Fischerei und Aquakultur Weltweite Fischproduktion erreicht Rekord – doch fast 38 Prozent der Bestände sind überfischt

Die globale Produktion aus Fischerei und Aquakultur ist 2024 auf 235 Millionen Tonnen gestiegen. Erstmals überschritt die Aquakultur die Marke von 100 Millionen Tonnen. Gleichzeitig warnt die FAO vor wachsender Überfischung – vor allem vor der Küste Westafrikas.

Mittwoch, 17. Juni 2026, 09:57 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Die weltweite Fisch- und Algenproduktion hat 2024 mit 235 Millionen Tonnen einen Höchststand erreicht. Trotz des Rekords sieht die FAO die Meere unter Druck: Fast 38 Prozent der Fischbestände werden nach ihren Angaben über die biologisch nachhaltigen Grenzen hinaus genutzt. Bildquelle: Getty Images

Die weltweite Produktion aus Fischerei und Aquakultur hat im Jahr 2024 einen Rekord erreicht. Insgesamt seien 235 Millionen Tonnen produziert worden, teilte die Welternährungsorganisation FAO in einem neuen Bericht mit, den sie auf einer Konferenz in der kenianischen Hafenstadt Mombasa vorstellte. Die Zahl setzt sich laut FAO-Direktor Manuel Barange aus 195 Millionen Tonnen Wassertieren und 40 Millionen Tonnen Algen zusammen. Gleichzeitig warnte die Organisation vor anhaltender Überfischung: Fast 38 Prozent aller weltweit befischten Bestände würden über die biologisch nachhaltigen Grenzen hinaus befischt.

Die Aquakultur gewinnt dem Bericht zufolge weiter an Bedeutung. Erstmals habe die Produktion tierischer Arten aus Aquakulturen die Marke von 100 Millionen Tonnen überschritten – ein Wachstum von 8,4 Prozent gegenüber dem Stand vor zwei Jahren. Die Fangfischerei legte mit 92 Millionen Tonnen um 1,7 Prozent gegenüber 2022 zu. Asien dominiert die Aquakultur: 89 Prozent der gesamten Produktion von Wassertieren stammen laut dem Bericht von dort, China ist weltweit führend.

Insgesamt wachse das Angebot an Lebensmitteln aus Wassertieren seit 1961 doppelt so schnell wie die Weltbevölkerung, hieß es in dem Bericht. Die Meeresfischerei bleibe trotz des Aufstiegs der Aquakultur für die Ernährung und den Lebensunterhalt von Millionen Menschen entscheidend.

FAO warnt vor großen regionalen Unterschieden bei der Nachhaltigkeit

Bei der Nachhaltigkeit sieht die FAO jedoch erhebliche Probleme. Zwar würden rund 62 Prozent der Bestände innerhalb biologisch nachhaltiger Grenzen befischt, doch die regionalen Unterschiede seien groß. Vor der nordwestafrikanischen Küste etwa würden mehr als 50 Prozent der Bestände überfischt. „Wir entnehmen dem Meer zu viel“, zitierte die FAO ihren Direktor Barange in der Mitteilung. Während mittlerweile mehr als 90 Prozent der bedeutenden kommerziellen Thunfischbestände nachhaltig befischt würden, leide insbesondere der Atlantische Lachs unter der Verschlechterung seines Lebensraums und Überfischung.

Die Naturschutzorganisation WWF forderte angesichts der Zahlen ein entschiedenes Gegensteuern. Neben der Überfischung sei auch die Klimakrise ein wesentlicher Grund für den Rückgang von Fischbeständen. Aktuellen Berechnungen zufolge könne diese dazu führen, dass der Fischbestand bis zum Jahr 2100 um bis zu 40 Prozent sinke. „Eine Trendwende kann nur gelingen, wenn Politik und Wirtschaft den Ernst der Lage anerkennen und durch drastische Fangbeschränkungen und strenge Kontrollen gegensteuern“, sagte WWF-Fischereiexperte Mark Heuer laut der Mitteilung.

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