Die Arbeitgeberseite wehrt sich gegen Vorwürfe der Initiative „Faire Landarbeit“ wegen angeblicher systematischer Missstände bei der Saisonarbeit. Der Bericht führe wie in den Vorjahren vor allem Einzelfälle an, ohne deren tatsächliches häufiges Vorkommen belastbar zu belegen, behauptet der GLFA.
GLFA: Verstöße werden konsequent verfolgt
Verstöße gegen Arbeits- und Sozialrecht würden konsequent verfolgt. Dafür gebe es bereits ausreichend gesetzliche Regelungen und Sanktionsmöglichkeiten.
Wie der GLFA schildert, seien Saisonkräfte durch gesetzliche sowie private Unfall- und Krankenversicherungen umfangreich abgesichert. „Einzelne problematische Vorkommnisse seien daher eher auf individuelle Fehler als auf strukturelle Defizite zurückzuführen.“
Auch bei Unterkunftskosten und sozialer Absicherung fordert die Branche eine differenzierte Betrachtung. Eine kostenfreie Unterbringung sei angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht realistisch.
Schwere Vorwürfe der Initiative Faire Landarbeit
Der Jahresbericht der Initiative „Faire Landarbeit“ behauptet: „Verstöße gegen Arbeitszeitgesetze, illegale Lohnabzüge und menschenunwürdige Unterkünfte prägen weiterhin den Alltag vieler Saisonbeschäftigter in der deutschen Landwirtschaft.“ Trotz steigender Mindestlöhne bleibe die reale Vergütung „durch perfide Abzugssysteme“ oft weit unter dem gesetzlichen Standard.
Arbeitstage von bis zu 16 Stunden und Wochenarbeitszeiten von über 70 Stunden seien keine Seltenheit. Gesetzliche Ruhezeiten von 11 Stunden würden systematisch ignoriert, besagt der Bericht. In manchen Betrieben werde an sieben Tagen pro Woche gearbeitet, ohne dass ein Ausgleich für die extreme Mehrbelastung erfolge. Festgestellt wird: „Besonders drastisch zeigt sich die Situation bei der Unterbringung.“ In Hessen dokumentierte die Initiative einen Fall, in dem angeblich für einen 15 Quadratmeter großen Metallcontainer über 2.000 Euro Miete pro Monat verlangt wurden.