Der Trinkbeutel-Hersteller Capri-Sun aus Eppelheim im Rhein-Neckar-Kreis hat seine Online-Petition für die Rückkehr zum Plastikstrohhalm weitgehend eingestellt. Das Unternehmen wollte eine Million Unterschriften sammeln, um eine Genehmigung der EU für Plastikstrohhalme zu erreichen. Eineinhalb Jahre nach dem Start der Aktion verzeichnete die Plattform Change.org jedoch weniger als 169.000 Unterschriften, wie auch der SWR berichtete. „Die Petition wird aktuell nicht weiter aktiv durch uns beworben“, teilte das Unternehmen mit. Capri-Sun verfolge sein Ziel aber weiter.
Seit 2021 verwendet Capri-Sun Papierstrohhalme an seinem klassischen Trinkbeutel. Grund ist ein Verbot der Europäischen Union von Einwegplastikprodukten. Verbraucher kritisierten seither, der Papierstrohhalm lasse sich schlechter einstecken, werde weich und führe zu einem Papiergeschmack beim Trinken. Das Unternehmen überarbeitete den Papierstrohhalm nach eigenen Angaben bereits mehrfach.
Capri-Sun will den Strohhalm aus dem gleichen Material herstellen wie den Trinkbeutel: dem Kunststoff Polypropylen. Damit könne das ganze Produkt besser recycelt werden, argumentiert das Unternehmen. Es bestehe ein „konstruktiver Austausch“ mit der Europäischen Kommission, teilte Capri-Sun mit. Das Unternehmen kritisiert, die EU habe 2019 Einwegplastikprodukte wie Trinkhalme verboten, wolle aber mit der neuen EU-Verpackungsverordnung die Recyclingfähigkeit von Verpackungen erhöhen. Einen eindeutig auf den Papierstrohhalm zurückzuführenden Absatzrückgang beim 200-Milliliter-Trinkbeutel konnte Capri-Sun nach eigenen Angaben nicht feststellen. Das Unternehmen produziert in Eppelheim bei Heidelberg und hat seinen Hauptsitz in Zug in der Schweiz, wo das EU-Verbot von Einwegkunststoffprodukten nicht gilt.
Umweltschützer kritisieren Vorstoß von Capri-Sun
Umwelt- und Verbraucherschützer kritisieren die Pläne von Capri-Sun. „Der anhaltende Kampf von Capri Sun für Einweg-Plastikstrohhalme ist aus Umweltsicht nicht nachvollziehbar und ein Armutszeugnis“, sagte Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe. Die kleinen Trinkbeutel seien vor allem für den Konsum unterwegs konzipiert und landeten entsprechend oft in der Umwelt. Jedes zusätzliche Plastikelement verbleibe viele Jahre in der Umwelt und zersetze sich nach und nach zu Mikroplastik, welches sich in Nahrungsketten und Organismen anreichere. Die Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg sieht die „erhebliche Gefahr“, dass solche Trinkbeutel nicht vollständig im Gelben Sack landen. „Im Hinblick auf Ressourcenschonung und Umweltschutz halten wir diese Verpackungsgestaltung für nicht mehr zeitgemäß“, teilte eine Referentin mit. „Stattdessen sollte Capri-Sun mit gutem Beispiel vorangehen und auf nachhaltige Mehrweglösungen umsteigen – ganz ohne Trinkhalm.“
Die EU-Kommission bestätigte den Austausch mit Vertretern von Capri-Sun und verwies auf eine Überprüfung des Verbots bis zum kommenden Jahr. Eine Pressesprecherin betonte, die EU-Kommission habe sich vor Einführung des Verbots von Einwegplastikprodukten intensiv mit verschiedenen Interessengruppen beraten. Dabei habe sich eine grundlegende Anerkennung der „Plastikverschmutzungskrise“ gezeigt sowie Unterstützung dafür, das Thema Vermüllung durch Einwegplastik anzugehen.