Der Handelsverband Deutschland warnt vor zu hohen Lohnforderungen in der anstehenden Tarifrunde im Einzelhandel. Die Branche könne sich von der schlechten Wirtschaftslage nicht abkoppeln, teilte der Verband mit. Steigende Arbeitskosten durch hohe Tarifabschlüsse, Bürokratielasten und wachsende Sozialversicherungsabgaben gefährdeten massenhaft Arbeitsplätze im Einzelhandel, sagte Tarifgeschäftsführer Steven Haarke laut der Mitteilung.
Der Verband kritisiert zudem die Steigerungen des gesetzlichen Mindestlohns. Diese fräßen sich immer tiefer in die Tarifwerke hinein und würden zu einer schweren Hypothek für die Tarifvertragswerke aller Branchen, betonte Haarke. Der Handelsverband warnt davor, durch zu hohe Forderungen eine Erwartungshaltung bei den Beschäftigten zu erzeugen, die dem Realitätscheck nicht standhalte.
Der letzte Tarifabschluss brachte den Beschäftigten im Einzelhandel über die Laufzeit von 2023 bis 2025 insgesamt 14 Prozent Gehaltserhöhung. „Damals haben wir hoch ins Regal gegriffen und das in extrem schwierigen Zeiten für die Branche“, zitierte der Verband Haarke in der Mitteilung. Diese Tariflohnsteigerung sei in Anbetracht der aktuellen Wirtschaftslage für viele Arbeitgeber im Handel kaum zu schultern. „Es besteht in diesem Jahr kaum noch Verteilungsspielraum, ansonsten drohen massenhaft Jobverluste in der Branche“, so Haarke weiter.
3,1 Millionen Beschäftigte des Einzelhandel betroffen
Die Beschäftigungszahlen im Einzelhandel sind nach Angaben des Verbands bereits rückläufig. Die Branche habe seit 2022 nach einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit mehr als 60.000 sozialversicherungspflichtige Jobs verloren. Im Dezember 2025 waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 2,9 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos.
Die Tarifrunde im Einzelhandel beginnt im April 2026. In der Branche sind 3,1 Millionen Menschen beschäftigt.
Zwischen Dezember 2025 und November 2026 laufen laut Berechnungen des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung für etwa 10 Millionen Beschäftigte die von den Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) ausgehandelten Vergütungstarifverträge aus. Die letzte Verhandlungsrunde im Einzelhandel war nach einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft extrem schwierig und machte die Branche zum Spitzenreiter im Ranking der konfliktreichsten Auseinandersetzungen.

