Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) wehrt sich gegen die von der EU-Kommission geplante Aussetzung der Aktiven Veredelung für Zucker. Dieses zollrechtliche Instrument ermöglicht es Süßwarenherstellern laut BDSI, Zucker zu Weltmarktpreisen einzukaufen, wenn sie ihre Produkte anschließend in Drittstaaten exportieren. Eine Aussetzung dürfe weder ohne fundierte Folgenabschätzung noch ohne sachliche Begründung erfolgen, teilte der Verband mit.
„Wir appellieren daher an die Entscheidungsträger in Berlin und Brüssel, sich weiterhin für eine evidenzbasierte Bewertung einzusetzen“, sagte BDSI-Hauptgeschäftsführer Carsten Bernoth laut Mitteilung. Insbesondere müsse geprüft werden, welche Auswirkungen geopolitische Entwicklungen – darunter der Irankrieg – auf die Ethanolproduktion und den globalen Zuckermarkt hätten. „Vor diesem Hintergrund ist eine vorschnelle Aussetzung der Aktiven Veredelung nicht gerechtfertigt“, so Bernoth.
Der Verband argumentiert, dass sachlich kein Grund für eine Aussetzung bestehe. Die Zuckerimporte in die EU befänden sich derzeit auf einem Rekordtief. Zudem habe der Anteil von Weißzucker, der im Rahmen der Aktiven Veredelung eingesetzt werde, im Wirtschaftsjahr 2024/2025 bei lediglich 155.000 Tonnen gelegen – weniger als 1 Prozent des gesamten EU-Bedarfs. Für bestimmte Exportmärkte schaffe das Verfahren vergleichbare Wettbewerbsbedingungen bei der Beschaffung von Zucker und trage so zum Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit bei, argumentiert der Verband.
Exportmengen der Süßwarenbranche sinken zum dritten Mal in Folge
Die Debatte fällt in eine Phase, in der die deutsche Süßwarenindustrie im Export ohnehin unter Druck steht. Im Jahr 2025 sank die ausgeführte Menge an Süßwaren nach Verbandsangaben auf 2,33 Millionen Tonnen – ein Minus von 5,8 Prozent. Damit gehen die Exportmengen bereits im dritten Jahr in Folge zurück. Der Exportwert lag den Angaben zufolge bei 16,67 Milliarden Euro. Als Ursachen nennt der Verband steigende Kosten für Rohstoffe, Energie und Personal sowie zunehmende bürokratische Belastungen. Die Produktionskosten in Deutschland lägen deutlich über denen vieler Drittstaaten.
Die mittelständisch geprägte Branche beschäftigt nach eigenen Angaben rund 60.000 Menschen. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie vertritt die Interessen von mehr als 200 überwiegend mittelständischen Unternehmen und zählt die Branche seit Jahrzehnten zu den exportstärksten Zweigen der deutschen Ernährungsindustrie.