Die Deutsche Telekom und die Lidl-Mutter Schwarz verhandeln über den gemeinsamen Bau eines Großrechenzentrums in Deutschland. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, führen die beiden Unternehmen Gespräche über eine sogenannte AI Factory, um sich auf eine EU-Förderung zu bewerben. Die Verhandlungen seien bereits weit fortgeschritten. Ein kanadischer Finanzinvestor könnte als Geldgeber beteiligt werden. Ein Sprecher der Telekom sagte, man habe grundsätzlich Interesse an solchen Großrechenzentren, wollte den konkreten Fall aber nicht kommentieren. Auch eine Sprecherin der Schwarz-Gruppe äußerte sich nicht dazu.
Mit dem Gemeinschaftsprojekt wollen die beiden Unternehmen ihre Anstrengungen im Bereich der KI-Rechenzentren verstärken. Anfang November hatte die Telekom in Berlin angekündigt, im großen Stil in den Aufbau und Betrieb von KI-Rechenzentren einzusteigen.
Damals verkündete Telekom-Chef Tim Höttges den Start eines Gemeinschaftsprojekts mit dem Chipkonzern Nvidia, bei dem eine KI-Fabrik in München für mehr als eine Milliarde Euro entstehen soll. „Ohne KI kann man die Industrie vergessen“, zitierte die Pressemitteilung Höttges. „Ohne KI kann man den Standort Deutschland vergessen.“ Der Telekom-Chef verwies darauf, dass derzeit lediglich fünf Prozent der KI-Hochleistungs-Chips in Europa genutzt werden und 70 Prozent in den USA.
Schwarz-Gruppe investiert elf Milliarden Euro in Brandenburg
Die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch Kaufland gehört, hatte Mitte November den ersten Spatenstich für den Bau eines Rechenzentrums mit einem Investitionsvolumen von elf Milliarden Euro in den nächsten fünf bis 15 Jahren begangen. Das Schwarz Digits Datacenter entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Braunkohlekraftwerks im brandenburgischen Lübbenau im Spreewald.
Es handelt sich nach Angaben des Unternehmens um die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Zweieinhalb Milliarden Euro fließen in den Bau, der Rest in die IT-Infrastruktur. Staatliche Förderung gebe es nicht, teilte das Unternehmen mit. Die Schwarz-Gruppe kann dabei die Infrastruktur nutzen, die einst für ein Braunkohlekraftwerk gebaut wurde.
Die Sparte Digits bündelt die digitalen Aktivitäten der Schwarz-Gruppe und bietet ihr Know-how auch externen Kunden an. Zu ihr gehören der Cloud-Anbieter Stackit und eine israelische Cybersicherheitsfirma. Schwarz Digits kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von 1,9 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2024/25, das Anfang März endet.
