Capri-Sun Petition für Plastikstrohhalm ist gescheitert

Capri-Sun wollte eine Million Unterschriften für die Rückkehr zum Plastikstrohhalm sammeln – erreicht wurden nicht einmal 170.000. Firmenchef Hans-Peter Wild räumt Fehler bei der Online-Petition ein, hält aber an der Forderung nach einer EU-Ausnahme für Plastikstrohhalme fest. 

Dienstag, 16. Juni 2026, 09:33 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Capri-Sun, früher bekannt als Capri-Sonne, kennen viele Erwachsene noch aus ihrer Kindheit. Einst war ein Plastikstrohhalm dabei, doch neue EU-Regulierung verhindert das nun – zum Verdruss des Herstellers. Bildquelle: capri-sun.com

Die Online-Petition von Capri-Sun für eine Rückkehr zum Plastikstrohhalm ist gescheitert. Das Unternehmen wollte eine Million Unterschriften sammeln, kam aber nach eigenen Angaben auf weniger als 170.000. Hans-Peter Wild, Präsident des Verwaltungsrates der Capri Sun Group Holding, räumte Fehler bei der Umsetzung ein, hielt aber an der Forderung fest. „Die Petition war schlecht gemacht und falsch - das nur nebenbei“, sagte Wild laut der „Rhein-Neckar-Zeitung“. „Aber in der Sache macht die Forderung von Papier-Trinkhalmen absolut keinen Sinn.“

Viele Verbraucher-Beschwerden

Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Eppelheim setzt sich seit 2024 dafür ein, dass die Europäische Union eine Ausnahmegenehmigung für Plastikstrohhalme an seinen Trinkbeuteln erteilt. Seit 2021 verwendet Capri-Sun Papierstrohhalme, nachdem die EU Einwegplastikprodukte verboten hatte. Laut dem Unternehmen beschweren sich Verbraucher seitdem über den Papierstrohhalm: Er lasse sich schlechter einstecken, werde beim Trinken weich und hinterlasse einen Papiergeschmack. Capri-Sun habe den Papierstrohhalm deshalb bereits mehrfach überarbeitet.

Wild argumentierte in dem Interview, das anlässlich seines 85. Geburtstages erschien, mit der Recyclingfähigkeit des Trinkbeutels. „Der Capri-Sun-Trinkpack ist 100-prozentig recycelbar“, sagte er laut der „Rhein-Neckar-Zeitung“. „90 Prozent der Papierhalme bleiben in der Tüte drin, wenn sie leer getrunken ist.“ Das Unternehmen will den Strohhalm nach eigenen Angaben aus dem gleichen Kunststoff Polypropylen herstellen, aus dem auch der Trinkbeutel besteht. So könne der gesamte Beutel mitsamt Strohhalm recycelt werden.

Deutsche Umwelthilfe: ein Armutszeugnis

Umwelt- und Verbraucherschützer sehen die Pläne kritisch. Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe bezeichnete den Vorstoß des Unternehmens als „aus Umweltsicht nicht nachvollziehbar und ein Armutszeugnis“. Die kleinen Trinkbeutel seien vor allem für den Konsum unterwegs gedacht und landeten entsprechend häufig in der Umwelt.

Während Capri-Sun weiter für eine Rückkehr zum Plastikstrohhalm kämpft, investiert das Unternehmen zugleich in den Ausbau seiner Produktion für Trinkbeutel ohne Halm. Einblicke in die Fertigung und die Strategie dahinter gibt unsere Produktionsreportage aus Eppelheim.

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