Produktmanipulation Rattengift in Hipp-Babynahrung entdeckt

In Österreich, Tschechien und der Slowakei sind Gläschen des Babykostherstellers Hipp mit Rattengift manipuliert worden. Die Polizei fahndet international nach einem möglichen Erpresser. Deutschland ist nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord derzeit nicht betroffen.

Montag, 20. April 2026, 08:47 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Manipulationen betreffen nach aktuellem Stand Gläschen der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ von Hipp. Bildquelle: Getty Images

In Österreich, Tschechien und der Slowakei sind Gläschen des Babykostherstellers Hipp mit Rattengift manipuliert worden. Die Polizei fahndet international nach einem möglichen Erpresser. Deutschland ist nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord derzeit nicht betroffen, doch die Kriminalpolizei Ingolstadt ermittelt und koordiniert den Fall.

Besonders dringend sucht die österreichische Polizei nach einem zweiten vergifteten Glas der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ (190 Gramm), das im Burgenland südöstlich von Wien in Umlauf gebracht worden sein soll. Ein erstes kontaminiertes Glas hatte ein Kunde am Samstag in der Ortschaft Schützen am Gebirge im Bezirk Eisenstadt-Umgebung abgeliefert. Eine Analyse wies darin Rattengift nach, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit sprach zunächst von einem mutmaßlichen Erpressungsversuch, strich diesen Hinweis aber später aus ihrer Mitteilung. Auch das Ingolstädter Polizeipräsidium bestätigte eine Erpressung nicht.

Hipp-Sprecher Clemens Preysing bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass manipulierte Gläschen neben Österreich auch in Tschechien und der Slowakei aufgetaucht seien. Die Handelspartner in beiden Ländern hätten vorsorglich alle Hipp-Gläschen aus dem Verkauf genommen. Preysing sprach von einem „externen kriminellen Eingriff“. Produkte und Vertriebswege in Deutschland oder anderen europäischen Ländern, die nicht Teil der Ermittlungen seien, seien nicht betroffen, so der Sprecher. In Österreich hatte das Unternehmen bereits am späten Freitag alle Produkte aus den Spar-Supermärkten zurückgerufen und gewarnt: „Der Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein.“

Österreichische Polizei ruft Eltern zur Kontrolle ihrer Vorräte auf

Die österreichische Polizei rief Eltern auf, ihre Vorräte zu überprüfen. Manipulierte Gläser seien demnach an einem beschädigten Deckel zu erkennen, bei dem der beim Öffnen übliche Plopp-Laut ausbleibe. Zudem trügen die betroffenen Gläser einen weißen Aufkleber mit rotem Ring am Boden. „Wichtig ist, dass man das Glas findet und es aus dem Verkehr zieht“, sagte der österreichische Polizeisprecher Helmut Marban laut der Mitteilung. „Es spricht viel dafür, dass es nur dieses zweite Glas gibt.“ Weitere Manipulationen seien aber nie auszuschließen. Die Hinweise auf die manipulierten Gläschen kamen den Angaben zufolge aus Deutschland. In Tschechien nahm die Staatsanwaltschaft Brünn Ermittlungen auf, schätzte die Gefahrenlage dort aber als „nicht sehr hoch“ ein.

Nach Angaben der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit können Wirkstoffe in Rattengiften die Gerinnungsfähigkeit des Blutes vermindern. Mögliche Symptome seien Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blaue Flecken oder Blut im Stuhl. Eltern, deren Kinder Hipp-Nahrung gegessen hätten und solche Symptome zeigten, sollten umgehend ärztliche Hilfe suchen.

Das Unternehmen hatte seine Ursprünge vor mehr als 120 Jahren in Pfaffenhofen. Sitz der Hipp Holding AG ist heute in Sachseln im Schweizer Kanton Obwalden.

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