Neue Studie Strukturwandel der Lebensmittelbranche alarmiert Verbände

Die Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft an der Universität Freiburg hat ihre Studie zum Strukturwandel in der deutschen Lebensmittelverarbeitung nun vollständig veröffentlicht. Für den Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) und die Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller (AöL) sind die Ergebnisse ein Alarmsignal.

Freitag, 17. April 2026, 11:40 Uhr
Thomas Klaus
Dramatische Entwicklung: Seit 2002 ist die Zahl der Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung um 44 Prozent gesunken. Besonders stark ist der Schwund bei Handwerksbetrieben. Bildquelle: Getty Images

Seit 2002 ist die Zahl der Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung um 44 Prozent gesunken, in handwerklich geprägten Branchen wie Bäckereien, Mühlen und Fleischerei sogar um bis zu 60 Prozent. Für den BNN und die AöL sind diese und andere Ergebnisse einer Studie der Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft an der Universität Freiburg ein wichtiger Hinweis dafür, dass politische Maßnahmen zum Erhalt kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) notwendig seien.

Jäckel: Weit reichende Folgen für Resilienz

Die nun vollständig vorliegende Studie, die zwischen 2023 und 2026 erarbeitet wurde, zeigt aus Verbände-Sicht bundesweit das volle Ausmaß des Strukturwandels: „Während große Industrieunternehmen Marktanteile, Macht und Kapital auf sich konzentrieren, verschwinden KMU und Handwerksbetriebe dauerhaft aus dem Sektor. Mit ihnen gehen regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze und handwerkliche Kompetenz verloren, was weit reichende Folgen für Versorgungssicherheit und Resilienz, insbesondere im ländlichen Raum, mit sich trägt.“

Beuger: Politische Leitplanken für fairen Wettbewerb

Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin des BNN, sagte: „Die Politik behandelt Lebensmittelmärkte noch immer wie gewöhnliche Märkte und überlässt sie entsprechend den Kräften des Marktes. Die Krisen der vergangenen Jahre haben jedoch deutlich gemacht: Sie sind Teil unserer kritischen Infrastruktur und damit zentral für die Versorgungssicherheit. Ein Ernährungssystem, das vom Anbau über die Verarbeitung bis zum Handel vor allem strukturelle Größe belohnt und von wenigen Akteuren dominiert wird, ist nicht resilient.“ Wer Versorgungssicherheit ernst nehme, müsse Vielfalt im Markt sichern. Das gelinge nur durch den gezielten Wiederaufbau und die konsequente Förderung regionaler Wertschöpfungsketten, so Jäckel.

„Mit jedem verschwundenen Handwerksbetrieb verlieren wir regionale Ernährungssicherheit und handwerkliches Know-how, während Märkte versagen und Handlungsalternativen schwinden. Wir brauchen politische Leitplanken, die faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und KMU strukturell stärken“, so Matthias Beuger, Geschäftsleiter nationale Netzwerke bei der AöL.

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