Verpackung Pfand statt Einweg – so funktionieren auch Pesto, Saucen und Aufstriche im Mehrwegsystem

Hintergrund

Aufstriche, Pesto, Saucen: Produkte wie diese landen im Handel meist im Einwegglas. Das Unternehmen Circujar zeigt, dass auch Mehrweg funktioniert.

Donnerstag, 23. April 2026, 07:40 Uhr
Matthias Mahr
Das Mehrwegsystem von Circujar arbeitet mit den bekannten Rücknahmeautomaten. Bildquelle: Circujar

Circujar möchte Mehrweg mit Schraubgläsern dort etablieren, wo der Lebensmitteleinzelhandel bislang fast durchgängig auf Einwegglas setzt: bei fertig verpackten Regalwaren wie Aufstrichen, Pestos, Suppen oder Soßen. Gründerin Iris Vilsmaier beschreibt das Modell im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis so: „Wir machen ein Mehrweg-Glas-Pfandsystem als Full Service für vorverpackte Produkte im Lebensmitteleinzelhandel.“ Gemeint ist ein herstellerübergreifender Pool: Circujar stellt standardisierte Gläser und Kästen bereit, organisiert Rücknahme über bestehende Leergutautomaten, Pool- und Pfandverwaltung, zentrale Spülung, Qualitätskontrolle und die Rückverteilung an die Hersteller. Nach Unternehmensangaben ist jedes Glas mit 25 Cent bepfandet; seit dem Marktstart hat das System den Schritt aus der Idee in den Markt geschafft. Aktuell sind nach Angaben von Iris Vilsmaier zwei Glasgrößen mit 220 und 440 Millilitern im Einsatz; eine kleinere und eine Zwischengröße sind geplant.

Frequenzbringer Mehrwegglas

Aktuell arbeiten 17 Produzenten mit Circujar, insgesamt rund 180 Produkte sind im Umlauf. Die Gläser stehen bei acht Großhändlern und in rund 600 Läden. Genannt werden unter anderem Bio Company, Erdkorn sowie mehrere Edeka-Händler, darunter Hertscheck, Böcker, Hawig, Meyer’s, Otto, Schneevoigt, Wucherpfennig, Röthemeier, Cramer und das E-Center Minden. Das Sortiment reicht inzwischen von Aufstrichen, Pestos, Kimchi und Nussmusen bis zu Suppen, Soßen, Eintöpfen, Feinkost, Honig und Basisartikeln wie Tomatenpassata.

Aus Sicht von Vilsmaier liegt der Reiz nicht nur in der Nachhaltigkeit, sondern auch in der wirtschaftlichen Logik für Hersteller und Handel. „Weil die Rechnung für Einweg oft zu kurz ist“, sagt sie. Beim Einwegglas würden nicht nur Materialkosten anfallen, sondern auch Umverpackung, CO₂-Kosten und Entsorgungsabgaben. Für Händler sei das System zudem ein mögliches Frequenzinstrument, meint sie: „Wer Leergut zurückbringt, kauft meist auch ein.“ Circujar setzt bewusst auf Standardisierung. Zwei Glasgrößen sind live, weitere geplant. Die Form wurde so entwickelt, dass sie in bestehende Rücknahmeautomaten passt und sich zugleich gut restentleeren lässt. Die Botschaft dahinter: Mehrweg soll im Alltag funktionieren, nicht nur auf Nachhaltigkeitsfolien.

Mehrweg ist aus Vilsmaiers Sicht nicht automatisch die bessere Verpackungsvariante. Zu viele Individualformate und Insellösungen führten zu hohem Aufwand und geringer Akzeptanz. Der gemanagte Pool solle dagegen die Nutzung vereinfachen, sodass Circujar mittelfristig mit 30 bis 50 Umläufen je Glas rechnet. „Hohe Umlaufzahlen können nur mit den entsprechenden Rückgabequoten erreicht werden“, betont sie. Deshalb solle das System nicht auf Bio, Verbandsbio oder Fachhandel beschränkt bleiben. Genau darin liegen Anspruch und Schwierigkeit.

Denn außerhalb des Getränkebereichs muss der Handel Pfand- und Rücknahmelogik in vielen Warengruppen erst noch lernen. Ob Circujar skaliert, wird daher weniger mit wohlklingenden Nachhaltigkeitsversprechen entschieden als in der Handelsrealität: Circujar braucht weitere Hersteller, ausreichend Listungen, stabile Rückgabequoten und einen Kreislauf, der wirtschaftlich belastbar bleibt.