gefüllte Spezialitäten gefragt sind.

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Zunächst stellen die Mitarbeiter die Füllung für die Pasta-Rustica-Tortelloni her. Hierzu mischen sie Spinat, Ricotta und Bindemittel in einem Kutter.
Bild öffnen Anschließend stellt ein Angestellter den Teig aus Hartweizengrieß, Wasser und Eiern her.
Bild öffnen Im dritten Schritt formt die Maschine den Teig und presst die Füllung hinein.
Bild öffnen In einem weiteren Schritt werden die Nudeln für etwa 60 Sekunden bei rund 75 Grad Celsius bedampft. In dieser Zeit entwickeln die Nudeln ihre innere Festigkeit und die Verbindung aus Teig und Füllung stabilisiert sich.
Bild öffnen Im fünften Schritt folgt das Herzstück dieses Abschnitts: die Mehrkopfwaage. Sie kombiniert verschiedene Teilmengen so lange, bis die gewünschte Grammzahl exakt erreicht ist und der Schlauchbeutel darunter gefüllt ist.
Bild öffnen Dieser Schritt umfasst das Pasteurisieren, Konfektionieren und Kartonieren der Ware. Aus Qualitätsgründen wird jeder Beutel von Hand bearbeitet und geht durch die Hände der Mitarbeiter.