Aquakultur Deutschland importiert 90 Prozent seines Fischbedarfs – und nutzt eigenes Potenzial kaum

Eine Studie im Auftrag der Landwirtschaftlichen Rentenbank zeigt, wie weit Deutschland bei der Fischzucht hinter anderen europäischen Ländern zurückliegt. Hohe Energiekosten, komplexe Regulierung und Fachkräftemangel bremsen den Ausbau. Zugleich sehen die Autoren Chancen – etwa beim Export von Aquakultur-Technologien.

Mittwoch, 13. Mai 2026, 11:50 Uhr
Manuel Glasfort
Die Fischzucht könnte in Deutschland eine größere Rolle spielen, ist die Rentenbank überzeugt. Bildquelle: Getty Images

Deutschland importiert rund 90 Prozent seines Bedarfs an Fisch und Meeresfrüchten – obwohl das Land zu den größten Verbrauchern dieser Nahrungsmittel in Europa zählt. Die heimische Aquakultur-Produktion ist im europäischen Vergleich kaum entwickelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Unternehmensberatung Hatch Blue im Auftrag der Landwirtschaftlichen Rentenbank erstellt hat. Die Förderbank stellte die Untersuchung mit dem Titel „Die blaue Zukunft gestalten: Deutschlands Rolle in der europäischen Aquakultur-Technologie“ am 7. Mai 2026 in Frankfurt vor.

Weltweit hat die Aquakultur die Fangfischerei laut der Studie bereits als wichtigste Quelle für tierische Proteine aus dem Wasser abgelöst. In Deutschland bremsen der Studie zufolge vor allem hohe Energiekosten, komplexe Regulierung und Fachkräftemangel den Ausbau des Sektors. Zugleich verfüge das Land über eine starke Forschungslandschaft und technologische Expertise, die bislang nicht ausreichend genutzt werde.

Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Rentenbank, verwies auf die wachsende Bedeutung der Ernährungssicherheit. „Der Ausbau des Sektors wird derzeit jedoch insbesondere durch hohe Energiekosten und komplexe Rahmenbedingungen erschwert“, erklärte Steinbock laut der Mitteilung. Als einen möglichen Ansatz nannte sie die Einbindung der Aquakultur in bestehende landwirtschaftliche Betriebe – etwa durch die Nutzung von Abwärme aus Biogasanlagen, um Betriebskosten zu senken. Die Rentenbank unterstütze den Ausbau der Aquakultur in Deutschland mit eigenen Förderprogrammen, so Steinbock.

Hatch Blue empfiehlt einfachere Genehmigungsverfahren und günstige Kredite

Die Studie skizziert nach Angaben der Rentenbank mehrere Handlungsfelder: Deutschland solle seine Stärken in Forschung und Entwicklung nutzen, um sich als Exporteur fortschrittlicher Aquakultur-Technologien zu positionieren. Zudem müsse der Schritt von der Forschung zur kommerziellen Anwendung besser gelingen, etwa durch die Förderung von Start-ups aus dem universitären Umfeld. Im Bereich Finanzierung empfiehlt die Studie unter anderem zinsgünstige Darlehen und staatlich abgesicherte Garantien. Darüber hinaus fordert sie eine Vereinfachung der Regulierung durch einheitliche Genehmigungsverfahren und bundesländerübergreifende Leitlinien.

Georg Baunach, Mitgründer von Hatch Blue, äußerte sich in der Mitteilung zuversichtlich: „Bei Hatch Blue erkennen wir, dass die deutsche Blue Economy reich an Innovationen ist.“ Er hoffe, dass der Bericht Deutschland dabei unterstütze, ein führender Exporteur von Aquakultur-Technologien zu werden. Die Ergebnisse der Studie basieren den Angaben zufolge auf Feldforschung, Interviews mit Branchenvertretern und Besuchen an Aquakultur-Standorten in Deutschland.

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