Grillen ist längst mehr als nur ein Sommerspaß, es ist fester Bestandteil des deutschen Lebensstils. Das bestätigt die aktuelle Wiesenhof-Grillstudie eindrucksvoll: Rund 90 Prozent der Befragten geben an, zumindest gelegentlich zu grillen, gut jeder Fünfte (21 %) sogar sehr oft.
Auch regional zeigt sich ein klares Bild: Im Norden Deutschlands glühen die Grills besonders häufig. 92 Prozent der Norddeutschen geben an, mindestens gelegentlich zu grillen. Damit holen sie sich nach zwei Jahren den Titel als „Grillmeister-Region“ zurück. Spannend ist jedoch nicht nur die Frage, ob, sondern auch wann gegrillt wird: Für die Mehrheit liegt die Grillsaison klassischerweise in den Sommermonaten Juni bis August. Doch immerhin 14 Prozent der Befragten grillen das ganze Jahr über, unabhängig von Wetter, Jahreszeit oder Temperatur. Grillen hat sich somit von einer saisonalen Aktivität zu einem ganzjährigen Genuss entwickelt.
Geflügel holt auf
Parallel dazu hat sich das, was auf dem Rost landet, deutlich verändert. Zwar steht Schweinefleisch mit 57 Prozent weiterhin knapp an erster Stelle der beliebtesten Grillprodukte, doch Geflügel ist mit 56 Prozent praktisch gleichauf. Insbesondere bei jüngeren Zielgruppen und ernährungsbewussten Grillfans entwickelt es sich zum neuen Favoriten. Für sie ist Geflügel mit 70 Prozent die klare Nummer eins. Das klassische Grillgut wird durch Gemüse, Grillkäse und eine wachsende Vielfalt vegetarischer und veganer Alternativen ergänzt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Flexitarier, Vegetarier und Veganer das Grillen zunehmend mitprägen und für mehr Vielfalt auf dem Rost sorgen.
Wie stark dieser Trend tatsächlich ist, zeigen aktuelle Daten des Marktforschungsinstituts Circana. Demnach stieg der Umsatz mit SB-Bratwürsten im Lebensmitteleinzelhandel ab 200 Quadratmeter Verkaufsfläche (inklusive Discounter) weiter an. Von rund 845 Millionen Euro im Jahr 2023 kletterte er auf etwa 858 Millionen Euro im Jahr 2024 und anschließend auf rund 862 Millionen Euro. Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Blick auf die Menge: Der Absatz erhöhte sich von rund 93.000 Tonnen im Jahr 2023 auf etwa 96.000 Tonnen. Die Deutschen greifen also häufiger zur Bratwurst – und das, obwohl sie dafür im Schnitt etwas weniger bezahlen müssen. Denn der durchschnittliche Kilopreis ist im selben Zeitraum leicht gesunken – von 9,03 Euro auf 8,94 Euro. Die Zahlen von Circana zeichnen damit ein klares Bild: Grillen bleibt ein Lieblingsritual der Verbraucher – und die SB-Bratwurst behauptet ihre Rolle als Klassiker auf dem Rost, getragen von stabiler Nachfrage und leichten preislichen Entlastungen. Zugleich deutet die anhaltend hohe Nachfrage darauf hin, dass Verbraucher selbst in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ungern auf kleine Alltagsgenüsse wie das Grillen verzichten. Für den Handel und die Hersteller eröffnen sich dadurch zusätzliche Chancen, etwa durch neue Varianten, Verpackungsgrößen oder saisonale Aktionen rund um das Thema Grillen.

Bratwurst bleibt das Zugpferd
Die Bratwurst ist nach wie vor das Rückgrat des Grillgeschäfts und zugleich das Sprungbrett für neue Spezialitäten. „Die Bratwurst ist in der vergangenen Saison als eines der wenigen Segmente um 3,3 Prozent gewachsen – trotz eines nicht sehr guten Sommers“, sagt Tobias Metten, Geschäftsführer von Metten Fleischwaren. In politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten punktet „das klassische, einfache Produkt“. Unverändert am besten verkauft sich die Rostbratwurst „Klassik“, flankiert von aufmerksamkeitsstarken Lizenzsorten – von Bud Spencer bis „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“. Metten erwartet für 2026 weder einen Boom noch einen Einbruch – am Ende entscheide das Wetter.
Auf dieser stabilen Basis der Bratwurst baut der Trend zu mehr Vielfalt und Internationalität auf. „Fast zwei Drittel der Deutschen grillen laut dem Deutschen Grillkompass 2024 am liebsten Würstchen“, sagt Nicole Walter, Junior Brand Manager bei der Campofrio Food Group Deutschland, die die Marke Aoste vertreibt. Klassische Brat- und Grillwürstchen seien zwar nach wie vor sehr beliebt, aber „2025 wuchsen die internationalen Bratwurstspezialitäten um 11 Prozent“. Genau hier setzt Aoste an. „Das spielt unseren Aoste Chorizo Grillern in die Karten: Sie sind eine spannende Alternative zu bekanntem Grillgut“, sagt Walter. Die in den Sorten „mild“ und „hot“ erhältlichen Chorizo Griller sollen als internationale Spezialität gezielt für Abwechslung auf dem Rost sorgen.
Echte Lagerfeuer-Momente
Auch der Hersteller Block House bestätigt, dass Grillen fest im Alltag verankert ist, setzt dabei jedoch andere Akzente. „Grillen ist heute weit mehr als nur Zubereitung, es sind echte Lagerfeuer-Momente“, sagt Arne-Julian Krause, Geschäftsführer der Block Handels GmbH. Ab diesem Monat erwartet er einen spürbaren Saisonauftakt und wieder „Volldampf am Grill“. In einer zunehmend digitalen und schnellen Welt stehe Grillen für „bewusstes Abschalten, Entschleunigung und Zusammensein“. Rund ein Fünftel der Menschen grillt einmal pro Woche, ein weiteres Drittel mehrmals im Monat – ein klares Signal für die Stabilität des Marktes. Besonders beim Burger zeigt sich der Individualisierungstrend: „Jeder kreiert seinen eigenen Favoriten – mit unterschiedlichen Pattys, Saucen, Buns und Beilagen.“
Block House überträgt sein Know-how aus der Gastronomie konsequent in den Lebensmitteleinzelhandel. „Ein hochwertiges Steak bleibt genauso gefragt wie ein guter Burger“, so Krause. Der Block House American Burger hat sich im LEH zum Bestseller entwickelt und mit dem Block House Smash Burger greift man internationale Street-Food-Trends auf. Unter dem Motto „Das Restaurant für zu Hause“ inszeniert Block House seine Produkte am Point of Sale. Dazu gehören auch eigene Kühlmöbel mit unterschiedlichen Temperaturzonen, in denen Burgerpattys, Beilagen, Brote, Dips und Saucen gebündelt präsentiert werden.
Der Geflügelmarkt entwickelt sich besonders dynamisch. „Geflügelfleisch liegt insgesamt im Trend und der Pro-Kopf-Verbrauch steigt weiter“, erklärt Ingo Stryck, Marketingleiter der PHW-Gruppe. Für das Jahr 2025 wird er auf rund 20,9 Kilogramm pro Person geschätzt, was einem Anstieg von 300 Gramm gegenüber 2024 bzw. 13,6 Prozent mehr als 2015 entspricht. Passend dazu steht der Wiesenhof-Grillsommer 2026 im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Unter dem Motto „Welt-Klasse-Grillen“ kommen folgende Produkte in den Handel: Hähnchenoberflügel „Honey BBQ“, Hähnchen-Steaktaschen „Avocado“, Hack-Sticks „Tex Mex“ sowie Hähnchenoberkeulen-Steaks „Maple Honey“.
Geschmack ist das Wichtigste
Strukturell rücken bei den Verbrauchern mehrere Themen in den Vordergrund. „Beim Grillen ist für 89 Prozent der Befragten unserer Grillstudie ‚Wiesenhof 2025‘ der Geschmack das Wichtigste am Grillgut“, betont Stryck. Gleichzeitig seien 72 Prozent Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren wichtig, 68 Prozent legten Wert auf deutsche Herkunft. „Unsere Botschaft ‚Geflügel von deutschen Höfen‘ kommt seit Jahren bei Handel und Verbrauchern gut an, was unsere jährlich steigenden Verkaufszahlen belegen“, so Stryck. Zwar halten gut die Hälfte der Befragten den Preis beim Grillen für wichtig oder sehr wichtig, doch wird nicht am Genuss gespart, sondern es wird bewusster ausgewählt.
Parallel dazu wächst der Veggie-Bereich kräftig. „Insbesondere Steaks, Filets und Spieße entwickeln sich im Veggie-Segment sehr gut“, berichtet Stryck. Mit Green Legend und dem Bruzzzler Veggie als Pendant zur Geflügelbratwurst spricht PHW vor allem Flexitarier an, die ihren Fleischkonsum reduzieren möchten, aber nicht auf das Grillen verzichten wollen.
Ob klassische Bratwurst, spanische Chorizo, Premium-Burger oder Geflügel- und Veggie-Spezialitäten – sie alle sind vertreten. Alle vier Anbieter investieren stark in die Inszenierung. Mit On-Pack-Gewinnspielen, Social-Media-Kampagnen, Foodtrucks und Anknüpfungen an die Fußball-WM soll der Kauf von Grillgut im Handel zu einem Erlebnis werden.
Handel: Ausbau des Grillgeschäfts
Im Handel hat sich die Grillsaison von einem kurzfristigen Sommergeschäft zu einem strategisch geplanten Sortimentsfeld entwickelt. Im Rewe Center Egelsbach betrachtet Thekenleiter Stefano di Luca Grillen als Aufgabe der gesamten Frischeabteilung. Das Sortiment reicht von klassischen Bratwürsten und marinierten Steaks über Geflügel bis hin zu einem eigenen Gemüsebereich. „Wir haben im Grillsortiment so gut wie alles da“, sagt di Luca. Zu den Schwerpunkten zählen Pollo Fino, gefüllte Hähnchentaschen sowie Burgerpattys ab etwa 150 Gramm. In der Kundschaft beobachtet er vor allem bei den über 30-Jährigen eine stärkere Ausrichtung auf Qualität: „Eher weniger, dafür aber hochwertiger.“ Trotz Inflation erkennt er an der Bedienungstheke kaum rückläufige Mengen. Das Sortiment wird dabei konsequent an die Wetterlage angepasst. „Wir müssen mit dem Wetter gehen“, so di Luca.
Wie beurteilen Sie die aktuell beginnende Grillsaison?
Wir erwarten eine stabile bis leicht positive Grillsaison. Grillen ist und bleibt ein emotional besetztes Genussritual. Zwar ist es wetterabhängig, aber konjunkturunabhängig und deutlich robuster als viele andere Verzehranlässe.
Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Grillverhalten der Verbraucher verändert?
Grillen wird sicher noch bewusster geplant. Während der Pandemie war es oft ein Ersatz für die Gastronomie. Heute ist es wieder stärker ein sozialer Anlass, allerdings mit klarer Budgetorientierung.
Gibt es Produktkategorien, die überproportional wachsen?
Verbraucher schätzen bereits veredelte Produkte. Geflügelartikel, insbesondere marinierte und grillfertige, sind derzeit stark gefragt. Anlässlich der Fußball-WM werden in diesem Jahr auch wieder Cross-Selling-Konzepte möglich sein.
Die eigene Bratwurst ist der Hit
Fleischermeister Thorben Macke setzt an seiner Theke im Markt von Rewe Hasse in Neustadt in Holstein auf eine klar erkennbare eigene Note. Zentrales Produkt ist eine hausgemachte Rostbratwurst mit grober Einlage, die sowohl am Grillwagen als auch an der Theke verkauft wird. „Am besten läuft ganz klar unsere selbst hergestellte Bratwurst“, fasst Macke zusammen. Ergänzend bietet er je nach Saison bis zu zwölf verschiedene Bratwurstsorten, ein breit aufgestelltes Dry-aged-Sortiment mit T-Bone- und Porterhouse-Steaks, eigene Burgerpattys in verschiedenen Varianten sowie ein wachsendes Geflügelangebot. Vegetarische Artikel wie Gemüsespieße, Grillkäse und gefülltes Gemüse sind etabliert, vegane Produkte werden im SB-Bereich als Zusatzgeschäft geführt. Beim Einkauf beobachtet Macke eine Mischung aus Preisbewusstsein und Genussbereitschaft: Im Alltag planen die Kunden genauer, achten auf Angebote und kaufen kleinere Mengen. Bei gutem Grillwetter und Touristenströmen rücken die Preise hingegen zeitweise in den Hintergrund.
Dirk Pfleger, Inhaber von Rewe Pfleger in Sankt Augustin, führt einen deutlich kleineren Markt, der als klassischer Nahversorger positioniert ist. Sein Grill- und Fleischsortiment ist ganzjährig präsent und wird zur Saison deutlich erweitert. Im Wurstbereich stehen klassische Bratwürste und Spezialitäten wie Nürnberger im Vordergrund, die um Produkte aus höheren Haltungsstufen ergänzt werden. An der Bedienungstheke liegt der Schwerpunkt klar auf Tierwohl und Qualität. Günstigere Alternativen sind bewusst im SB-Regal platziert. Er führt ebenfalls vegetarische und vegane Grillprodukte, verweist aber auf die Bedeutung der Zweitplatzierung.
Trotz unterschiedlicher Verkaufsflächen, Ausgangslagen und Sortimentsbreiten zeigen die drei Beispiele übereinstimmende Tendenzen: Grillen wird ganzjährig gedacht – mit saisonalen Spitzenlasten. Die Bedienungstheke dient als zentrales Instrument zur Profilierung über Qualität, Tierwohl und kompetente Beratung.
