Die deutsche Wirtschaft stagniert auch im laufenden Jahr. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) erwartet für 2026 ein Wachstum von lediglich einem Prozent, das größtenteils auf Statistik- und Kalendereffekten beruht. Dies geht aus einer Konjunkturumfrage der Kammer zum Jahresbeginn hervor, an der rund 26.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen teilnahmen. Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov stellte die Ergebnisse vor. Im vergangenen Jahr betrug das Plus beim Bruttoinlandsprodukt lediglich 0,2 Prozent.
Stimmungsindex unter langjährigem Mittel
Nur ein Viertel der befragten Unternehmen bewertet seine Geschäftslage zu Jahresbeginn als gut, ein weiteres Viertel als schlecht. Der Blick nach vorne fällt trotz angekündigter Reformen der Bundesregierung nur geringfügig optimistischer aus als im Herbst: Jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer verschlechterten Wirtschaftslage. Der Stimmungsindex der Kammer steigt zwar leicht um zwei Zähler auf 95,9 Punkte, liegt damit aber deutlich unter dem langjährigen Mittel von 110 Punkten.
Von Reformpaketen wenig spürbar
Als Geschäftsrisiken nennen die Unternehmen neben der schwachen Inlandsnachfrage vor allem gestiegene Arbeitskosten, unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und hohe Energie- und Rohstoffpreise. „Die Bundesregierung hat Reform- und Entlastungspakete angekündigt, aber in den Betrieben ist davon bislang wenig spürbar“, sagte Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. Nicht einmal jedes vierte Unternehmen plant höhere Investitionen; fast jedes dritte will sie dagegen kürzen. Die privaten Investitionen liegen nach Angaben der Kammer 11 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau.
Unternehmen planen Stellenabbau
Auch auf dem Arbeitsmarkt bleiben die Unternehmen zurückhaltend: 23 Prozent der Betriebe rechnen mit sinkenden Mitarbeiterzahlen, während lediglich zwölf Prozent planen, ihr Personal aufzustocken. Erstmals seit elf Jahren sind wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Mit einer schnellen Trendumkehr sei auf Basis der vorliegenden Personalpläne nicht zu rechnen, so die DIHK-Geschäftsführerin.
Etwas Hoffnung machen die Exporterwartungen: Trotz handelspolitischer Turbulenzen rechnen 22 Prozent der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Ausfuhren – drei Prozentpunkte mehr als im Herbst. Ebenfalls 22 Prozent erwarten ein Minus. Die Kammer führt den leichten Optimismus auf die Bemühungen der Europäischen Union für mehr Freihandelsabkommen zurück. Seit 2019 ist die deutsche Wirtschaft den Angaben zufolge nur um 0,2 Prozent gewachsen, während die Weltwirtschaft im selben Zeitraum um 19 Prozent zulegte.