Streit um Dumpingpreise Tchibo klagt gegen Aldi Süd wegen zu niedriger Kaffeepreise

Das Oberlandesgericht Düsseldorf prüft, ob Aldi Süd Kaffee unter den Herstellungskosten verkauft. Tchibo wirft dem Discounter vor, mit Verlusten von zwei Euro pro Kilo und mehr zu kalkulieren. Heute wird verhandelt.

Dienstag, 02. Dezember 2025, 09:56 Uhr
Manuel Glasfort (Mit dpa)
Tchibo will Aldi Süd verbieten lassen, den Kaffee zu niedrigen Preisen zu verkaufen. Bildquelle: Getty Images

Das Oberlandesgericht Düsseldorf prüft, ob Aldi Süd Kaffee zu niedrigen Preisen verkauft. Tchibo klagt gegen den Discounter und wirft ihm vor, seit Ende 2023 regelmäßig Kaffees seiner Eigenmarke Barissimo unter den Herstellungskosten angeboten zu haben. Dies schade dem Wettbewerb und den Verbrauchern, ist der Hamburger Kaffeeröster überzeugt. Der 6. Kartellsenat des Oberlandesgerichts verhandelt den Fall am heutigen Dienstag. Eine Entscheidung wird noch nicht erwartet.

Tchibo scheiterte in erster Instanz

Tchibo will Aldi Süd verbieten lassen, den Kaffee zu derart niedrigen Preisen zu verkaufen. Der Kaffeeröster behauptet, Aldi Süd habe bestimmte Kaffeesorten zeitweise mit erheblichen Verlusten verkauft – von zwei Euro pro Kilo und mehr. Der Discounter lässt den eigenen Kaffee von seiner Tochter New Coffee produzieren.

In erster Instanz scheiterte Tchibo mit seiner Klage. Die Richter des Landgerichts Düsseldorf wiesen die Klage im Januar ab. Das Vorgehen von Aldi Süd sei kaufmännisch vertretbar, hieß es damals. Es liege keine Gefahr vor, dass der Wettbewerb beeinträchtigt werde. Auch sei keine Absicht erkennbar, andere Unternehmen vom Markt zu verdrängen. Tchibo ging daraufhin in Berufung.

Kartellrechtler sieht Machtverhältnisse in der Branche im Wandel

Rupprecht Podszun, Professor für Kartellrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, ordnet den Fall ein: „Niedrige Preise sind genau das, was Wettbewerb erreichen soll.“ Problematisch würden sie erst, wenn damit Konkurrenten dauerhaft vom Markt verdrängt werden sollten, um anschließend die Preise für das eigene Produkt zu erhöhen.

Aus Sicht von Podszun zeigt der Fall beispielhaft die sich verändernden Machtverhältnisse in der Branche. „Die großen Lebensmittelhändler, die den Markt beherrschen, dringen immer tiefer in die Herstellung ein“, sagte der Kartellrechtler.

Handelsketten wie Aldi seien längst keine reinen Verkäufer mehr. Sie entwickelten sich zu Lebensmittelkonzernen und übernähmen mit Eigenmarken und eigenen Produktionsstätten zunehmend größere Teile der Wertschöpfung.

Eckpreisartikel haben besondere Zugkraft

Lebensmittelhändler arbeiten mit Mischkalkulationen. Bei einigen Artikeln sind die Margen höher, bei anderen geringer. So genannte Eckpreisartikel wie Kaffee oder Butter haben eine besondere Zugkraft, weil hier besonders auf die Preise geachtet wird. Die Ketten bieten sie oft vergünstigt an, um Kunden anzuziehen.

Kaffeehändler und -röster erleben derzeit herausfordernde Zeiten. Im vergangenen Jahr stiegen die Rohkaffeepreise stark, vor allem wegen schlechter Ernten. Auch Tchibo kündigte Anfang des Jahres an, man wolle die Preise erneut erhöhen. Bohnenkaffee war im Oktober laut Statistischem Bundesamt knapp 58 Prozent teurer als 2020.

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