Wer lernen möchte, wie original Emmentaler entsteht, kann ins Schweizer Emmental reisen. Oder aber nach Hannover. Die Großhandlung Ruwisch und Zuck hat in Kooperation mit Switzerland Cheese Marketing (SCM) eine Ausstellungsfläche eröffnet, die die Herstellung des Käses nachvollziehbar macht. Zwar nicht in der Realität, aber dank moderner Technik und authentischen Anschauungsmaterials sehr eindrucksvoll. Der Aufbau ist stilecht, in Form eines Gebirges, außerdem führt er in eine Berghöhle. Ein original Kupferkessel, der in den Boden eingelassen ist, zieht die Blicke auf sich. In einem solchen Kessel erwärmen die Käser während der Produktion die Milch, die Fachleute sprechen vom „Brennen“. Diesen Fakt und viele weitere Informationen kann sich der Besucher hier erarbeiten.
Ruwisch und Zuck möchte ebenso wie die Schweizer Vermarkter das Verkaufspersonal an der Theke möglichst effektiv unterstützen. Denn nur geschultes Personal ist in der Lage, hochpreisigen Käse an den Konsumenten zu bringen.
Schon seit 2000 betreibt die Großhandlung ein eigenes Schulungszentrum, genannt European Cheese Center (ECC). In diesem „Käse-Erlebniszentrum“, wie Geschäftsführer Volker Zuck sagt, erhalten Thekenkräfte aus dem Einzelhandel Informationen zu Produkten aus aller Welt. Käseverkäufer, Einkäufer und alle Mitarbeiter, die geschäftlich mit Käse zu tun haben, können sich (über ihre Unternehmen) zu Seminaren anmelden.
Insgesamt 15 Sortenkäse haben in der neuen Ausstellung ihren Platz gefunden. Neben den umsatzstarken Sorten sind auch Spezialitäten vertreten, wie Vacherin Mont-d’Or AOP, L’Etivaz AOP oder Sbrinz AOP.
Gestiegene Preise
Käse aus der Schweiz kann kompetente Verkaufsunterstützung gut gebrauchen. Mit Blick auf die Situation im deutschen Handel wird deutlich, dass die Produkte es zurzeit nicht leicht haben. Einer der Gründe: Schweizer Käse ist teuer. Die Verkaufspreise an der Käsebedienungstheke liegen auf einem Rekordniveau. Andreas Müller, zuständig für die Vermarktung des Käses in Deutschland, zeigt die Entwicklung auf: Demnach kratzt der Mönchskopfkäse Tête de Moine an der 36-Euro-Marke, bezogen auf ein Kilogramm. Im Frühjahr 2024 kostete der gleiche Käse noch zwei Euro weniger. 35 Euro legt der Kunde heute für ein Kilo Le Gruyère AOP auf den Kassentisch. Appenzeller ist für 28,50 Euro zu haben, Emmentaler Switzerland für 27 Euro.
Andreas Müller weist darauf hin, dass „die letzte Preiserhöhung in der Schweiz bereits im April 2022“ stattgefunden habe. Er kommt zum Schluss, dass die aktuelle Preisentwicklung „handelsgemacht“ sei, auch wenn der Wechselkurs von Schweizer Franken in Euro noch zum hohen Preis beitrage. Wenn die zugelieferte Ware teurer werde, müsse der Handelseinkäufer seinen Verkaufspreis anpassen, erklärt Volker Zuck. „Steigt der Einkaufspreis um 20 Cent, erhöht der Einkäufer den Verkaufspreis um einen Euro.“
Der Großhändler und die Schweizer Vermarktungsorganisation arbeiten schon seit Jahrzehnten zusammen. „Wir haben die gleichen Sorgen um die Theken im Handel“, erklärt Müller von der SCM. Die Anzahl der Bedienungstheken schrumpft seit Jahren: Fürs letzte Jahr weist Nielsen-IQ noch 23.100 Stück aus. Vom gesamten Käseumsatz (12.450 Mio. Euro) realisieren die Theken nur noch 7 Prozent, der Rest entfällt aufs SB-Regal. 2025 hat sich der Trend fortgesetzt: Der Umsatz an der Theke stieg nur um 0,3 Prozent, der Umsatz am SB-Regal hingegen legte um knapp 6 Prozent zu.