Ziemlich genau vier Jahre ist es her, da hat Enrico Schenk von der Edekabank einige schlaflose Nächte gehabt. Der Grund: deutschlandweit ausfallende Kartenterminals. Die Kunden von Edeka und zahlreichen anderen Einzelhändlern konnten tagelang nur noch bar bezahlen. Die Ursache damals: eine Störung eines weitverbreiteten Kartenterminals des Herstellers Verifone. Die Erfahrung hat sich bei Schenk eingebrannt, gesteht er: „Im Mai werde ich immer ein bisschen nervös.“
Dabei hat er inzwischen deutlich weniger Grund zur Sorge. Denn mittlerweile hat der Bereichsleiter Payment bei der Edekabank zusammen mit seinem Team und externen Partnern für solche Notfälle eine Back-up-Lösung erarbeitet und erprobt. Das Zauberwort lautet Soft-PoS. Die Technik verwandelt Endgeräte wie Smartphones oder Tablets mittels NFC-Technologie in Kartenterminals für kontaktlose Zahlungen. Edeka setzt dabei nicht auf Smartphones, sondern auf die MDE-Geräte, also die Handheld-Computer, die die Supermarktmitarbeiter ohnehin nutzen.
„Es hat lange gedauert, bis wir eine Lösung gefunden haben, die tatsächlich alle Anforderungen auf dieser heterogenen Fläche der Edeka erfüllen konnte“, erinnert sich Schenk. Zu Beginn seien verschiedene Varianten durchgespielt worden, die jedoch einen Haken hatten. Verworfen wurde die Idee, separate Hardware anzuschaffen, die die Kassenkraft im Bedarfsfall aus der Schublade holt – und deren Software dann veraltet ist. Auch Lösungen allein für Kreditkarten kamen nicht infrage: viel zu hohe Gebühren. Girocardfähig sollte das gewünschte Back-up-System sein.
Die Lösung kam schließlich in Gestalt des Münchner Girocard-Netzbetreibers Lavego, der zusammen mit seinem Partner Softpay eine Soft-PoS-Lösung für die Girocard anbietet. Der Charme dieser Lösung neben ihrer Girocardfähigkeit: die Möglichkeit, vorhandene Geräte zu nutzen. „Wir nutzen unsere MDEs, die in den Filialen vorhanden sind und mit denen wir normalerweise Ware inventarisieren oder Ähnliches“, erklärt Schenk. Die Geräte würden regelmäßig verwendet und aktualisiert, und die Filialkräfte seien mit ihnen vertraut. „Das ist nichts, was nur einmal im Jahr aus dem Schrank geholt wird – und dann weiß ich nicht, wie das Ding funktioniert.“
Lavego betreibt eigenes Netz
Ein weiterer Pluspunkt: Die Lavego ist ein Girocard-Netzbetreiber. Das bietet der Edeka, die über die Edekabank-Tochter Zahlungswerk ein eigenes Girocard-Netz betreibt, eine zusätzliche Sicherheit für den Fall, dass das eigene Netz ausfallen sollte. „Deswegen auch die bewusste Entscheidung für einen anderen Netzbetreiber an dieser Stelle, um wirklich diese Back-up-Fähigkeit hochhalten zu können“, erläutert Schenk.
Es folgte ein Pilotversuch – und ein überraschender Ernstfall. Die Regionalgesellschaften hätten vor dem Weihnachtsgeschäft Druck gemacht, den Rollout voranzutreiben, erinnert sich der Edekabank-Manager: „Bald ist das Weihnachtsgeschäft da, und wir wollen irgendwie eine Back-up-Lösung vor Weihnachten draußen haben, falls es mal wieder knallt.“ Der Partner Euro Kartensysteme, die Steuerungsgesellschaft für das Girocard-Scheme, habe es dann in der Pilotphase ermöglicht, mehr Tempo zu machen, lobt Schenk.
Und tatsächlich kam es dann zu einem flächendeckenden Ausfall. „Und schon wurden die Dinger das erste Mal aus der Tasche gezogen – und siehe da, es hat tatsächlich ziemlich gut funktioniert“, berichtet Schenk. Die Funktionsweise sei recht einfach: „Betragseingabe, PIN-Eingabe, fertig.“ Seine Bilanz: „Wir können damit wirklich sagen, wir haben eine gute Lösung für das Back-up-Szenario gefunden.“
Wie geht es nun weiter? Zunächst wolle man die Lösung in allen Edeka-Regionen ausrollen. Doch damit nicht genug. Schenk und seine Leute denken bereits an die nächsten Lösungen, beispielsweise für Nutzer des intelligenten Einkaufswagens Smart Shopper. Denkbar sei, den Check-out-Prozess in den Einkaufskorb zu integrieren. Auch für Spargelstände und kulinarische Flächen sei die Soft-PoS-Lösung interessant. „Da sind diese Geräte sehr flexibel einsetzbar.“
Die Hausbank des Edeka-Verbunds
Die Edekabank ist die genossenschaftliche Hausbank des Edeka-Verbunds. Im Firmenkundengeschäft fokussiert sich das Geldhaus auf die Vergabe von Krediten an selbstständige Edeka-Kaufleute und das Thema Zahlungsverkehr. Die Edekabank kümmert sich um die technische Infrastruktur und die Abwicklung von Kartenzahlungen in den Filialen.
Für Edekaner
Die Bank betreibt auch ein Privatkundengeschäft mit den üblichen Angeboten wie Online-Banking, Wertpapierdepots, Baufinanzierung sowie Giro- und Kreditkarten. Das Institut wirbt mit Sonderkonditionen für Edekaner.
Aus für klassische Terminals?
Schenk geht jedoch noch weiter: „Brauche ich klassische Terminal-Hardware überhaupt noch, wenn ich die viel flexiblere Integration mit einer Softwarelösung haben kann? Auch da führen wir tatsächlich erste Experimente in diesem Jahr durch.“ Eine Kassenintegration von Soft-PoS sei allerdings technisch herausfordernd, räumt der Bereichsleiter Payment ein.
Gehören klassische Kartenterminals dann in fünf Jahren bereits der Vergangenheit an? Oliver Hommel von Euro Kartensysteme ist vorsichtig. Der Trend zu softwarebasierten Payment-Lösungen sei nicht aufzuhalten, glaubt der Geschäftsführer des Scheme-Betreibers. „Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir bereits in fünf Jahren keine klassischen Terminal-Architekturen mehr sehen werden.“ Diese brächten immerhin auch ein paar Vorteile mit sich. Allerdings: „Der Weg ist vorgezeichnet, dass die Zahlungsverkehrslösung immer stärker von der Software gedacht und hardware-unabhängiger wird“, ist Hommel überzeugt.