Ernährungsindustrie Neuer BVE-Vorsitzender will Branche sichtbarer machen

Exklusiv

„In vielen Bereichen ist die Ernährungsindustrie deutlich moderner und technologischer, als die Öffentlichkeit ahnt.“ Das ist eines der Themen, die Bernhard J. Simon (Foto) als neuen Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) umtreiben. Simon äußerte sich gegenüber der Lebensmittel Praxis.

Mittwoch, 01. April 2026, 10:11 Uhr
Thomas Klaus
Hat sich viel vorgenommen: Bernhard J. Simon ist auch Vorstandsmitglied des Verbandes der Fleischwirtschaft. Bildquelle: BVE

Welche Ziele Bernhard J. Simon als neuer BVE-Vorsitzender verfolgt, das bringt er gegenüber der LP auf den Punkt. Er sagt: „Mir ist wichtig, dass wir die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Ernährungsindustrie wieder stärker in den Mittelpunkt der politischen Diskussion rücken. Unsere Branche steht unter erheblichem Kosten- und Regulierungsdruck. Gleichzeitig konkurrieren wir mit Unternehmen aus Ländern mit deutlich günstigeren Rahmenbedingungen, mit günstigerer Energie, günstigeren Löhnen, weniger Bürokratie.“ Hier brauche es mehr wirtschaftspolitisches Verständnis dafür, welche Bedeutung die Lebensmittelindustrie als drittgrößter Industriezweig für Wertschöpfung, Beschäftigung und Versorgungssicherheit habe.

Sachliche Debatte über Ernährung insgesamt

Zur Ernährungspolitik gehöre für ihn eine „sachliche Debatte über Ernährung insgesamt“, ergänzt Simon. Der BVE-Chef, im Hauptberuf geschäftsführender Gesellschafter des Fleischproduzenten Simon-Fleisch, wörtlich: „So bin ich – wenig überraschend – davon überzeugt, dass Fleisch auch künftig ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung sein wird. Entscheidend ist nicht die ideologische Diskussion über einzelne Lebensmittel oder Zutaten wie etwa Zucker, Salz, Fett, sondern eine insgesamt ausgewogene Ernährung sowie die Qualität und Herkunft der Produkte.“

Ferner möchte Simon nach eigenen Worten dazu beitragen, dass „die Innovationskraft unserer Branche stärker wahrgenommen wird – etwa bei Automatisierung, Digitalisierung, Ressourceneffizienz oder Kreislaufwirtschaft“. Denn: „In vielen Bereichen ist die Ernährungsindustrie deutlich moderner und technologischer, als die Öffentlichkeit ahnt.“

Sehr sachlicher und verlässlicher Gesprächspartner

Angesprochen auf die Stärken und Schwächen der BVE äußert Simon: „Die große Stärke der BVE ist aus meiner Sicht, dass sie die gesamte Ernährungsindustrie als Branche sichtbar macht und ihr eine gemeinsame, unüberhörbare Stimme gibt. Die Branche ist sehr vielfältig – von mittelständischen Familienunternehmen bis zu international tätigen Konzernen, von Fleisch über Getränke bis zu Back- oder Süßwaren. Die BVE schafft es, diese unterschiedlichen Interessen zu bündeln, auszutarieren und gegenüber Politik und Öffentlichkeit geschlossen zu vertreten. Das soll auf jeden Fall so bleiben!“

Bernhard J. Simon hält die BVE für einen „sehr sachlichen und verlässlichen Gesprächspartner in politischen Fragen“. Das sei gerade in ernährungspolitischen Debatten wichtig, die häufig sehr emotional geführt würden.

Wirtschaftlich und auch gesellschaftlich relevant

Simon fügt hinzu: „Wenn ich einen Punkt nennen müsste, an dem wir weiterarbeiten könnten, dann ist das die öffentliche Wahrnehmung unserer Branche als drittgrößter Industriezweig und Arbeitgeber.“ Darüber hinaus habe er sich vorgenommen, mit seinem Co-Vorsitzenden Christof Engelke ein starkes Team zu bilden, das die Arbeit der Hauptamtlichen unterstütze.

Gegenüber der LP betont der BVE-Vorsitzende die Besonderheiten der Ernährungsindustrie. „In unserer Branche“, erläutert er, „geht es um etwas sehr Grundlegendes: die tägliche Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln. Das ist wirtschaftlich relevant, aber auch gesellschaftlich von großer Bedeutung. Übrigens besonders in Krisen- und Kriegszeiten.“

Stabile, innovative und international erfolgreiche Branche

Ihn beeindrucke immer wieder, wie effizient und gleichzeitig ressourcenschonend heute gearbeitet werde. In der Fleischwirtschaft gelte zum Beispiel seit Langem das Prinzip der vollständigen Verwertung. Nebenströme gingen in Lebensmittel, Tiernahrung, Pharmaindustrie, Kosmetik, Biokraftstoffe oder Dünger. „Was früher Abfall war, ist heute Rohstoff. Das zeigt, wie stark Kreislaufwirtschaft in unserer Branche bereits verankert ist.“

Der persönliche Reiz an der Arbeit für die BVE liegt für Simon darin, diese Zusammenhänge zu erklären und dafür zu sorgen, dass die politischen Rahmenbedingungen „so gestaltet werden, dass Lebensmittelproduktion auch in Zukunft in Deutschland möglich und wirtschaftlich sinnvoll bleibt“. Die Ernährungsindustrie sei eine „stabile, innovative und international erfolgreiche Branche“. Simon: „Und ich halte es für wichtig, dass sie auch eine starke Stimme hat.“

Anzeige

Aichinger

Whitepaper: Kühltechnik mit Zukunft

Die AICHINGER SIRIUS 3 bietet technologieoffene Lösungen für Zentralkälteanlage, Waterloop-System oder mit steckerfertigen Bedientheken.
Jetzt mehr erfahren

Neue Produkte