Der Lebensmittelhändler Netto Marken-Discount bezieht in Neubulach im Schwarzwald einen Supermarkt, dessen Wände im 3D-Druckverfahren entstanden sind. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen handelt es sich um den weltweit ersten Supermarkt, der mit dieser Technologie gebaut wurde. Die Grundfläche beträgt rund 1.700 Quadratmeter, mehr als 1.300 Quadratmeter Wandfläche entstanden im 3D-Druck. Die Fertigstellung ist noch für dieses Jahr geplant. Netto teilte auf Anfrage mit, den Markt Mitte November eröffnen zu wollen.
Das Projekt verbindet zwei Ansätze: den automatisierten 3D-Betondruck und den Einsatz eines Zements, der den CO₂-Ausstoß reduzieren soll. Zum Einsatz kam der Zement Evozero des Baustoffherstellers Heidelberg Materials, der auf CO₂-Abscheidung und -Speicherung basiert. Das abgeschiedene CO₂ wird laut Mitteilung dauerhaft im Meeresboden gespeichert. Der Zement wurde in einem Werk in Norwegen hergestellt. Bauherr ist die Bäckerei Sehne, Netto Marken-Discount wird Mieter.
Die Wände entstanden mit dem mobilen 3D-Drucker Instatiq P1. Das Unternehmen Instatiq stellte die Technologie bereit, das Unternehmen Nelcon, ein Joint Venture von Züblin und Instatiq, führte die Arbeiten vor Ort aus. In einzelnen Bauphasen arbeiteten erstmals zwei mobile 3D-Drucker parallel. Die Roboter können auf der Baustelle abschnittsweise umgesetzt und neu positioniert werden. Der Wandrohbau entstand in rund vier Wochen. Ergänzt wurde die Konstruktion durch konventionelle Bauteile wie Stützen und Ringbalken. „Mit dem ersten 3D-gedruckten Supermarkt zeigen wir, dass unsere Technologie im realen Gewerbebau angekommen ist“, zitierte die Mitteilung Markus Schilling von Instatiq.
Heidelberg Materials liefert speziellen Transportbeton
Heidelberg Materials entwickelte für das Projekt einen speziellen Transportbeton, der für den mobilen 3D-Druck optimiert wurde. Er zeichnet sich den Angaben zufolge durch hohe Pumpfähigkeit, Formstabilität und schnelle Festigkeitsentwicklung aus. Durch den Einsatz des Zements Evozero wird der CO₂-Fußabdruck laut Mitteilung direkt im Herstellprozess reduziert. Ein Vorteil sei, dass deutlich CO₂ eingespart werden könne, ohne die Rezeptur oder Produktion anpassen zu müssen.
„Mit unserer Filiale in Neubulach setzt Netto Marken-Discount ein starkes Zeichen für die Zukunft des Handelsbaus“, sagte Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Netto Marken-Discount. Der Einsatz von 3D-Druck und CO₂-reduziertem Beton zeige, wie sich innovative Technologien bereits heute im Filialbau einsetzen ließen. Das Unternehmen entwickle sein Filialnetz mit dem Anspruch weiter, Ressourcen zu schonen und Bauprozesse zu beschleunigen.