Der Schweizer Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli senkt die Preise für ausgewählte Produkte. Die unverbindliche Preisempfehlung für 100-Gramm-Tafeln der Linie Classics sinke von 2,69 auf 2,19 Euro, bestätigte das Unternehmen einen Medienbericht. Das ist ein Rückgang von rund 19 Prozent. Betroffen seien Sorten wie Vollmilch und Haselnuss. Weitere Preisanpassungen würden geprüft, sagte eine Sprecherin.
Damit reagiert der Markenhersteller auf eine Entwicklung, die im Handel bereits begonnen hat: Die Lebensmitteleinzelhändler hatten Ende Januar die Preise zahlreicher Eigenmarken-Schokoladen erstmals seit langem gesenkt und in dieser Woche ein zweites Mal nachgezogen. Eine 100-Gramm-Tafel kostet dort je nach Sorte nun zwischen 79 Cent und 1,19 Euro. Hintergrund ist eine bessere Kakaoernte, die die Rohkakaopreise an den Börsen zuletzt deutlich fallen ließ.
Auch im Weihnachtsgeschäft möchte Lindt & Sprüngli ausgewählte Preise senken. So soll die UVP für den 200-Gramm Weihnachtsmann von 8,99 auf 7,99 Euro herabgesetzt werden. Wegen der langfristigen Einkaufsstrategie wirkten sich die niedrigen Kakaopreise nicht unmittelbar aus, heißt es. Das Unternehmen verzeichnete im vergangenen Jahr infolge der Preiserhöhungen einen Absatzrückgang von 6,6 Prozent.
Neben Lindt & Sprüngli hat auch der Süßwarenhersteller Bahlsen die Preise einzelner Produkte wie Schokoladenkekse gesenkt. Man wolle die gesunkenen Kakaopreise an die Verbraucher weitergeben, teilte eine Sprecherin mit. Die endgültigen Verkaufspreise legten jedoch die Händler fest. Der Milka-Hersteller Mondelez äußerte sich auf Anfrage nicht dazu, ob Schokolade der Marke günstiger werden könnte.
Verbraucher kaufen deutlich weniger Schokolade
Die Preissenkungen kommen nach einer Phase erheblicher Verteuerung von Kakao. Laut Statistischem Bundesamt kostete eine Tafel Schokolade im März im Schnitt 71 Prozent mehr als noch 2020. Ursache waren befürchtete Ernteausfälle in Westafrika infolge von Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. Hersteller und Händler hatten die gestiegenen Rohstoffkosten an die Kunden weitergegeben. Lindt & Sprüngli verzeichnete im vergangenen Jahr infolge der Preiserhöhungen einen Absatzrückgang von 6,6 Prozent.
Die hohen Preise haben das Kaufverhalten der Verbraucher spürbar verändert. Laut einer im Februar durchgeführten Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov kauft jeder Zweite deutlich oder etwas weniger Schokolade als vor zwei Jahren. Nach Angaben des Marktforschers NIQ sank die Zahl der verkauften Packungen bei Schokoladenwaren 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent, bei Weihnachtsschokolade sogar um 12 Prozent. Knapp drei Viertel der Weihnachtsware gingen demnach im Sonderangebot über die Ladentheke.
Auch im Ostergeschäft boten Händler Schoko-Osterhasen auffallend oft in der Aktion an. Trotz der gesunkenen Rohstoffpreise hatten Marken wie Lindt, Milka, Kinder und Ferrero die Preise für Osterhasen erneut erhöht – um bis zu 29 Prozent im Vergleich zu Ostern 2025.