Lidl stellt ab März sein gesamtes Eigenmarken-Tafelschokoladensortiment in Festlistung auf ein neues Living Income-Programm um, das von Fairtrade entwickelt wurde. Der Discounter ist nach eigenen Angaben der erste Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland, der diesen Schritt geht.
Booster gilt ab August für vollständiges Sortiment
Das Programm geht über bestehende Fairtrade-Standards hinaus. Lidl zahlt einen festen Betrag pro Tonne Kakao – den sogenannten Booster – zusätzlich zum Fairtrade-Mindestpreis und zur Fairtrade-Prämie sowie dem Living Income Reference Price, wie das Unternehmen mitteilte. Der Booster fließt in Produktivitätssteigerung und Einkommensdiversifizierung. Die Fairtrade-Prämie und der mögliche Living Income Reference Price werden an die Kakao-Kooperativen und -Produzenten ausgezahlt.
Der Booster gilt ab August für das vollständige Tafelschokoladen-Standardsortiment der Lidl-Eigenmarken Fin Carré, J.D. Gross und Vemondo. Das neue Verpackungsdesign wird voraussichtlich Anfang 2027 eingeführt.
Verpflichtung gilt für mindestens fünf Jahre
Die Verpflichtung gilt für mindestens fünf Jahre und unabhängig von Weltmarktschwankungen. Die Mehrkosten trägt Lidl, ohne sie an die Verbraucher weiterzugeben, wie der Discounter betonte. „Die Umstellung des gesamten Tafelschokoladensortiments der Lidl-Eigenmarken setzt einen neuen Branchenstandard: Wir tragen zu existenzsichernden Einkommen von Kakaobauern bei und lassen nachhaltigen Schokoladengenuss für jeden erschwinglich werden“, sagte Christoph Graf, Chief Merchandising Officer der Lidl Dienstleistung.
Fairtrade und Lidl führen Baseline Assessments durch
Um die Wirkung dieser Maßnahmen zu dokumentieren, führt der Lebensmitteleinzelhändler gemeinsam mit Fairtrade sogenannte Baseline Assessments durch. Diese dienen als Referenzwert für den Vergleich mit späteren Projektergebnissen. Für das Projekt schaffen Fairtrade und Lidl in der ersten Phase, beginnend ab März, die notwendigen Grundlagen. Ein vergleichbar skaliertes Vorhaben existiere in der Branche bislang nicht, so Lidl.
Lidl engagiert sich nach eigenen Angaben seit mehr als zehn Jahren für fairere Bedingungen im Kakaosektor. 2014 wurde der Lebensmitteleinzelhändler einer der ersten Partner im Fairtrade-Rohstoff-Programm für Kakao. Seit 2017 stammt der Kakao aller Eigenmarken zu 100 Prozent aus nachhaltig zertifiziertem Anbau. Die Tafelschokoladen im Festsortiment tragen seit 2022 ausschließlich das Fairtrade- oder das Fairtrade-Rohstoff-Siegel.
Auch international startet das Programm
Mit der Eigenmarke Way To Go ging Lidl im Jahr 2020 gemeinsam mit Fairtrade noch einen Schritt weiter in Richtung existenzsichernder Einkommen. Seit Projektbeginn profitierten durch die Way To Go-Schokoladen über 2.200 Kakaobauern in Ghana von einer Zusatzprämie und Investitionen in landwirtschaftliche Projekte, so das Unternehmen. „Mit ,Way To Go’ haben wir wertvolle Impulse gesetzt. Echte Veränderung entsteht aber erst durch Skalierung“, betonte Stefan Haensel, Head of Quality & Sustainability, Senior Vice President bei Lidl International.
Auch Lidl in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Österreich starten im März mit Fairtrade die Umsetzung des Living Income-Programms.