Leser fragen ... Cyber-Versicherung im Einzelhandel – wann sich der Schutz für Kaufleute lohnt

Hintergrund

… und Experten antworten. In dieser Ausgabe erklärt Marc Dönges, worauf Händler bei einer Cyber-Versicherung achten sollten.

Freitag, 26. Juni 2026, 07:40 Uhr
Hedda Thielking
Marc Dönges ist Projektleiter bei der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand. Sie unterstützt kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups kostenfrei bei der Prävention, Erkennung und Reaktion auf Cyberangriffe. Bildquelle: Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand

Risiken im Handel

Ohne IT läuft im Einzelhandel oft nichts mehr. Gleichzeitig geraten immer mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ins Visier von Cyberangriffen – auch selbstständige Kaufleute. Dabei geht es nicht nur darum, sensible Daten zu schützen, sondern vor allem auch darum, den täglichen Betrieb aufrechtzuerhalten. Fällt das Kassensystem aus, können Bestellungen nicht mehr bearbeitet werden, und sind Kundendaten nicht mehr sicher, entstehen schnell hohe Folgekosten – häufig weit über die eigentlichen Reparaturkosten hinaus. Genau hier setzt eine Cyber-Versicherung an. Worauf sollten Händler bei der Auswahl achten?

Leistungen prüfen

Eine Cyber-Versicherung bündelt verschiedene Leistungen, vor allem Haftpflichtabsicherungen. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen. Wichtig ist, dass die Versicherung zentrale Risiken abdeckt: Daten wiederherstellen, nach einem Cyberangriff schnell helfen, externe IT-Fachleute bezahlen, Meldungen gemäß Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) übernehmen und finanzielle Schäden ausgleichen, wenn der Betrieb zeitweise stillsteht.

Ob eine Cyber-Versicherung überhaupt nötig ist, hängt vom individuellen Risikoprofil ab. Unternehmen, die wenig digital arbeiten, kaum sensible Kundendaten speichern und ihre Systeme konsequent sichern, können mögliche Schäden unter Umständen selbst tragen. Für viele kleine Betriebe steigt die Relevanz aber. Schon ein einzelner Angriff kann den Geschäftsbetrieb lahmlegen und schlimmstenfalls sogar die Existenz gefährden.

Pflichten und Kosten

Wichtig zu wissen: Nur wer bereits grundlegende Schutzmaßnahmen vorweisen kann, darf eine Cyber-Versicherung abschließen. Dazu gehören zum Beispiel sichere Passwörter, Schulungen für Mitarbeiter sowie regelmäßige Daten-Back-ups. Manche Versicherer prüfen dies mit Fragebögen, andere beauftragen externe Sicherheitsexperten. Eine Versicherung kostet je nach Umsatz, Branche, IT-Umfang und Sicherheitsniveau zwischen ein paar Hundert Euro und mehreren Tausend Euro pro Jahr.

Schutz schrittweise aufbauen

Fazit: Wer digital arbeitet, Kundendaten verarbeitet und bei einem IT-Ausfall nicht einfach weiterarbeiten kann, sollte eine Versicherung in Betracht ziehen. Voraussetzung ist ein grundlegendes Maß an IT-Sicherheit. Diese Maßnahmen sollten in jedem Betrieb selbstverständlich sein, um Angreifern möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Eine Cyber-Versicherung macht Unternehmen nicht sicher, sondern ist nur ein Baustein der Cybersicherheit. Wer langfristig widerstandsfähig bleiben will, sollte Schutzmaßnahmen schrittweise einführen und im Betrieb dauerhaft verankern.

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