Dass die Spargelbauern hierzulande seit Jahren immer weniger Flächen bewirtschaften, ist kein neues Phänomen. Steigende Produktionskosten, höhere Mindestlöhne, mehr Bürokratie, sinkende Nachfrage und der Strukturwandel in der Branche setzen vor allem kleinere Spargelbaubetriebe stark unter Druck. So ist die Zahl der Erzeuger seit dem Jahr 2015 bundesweit um rund 30 Prozent von 1.908 auf 1.349 zurückgegangen (siehe Tabelle rechts). Zwar nahmen Anbaufläche und Erntemengen bis etwa 2018 noch zu, seither ist der Trend rückläufig. Unterm Strich steht seit 2015 ein Flächenminus von insgesamt 12,5 Prozent. Auch Investitionen in Junganlagen, die erst im dritten oder vierten Jahr Erträge liefern, können diesen Trend nur teilweise ausgleichen.
„Da sich die Kostensteigerungen in diesem Jahr fortsetzen, brauchen wir zwingend kostendeckende Erzeugerpreise“, betont Hans-Jörg Friedrich, Vorstand bei der Pfalzmarkt-Genossenschaft. Damit verweist er auf den anhaltenden Kostendruck in der Spargelproduktion.
Neben dem Mindestlohn sieht die Branche vor allem die Sozialversicherungspflicht als kritischen Faktor. Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, erläutert: „Wenn kurzfristig Beschäftigte rückwirkend als sozialversicherungspflichtig eingestuft werden, steigen die Lohnkosten für die Erntehelfer zusätzlich um 40 Prozent.“ Die Folge: Flächen gehen aus der Produktion, Betriebe geben auf.
Regionale Unterschiede
Regional verläuft die Entwicklung jedoch unterschiedlich. Während in vielen Anbaugebieten die Flächen weiter zurückgehen, scheint Bayern die Talsohle durchschritten zu haben. Simon Schumacher sieht dafür mehrere Gründe: Bayern investiert überdurchschnittlich stark in Junganlagen. Diese liefern dickere Stangen, sind effizienter zu ernten und verbessern die Wirtschaftlichkeit spürbar.
Hinzu kommt ein deutlicher Strukturwandel: Kleinere Betriebe sind zwar ausgeschieden, aber größere, effizientere Betriebe übernehmen häufig ihre Flächen. Zudem profitiert Bayern von einer hohen Kaufkraft und einem stark ausgeprägten Bewusstsein der Verbraucher für regionale Ware. Ein konsequentes Regionalmarketing flankiert das Ganze – von der offiziellen Saisoneröffnung durch den Ministerpräsidenten bis zur Spargelkönigin.
Versorgung wird volatiler
Für den Lebensmitteleinzelhandel wird die Lage damit komplexer und die Versorgung mit regionalem Spargel volatiler. Zwar bleibt er mit rund 80 Prozent Absatzanteil der wichtigste Vertriebskanal, muss sich aber auf größere Schwankungen bei Menge, Timing und Preis einstellen. Regionale Ware lässt sich schwieriger planen.
Besonders kritisch sieht Simon Schumacher starre Aktionsplanungen: „Der Handel plant diese Aktionen oft viel zu früh im Voraus.“ Schon eine Woche mit sehr kaltem oder warmem Wetter könne alle Kalkulationen, was Menge, Preis, Verfügbarkeit und Nachfrage angeht, über Bord werfen. Sein Appell: „Statt Spargelaktionen langfristig nach dem Muster des Vorjahres festzulegen, sollte sich der Handel enger und kurzfristiger mit Erzeugern und Zwischenhändlern abstimmen. Aktionen sollten dann stattfinden, wenn tatsächlich Ware verfügbar ist – und nicht dann, wenn sie knapp oder zu teuer wird.“

Flexiblere Warenströme
Zugleich muss sich der Handel auf dynamische Warenströme einstellen. „Es kommt bereits vor, dass Spargel umgeleitet wird, beispielsweise von Bayern nach Niedersachsen oder umgekehrt.“ Das stellt klassische Regionalkonzepte vor Herausforderungen. Regionalität erfordert damit mehr Flexibilität in der Logistik und Kommunikation. Vor diesem Hintergrund ordnet Hans-Jörg Friedrich den Begriff Regionalität kritisch ein: „Diesen Begriff erachten wir wegen seiner nicht vorhandenen Trennschärfe als ein wenig überzeugendes Verkaufsargument. Wir sprechen stattdessen lieber von Saisonalität sowie Frische- und Qualitätsvorteilen.“
Auch bei der Kennzeichnung und Vermarktung sieht Fred Eickhorst, Geschäftsführer des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände, Verbesserungsbedarf. Unterschiedliche Label und Kennzeichnungen der Handelsunternehmen verwirren die Verbraucher und mindern die Wahrnehmung von deutscher Ware. Er appelliert daher an den Handel, die Vorteile von deutschem Spargel stärker herauszustellen.
Importware bleibt heikel
Ein größeres Angebot an Importware während der Saison sei nach Einschätzung der Branche jedoch keine Lösung, da weiterhin deutscher Spargel verfügbar ist. Simon Schumacher: „Vor der deutschen Saison kann Spargel aus dem Ausland Aufmerksamkeit schaffen und die Vorfreude auf heimische Ware steigern. In der Hauptsaison sehen wir Importe jedoch kritisch, vor allem dann, wenn Händler deutsche Ware auf ausländische Preisniveaus drücken wollen.“
Die Spargelanbauverbände initiieren am 5. Mai erneut den Tag des Deutschen Spargels. Auf der Internetseite www.deutschlandspargel.de können Händler Medien bestellen, um deutschen Spargel in Szene zu setzen.