Der Tabakkonzern Reemtsma warnt vor einem wachsenden Schwarzmarkt für Nikotinprodukte in Deutschland. Besonders stark steigt der illegale Handel mit Nikotinbeuteln und Snus, wie eine Zwischenbilanz des Reemtsma Schwarzmarkt-Trackers zum 30. April 2026 zeigt. Nach nur vier Monaten des Jahres 2026 lagen die behördlichen Meldungen über Beschlagnahmungen von Nikotinbeuteln und Snus bereits rund 60 Prozent höher als im gesamten Vorjahr, teilte das Unternehmen mit. Die Meldungen über Funde illegaler Zigaretten bewegen sich demnach auf einem im Jahresvergleich anhaltend hohen Niveau.
Anlass für die Zwischenbilanz ist die für den heutigen Dienstag geplante Vorstellung der Zoll-Jahresbilanz im Beisein von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).
„Der illegale Handel mit Tabak- und Nikotinprodukten bleibt ein massives Problem – und er verlagert sich zunehmend in neue Produktkategorien. Wenn bei Nikotinbeuteln und Snus schon Anfang Mai mehr Sicherstellungen von illegalen Produkten vermeldet wurden als im gesamten Vorjahr, ist das ein klares Warnsignal“, zitierte Reemtsma Christian Cordes, Director Corporate & Legal Affairs Cluster DACH bei Reemtsma, in der Mitteilung. Der Schwarzmarkt für Tabak- und Nikotinprodukte bleibe nicht nur auf hohem Niveau, sondern werde breiter, dynamischer und für Behörden wie den deutschen Zoll immer schwerer kontrollierbar.
Der Verkauf von Nikotinbeuteln und Snus ist in Deutschland illegal. Beide Produkte sind nikotinhaltig und werden oral über die Mundschleimhaut konsumiert.
Reemtsma fordert eine klare Regulierung von Nikotinbeuteln. Diese könnte nach Angaben des Unternehmens illegale Strukturen zurückdrängen, zusätzliche Steuereinnahmen generieren, Produktstandards festlegen und den Jugendschutz stärken. „Jugend- und Verbraucherschutz und Steuerehrlichkeit entstehen nicht durch Wegsehen oder faktische Verbote, sondern durch kontrollierbare Regeln. Wer Nikotinbeutel dauerhaft in einer rechtlichen Grauzone hält, überlässt den Markt den Falschen“, zitierte das Unternehmen Cordes weiter.
Reemtsma warnt vor Steuererhöhungen und Verboten
Das Unternehmen warnt zudem vor politischen Maßnahmen, die den Schwarzmarkt zusätzlich stärken könnten. Dazu zählen die vom Bundesfinanzministerium geplanten kurzfristigen und deutlichen Tabaksteuererhöhungen sowie ein vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat verfolgtes Verbot von Menthol und anderen Inhaltsstoffen bei E-Zigaretten. Beide Vorhaben könnten zu erheblichen Ausweichbewegungen in den grenzüberschreitenden sowie illegalen Handel führen, teilte Reemtsma mit.
Besonders kritisch bewertet das Unternehmen eine mögliche Tabaksteuererhöhung bereits zum 1. September 2026. Eine so kurzfristige Anpassung würde den legalen Markt vor massive operative Herausforderungen stellen, da eine Änderung des Kleinverkaufspreises eine vollständige Systemumstellung über die gesamte Lieferkette hinweg auslöse. Hersteller, Großhandel, Einzelhandel, Bundesdruckerei, Steuerzeichenstelle und Kassensysteme müssten angepasst werden.