Es ist eine dieser Kundeninformationen, die zwar notwendig sind, aber vor denen Händler erst einmal tief Luft holen müssen: Das E-Center Warnow Park in Rostock warnt seine Kunden eindringlich vor gefälschten Profilen in den sozialen Medien. Bei solchen Fake-Profilen schöpfen Betrüger im schlimmsten Fall persönliche Informationen bis hin zu sensiblen Bankdaten ab.
Stephan Cunäus, Inhaber des größten Edeka-Marktes in Norddeutschland, auf Linkedin: „Fake-Profile im Namen von Unternehmen sind kein Randthema mehr. Sie sind ein reales Risiko.“ Cunäus warnt: Über Jahre aufgebautes Vertrauen werde im digitalen Raum innerhalb kürzester Zeit beschädigt. Der Handel steht somit aus Sicht des erfahrenen Kaufmanns vor einer neuen Herausforderung: „Nicht nur Sortiment, Preis und Service entscheiden – sondern zunehmend auch die Frage, wie wir Sicherheit und Orientierung im digitalen Raum schaffen.“ Denn: „Wenn Kunden nicht mehr sicher entscheiden können, welcher Kanal echt ist und welcher nicht, dann entsteht ein strukturelles Problem für den gesamten Handel.“
Die Aufmerksamkeit in der Lebensmittelwirtschaft schärfen – das möchte ebenfalls das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Es berichtet: „Kriminelle entwickeln immer wieder neue Betrugsmethoden, um sich auf Kosten von Verbrauchern einen Vorteil zu verschaffen.“
„Vor allem ein Vollzugsdefizit“
Dafür richten Betrüger Fake-Accounts ein, manipulieren auch Websites, stellen Fake-Websites online oder bringen Fake-Shops in die Welt. Insbesondere Fake-Shops seien ein „wachsendes Problem im E-Commerce“, bestätigt Dara Kossok-Spieß der Lebensmittel Praxis. Sie verantwortet beim Handelsverband Deutschland (HDE) den Bereich Netzpolitik und Digitalisierung. Fatal aus ihrer Sicht: „Negative Erfahrungen werden oft auf den gesamten Onlinehandel übertragen.“ Außerdem beobachtet die HDE-Expertin zunehmend Fake-Profile in den sozialen Medien. Meistens leiten diese Profile auf Fake-Shops weiter. Eine der Maschen: Bestellte und bezahlte Artikel sieht der Kunde nie.
Der Kampf gegen die betrügerischen Machenschaften im Internet ist nach den Erfahrungen von Dara Kossok-Spieß sehr schwierig. Betreiber agieren anonym oder aus dem Ausland. Klassische Mittel wie Abmahnungen greifen selten. Und ein gemeldeter Fake-Shop lässt sich schnell wieder neu aufsetzen. „Wir haben vor allem ein Vollzugsdefizit“, so die HDE-Mitarbeiterin. „Regeln gibt es. Entscheidend ist ihre konsequente Durchsetzung.“ Die stößt im Zeitalter der künstlichen Intelligenz noch rascher an Grenzen als vorher. Umso wichtiger ist die Aufklärung der Kunden über Risiken.
Gesunder Menschenverstand hilft
Frank Düssler, Sprecher des Bundesverbandes E-Commerce & Versandhandel (BEVH), erinnert an die Siegel mehrerer Anbieter, die seriöse Shops kennzeichnen. Der BEVH selbst vergibt ebenfalls eines, zusammen mit Trusted Shops. Ferner empfiehlt Düssler den Fake-Shop-Finder des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV). Doch am allermeisten helfe den Kunden der gesunde Menschenverstand. Zum Beispiel, wenn sie bei einem fehlenden Shop-Impressum oder einer fehlende Steuernummer aufmerksam würden.
Transparenter geht manchmal
Meinung von LP-Redakteur Thomas Klaus
Edeka und Rewe, Lidl und Aldi, Kaufland und Penny, Ferrero, Milka, Red Bull – die (unvollständige) Liste der Lebensmittelhändler und Lebensmittelmarken, die von Fake-Profilen und Fake-Shops betroffen waren, ist lang. Nicht alle der Heimgesuchten gehen damit jedoch so transparent und kundenfreundlich um wie das E-Center Warnow Park. Dabei ist es keine Schande für einen Händler oder Hersteller, wenn Betrüger ihn ins Visier genommen haben. Die Wahrscheinlichkeit wächst immer mehr. Und die Täter sind kreativ, schnell und anpassungsfähig. Es ist verdienstvoll von E-Center-Chef Stephan Cunäus, dass er die Branche an die Verantwortung erinnert, die mit Digitalisierung einhergeht.