Bei der Bundestagswahl im Februar haben wir noch unser Kreuzchen auf Papier gemacht – zumindest wer wollte. Moderne Befragungen von Konsumenten laufen natürlich anders ab: kein Papier, keine Kreuzchen mit Bleistift oder Kugelschreiber. Stattdessen sitzen die Befragten am Monitor und stimmen digital ab. Mit unserem neuen Partner für die Erhebung zum Produkt des Jahres, dem Marktforschungsinstitut Interrogare mit Hauptsitz in Bielefeld, haben wir das Befragungstool in diesem Jahr noch weiter verbessert.
Zu den Produkten des Jahres 2026
So erschienen den Teilnehmern die verschiedenen Beurteilungskriterien – jeweils bezogen auf ein bestimmtes Produkt – in zufälliger Reihenfolge. Innerhalb von Millisekunden mussten sie dann entscheiden, ob das jeweilige Kriterium aus ihrer Sicht zum Produkt passt oder nicht. Die gemessene Reaktionszeit zeigt, wie stark und in welche Richtung ein Produkt mit bestimmten Eigenschaften oder Eindrücken verbunden wird. „Entscheidend sind dabei schnelle, positive Reaktionen – denn sie zeigen am klarsten, welche Kriterien mit dem Produkt verbunden werden“, erklärt Sandra Kruse, Senior Consultant Marketing Research bei Interrogare. Anhand der Reaktionszeit und -richtung („kaufen“ oder „nicht kaufen“) werde implizit der unbewusste Kaufimpuls gemessen, der gerade bei der Einführung von Neuprodukten eine große Rolle spielt. Das Bewertungsraster unterteilte sich dabei in sechs große Bereiche: Innovation und Originalität, optische Gestaltung, Qualität und Leistung, Nachhaltigkeit, Zielgruppenkonformität sowie die Markenwahrnehmung der Befragten.
Um die Innovationskraft und Originalität eines Produktes zu messen, bewerteten die Teilnehmer, ob sie es als innovativ, kreativ, einzigartig oder vielleicht sogar exotisch wahrnehmen und ob das Produkt sie neugierig macht. Die optische Gestaltung – nicht zuletzt eine ansprechende Verpackung – ist häufig ein Kaufgrund, insbesondere beim Erstkontakt mit einem Produkt. Ein erfrischendes oder auffälliges Aussehen gingen in die Bewertung ebenso ein wie die Frage, ob es lecker aussieht. Diese erste Kategorie, also Innovationskraft und Originalität sowie optische Gestaltung, ließ eine sehr schnelle, spontane Entscheidung zu.
Dagegen fließen gerade in der Kategorie Qualität und Leistung häufig bereits gemachte Erfahrungen mit dem Produkt, der Herstellermarke oder der Warengruppe ein. Gefragt wurde hier nach Alltagstauglichkeit und ob das gezeigte Produkt hochwertig, zuverlässig und leistungsstark erscheint. In der Kategorie Nachhaltigkeit bewerteten die Teilnehmer, inwiefern sie das Produkt für gesund und nachhaltig erachten.
Für jeden Hersteller ist es wichtig, die Zielgruppe für sein Produkt zu kennen und seine Aktivitäten dementsprechend darauf auszurichten. Deshalb haben wir nicht nur gefragt, ob die Teilnehmer das jeweilige Produkt eher ideal für Singles oder für Familien mit Kindern halten, sondern auch, ob es sich für unterwegs eignet. Das trägt dem wachsenden Markt der Ready-to-go-Produkte Rechnung.

Wahrnehmung der Marke
Die Verbraucher nehmen vertraute Marken hinter den Produkten sehr genau wahr, wie unsere diesjährige Befragung zeigt. Deshalb haben wir die Teilnehmer zunächst gefragt, ob das Produkt auch zur Marke passt und inwieweit sie diese Marke als bekannt und attraktiv bewerten. Danach ordneten sie ein, ob die Marke aus ihrer Sicht vertrauenswürdig, innovativ und nachhaltig ist. Darüber hinaus, ob es ihre bevorzugte Marke ist und ob sie generell bereit sind, für Marken mehr zu bezahlen.
An dieser Stelle zeigt die LP-Befragung zum Produkt des Jahres, dass die Verbraucher weiterhin preisbewusst unterwegs sind: Für 68 Prozent spielt der Preis beim Einkauf eine wichtige Rolle. Es verwundert auch nicht, dass 55 Prozent angeben, meist im Discounter einzukaufen. Dabei ist es kein Widerspruch, dass die Teilnehmer für sich in Anspruch nehmen, beim Einkauf besonders auf die Qualität zu achten (58 Prozent). Und immerhin sind 51 Prozent bereit, für höhere Qualität mehr zu bezahlen. Der Verbraucher erwartet demnach ein preiswertes Produkt, dass die Qualitätsversprechen auch erfüllt. Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob es sich um eine Hersteller- oder Handelsmarke handelt.
Die Befragung
Das Marktforschungsunternehmen Interrogare führte für die Verbraucherbefragung Produkt des Jahres 2026 vom 14. bis 25. Juli 2025 insgesamt 6.189 Interviews durch. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Kaufentscheider von Lebensmitteln in Deutschland im Alter von 18 bis 65 Jahren.
Die Produkte
Die Befragten bewerteten insgesamt 309 Produkte aus 36 verschiedenen Warengruppen. Jeder Teilnehmer sah maximal drei Warengruppen. Alle Produkte wurden in zufälliger Reihenfolge mit Abbildungen angezeigt. Für jede Warengruppe – bestehend aus 5 bis 15 Produkten – wurde jeweils eine Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille vergeben.
Kriterien beim Einkauf
„Regional schlägt bio“ ist ein zuletzt oft gehörter Satz im Handel. Das bestätigt auch die LP-Befragung: Während 52 Prozent der Befragten angaben, auf die Herkunft von Lebensmitteln, also ob sie regional erzeugt oder fair gehandelt wurden, zu achten, kaufen noch 36 Prozent regelmäßig Bio-Produkte ein. Gerade einmal 38 Prozent sind bereit, mehr für nachhaltige oder umweltfreundliche Produkte zu bezahlen. 29 Prozent gaben an, dass sie gerne mehr vegetarische oder vegane Produkte kaufen würden. Im Vergleich zu den Kriterien Preis und Qualität sind das keine konkurrenzfähigen Werte.
Die repräsentative Befragung zum Produkt des Jahres zeigt ebenso, dass die Konsumenten gerne probieren, bevor sie kaufen und das Produkt eventuell weiterempfehlen. Die Ergebnisse in fast allen Warengruppen sprechen für mehr Verkostungen auf der Fläche beziehungsweise Probierstücke in Aktionen. Manchmal genügt ein digitaler Hype nicht, um Konsumenten dauerhaft zu ködern. Das Produkt muss einfach schmecken.