Deutscher Weinbau Pilzresistente Rebsorten wachsen gegen den Trend

Die Anbaufläche für pilzwiderstandsfähige Rebsorten in Deutschland ist 2025 um 10 Prozent gewachsen – während die gesamte Rebfläche schrumpft. Besonders die weiße Sorte Souvignier Gris legt stark zu. Auch im Norden Deutschlands entstehen neue Weinberge mit den robusten Sorten.

Montag, 13. April 2026, 09:36 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Die Winzer in Deutschland stellen sich stärker mit neuen, widerstandsfähigen Weinreben auf die Folgen des Klimawandels ein. Bildquelle: Moritz Knoringer on unsplash

Die Winzer in Deutschland setzen verstärkt auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten, sogenannte Piwi-Sorten. Deren Anbaufläche wuchs 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf rund 4.000 Hektar. Das berichtete das Deutsche Weininstitut. Der Anteil am gesamten deutschen Weinbau stieg damit von 3,5 auf 4 Prozent. „Die neuen Piwi-Sorten sind damit entgegen der allgemein rückläufigen Anbauentwicklung in der Fläche gewachsen“, sagte Institutssprecher Ernst Büscher.

Württemberg und Baden von Rückgang besonders betroffen

Insgesamt schrumpfte die deutsche Rebfläche dagegen um 1 Prozent auf rund 102.000 Hektar – ein Niveau, das zuletzt 2007 erreicht wurde. Das Spitzenjahr war laut Büscher 1994 mit 106.000 Hektar. Rote Sorten verloren mit einem Minus von 791 Hektar etwas stärker als weiße Sorten, die um 539 Hektar zurückgingen.

Besonders betroffen waren den Angaben zufolge die Anbaugebiete Württemberg mit einem Minus von 485 Hektar und Baden mit einem Rückgang um 312 Hektar. Einzig das Anbaugebiet Saale-Unstrut verzeichnete einen leichten Zuwachs um 10 auf 868 Hektar.

Souvignier Gries mit höchstem Fläcenzuwachs

Die weiße Sorte Souvignier Gris verzeichnete laut dem Deutschen Weininstitut im zweiten Jahr in Folge den höchsten Flächenzuwachs aller Rebsorten in Deutschland. Sie wurde auf 170 zusätzlichen Hektar angepflanzt und kommt nun auf 766 Hektar. Damit ist sie die wichtigste weiße Piwi-Sorte, gefolgt von Cabernet Blanc mit 356 Hektar und Sauvignac mit rund 250 Hektar. Die Züchtung neuer Rebsorten dauert allerdings Jahrzehnte: Souvignier Gris wurde 1983 im Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg gezüchtet und erhielt erst 2013 die Zulassung für den Qualitätsweinanbau.

Winzer pflanzen 40 verschiedene Piwi-Sorten an

Insgesamt pflanzten die Winzer im vergangenen Jahr 40 verschiedene Piwi-Sorten an, von denen sich viele noch im Versuchsstadium befinden. „Die neuesten Generationen dieser robusten Sorten besitzen eine noch stärkere Widerstandskraft gegen pilzliche Krankheitserreger“, erläuterte Büscher. Auch bei roten Piwi-Sorten gebe es Fortschritte. Als Beispiele nannte er Cabernet Cortis mit 88 Hektar und Satin Noir mit rund 60 Hektar. Um Verbraucher nicht mit unbekannten Sortennamen zu überfordern, verzichteten viele Betriebe auf die Sortenangabe auf dem Etikett oder brächten die Weine als Cuvée auf den Markt.

Widerstandsfähige Sorten im Norden gefragt

Besonders gefragt sind die widerstandsfähigen Sorten nach Angaben des Deutschen Weininstituts im Norden Deutschlands. Dort entstanden seit der Zulassung von Neuanpflanzungen 2016 mehr als 200 Hektar Weinberge außerhalb der 13 traditionellen Anbaugebiete. Ein Teil des Pflanzguts werde mittlerweile auch exportiert, etwa nach Frankreich – genaue Zahlen dazu lägen jedoch nicht vor.

Bei den herkömmlichen Sorten legten 2025 nur wenige zu: Chardonnay wuchs um 102 auf 3.152 Hektar, Sauvignon Blanc um 40 auf 2.094 Hektar. Bei den roten Sorten stieg einzig der Merlot-Anbau gegen den Trend um 18 auf 981 Hektar.

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