Tarifkonflikt Einzelhandel Supermärkte und Discounter bleiben regulär geöffnet

Trotz der bundesweiten Warnstreiks im Einzelhandel rechnen der Handelsverband Deutschland und der BVLH nicht mit spürbaren Auswirkungen für Verbraucher. Hinweise auf Ladenschließungen gebe es bislang nicht, Supermärkte und Discounter seien regulär geöffnet. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen im Handel.

Freitag, 15. Mai 2026, 10:34 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Mit Warnstreiks und Kundgebungen in mehreren Städten erhöhen Gewerkschaften den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen des Handels. Bildquelle: Getty Images

Verbraucher müssen trotz der Warnstreiks im Einzelhandel nach Einschätzung des Handelsverbandes Deutschland nicht mit Einschränkungen beim Einkaufen rechnen. „Uns liegen bislang keine Erkenntnisse etwa zu Ladenschließungen oder Ähnlichem bundesweit vor, sodass es heute zu keinen Beeinträchtigungen für die Kunden im Einzelhandel kommen wird“, sagte HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke. Die Gewerkschaft Verdi hat für Freitag bundesweit zu ersten Warnstreiks im Handel aufgerufen.

Keine Auswirkungen im Lebensmittelhandel

Auch der Lebensmittelhandel erwartet keine spürbaren Auswirkungen. Supermärkte und Discounter seien normal geöffnet, sagte Hauptgeschäftsführer Philipp Hennerkes vom Branchenverband BVLH. Die Versorgung sei gewährleistet.

Auslöser sind die laufenden Tarifverhandlungen für den Einzel- sowie den Groß- und Außenhandel, die seit April in den ersten Landesbezirken geführt werden. Verdi fordert 7 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 225 Euro. Die Arbeitgeberseite in Hamburg und Nordrhein-Westfalen legte in dieser Woche erste Angebote vor: eine Erhöhung um 2 Prozent ab November und weitere 1,5 Prozent ab August 2027. Verdi wies die Angebote zurück. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer sprach den Angaben zufolge von „vergifteten Angeboten“, die nicht einmal die Inflation ausgleichen würden.

Neben den Warnstreiks fanden in Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart und Dortmund Streikkundgebungen statt. Der Handelsverband verwies auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Branche. Tarifgeschäftsführer Haarke mahnte: „Was wir brauchen, ist eine gemeinsame und verantwortungsvolle Lösung für unsere Branche in dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage mit historisch schwacher Konsumstimmung und schnell wachsender Arbeitslosigkeit sowie zunehmenden Unternehmensinsolvenzen.“ Die Arbeitgeber seien zum Dialog bereit.

Im Handel arbeiten nach Angaben von Verdi rund 5,2 Millionen Menschen in Deutschland, davon 3,4 Millionen im Einzelhandel. Die vorangegangenen Tarifverhandlungen hatten sich über mehr als ein Jahr hingezogen und endeten mit einem Einkommensplus von insgesamt rund 14 Prozent für die Beschäftigten im Einzelhandel im Zeitraum 2023 bis 2025. Die Tarifbindung in der Branche ist den Angaben zufolge seit Jahren rückläufig und vergleichsweise gering.

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