Überschuldung Privatinsolvenzen steigen auf höchsten Stand seit zehn Jahren

Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent auf knapp 108.000 Fälle gestiegen – ein Langzeithoch. Besonders betroffen sind junge Erwachsene zwischen 18 und 20 Jahren mit einem Anstieg von mehr als 50 Prozent. Die Wirtschaftsauskunftei Crif rechnet für 2026 mit weiter steigenden Zahlen.

Freitag, 27. Februar 2026, 09:15 Uhr
Manuel Glasfort
Ebbe im Portemonnaie herrscht bei vielen Konsumenten – die Zahl der Privatinsolvenzen lag im vergangenen Jahr auf einem Rekordniveau. Bildquelle: Getty Images

Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland ist im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Die Wirtschaftsauskunftei Crif registrierte 107.816 Fälle, das entspricht einem Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2024 hatte die Zahl noch bei 99.991 Fällen gelegen. Dies geht aus dem aktuellen Schuldenbarometer 2025 des Informationsdienstleisters hervor.

Der aktuelle Wert stellt den höchsten regulären Stand der vergangenen zehn Jahre dar. Zwar lag die Zahl im Jahr 2021 mit 109.032 Privatinsolvenzen noch höher, doch dies war laut Crif das Ergebnis eines Sondereffekts. Viele Betroffene hatten ihre Insolvenzanträge im Jahr 2020 zurückgehalten, um von der zum 1. Januar 2021 in Kraft getretenen Gesetzesreform zur Verkürzung der Restschuldbefreiung zu profitieren. Die Dauer des Verfahrens reduzierte sich damals von sechs auf drei Jahre.

Hohe Energie- und Lebensmittelpreise haben die Lebenshaltungskosten spürbar erhöht, teilte Crif mit. „Das Jahr 2025 war für die deutsche Wirtschaft und für die Verbraucher von erheblichen Belastungen geprägt“, zitierte das Unternehmen seinen Geschäftsführer Frank Schlein in der Mitteilung. Die finanzielle Situation vieler Privatpersonen bleibe dadurch anhaltend angespannt. Immer mehr Haushalte zehrten ihre Rücklagen auf und könnten laufende Verpflichtungen wie Mieten, Kredit- oder Ratenzahlungen nicht mehr verlässlich erfüllen. Faktoren wie ein umfangreicher Niedriglohnsektor, befristete oder unsichere Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitslosigkeit verschärften das Risiko zusätzlich.

Die durchschnittliche Schuldenhöhe liegt den Angaben zufolge derzeit bei rund 15.000 Euro. Für das Jahr 2026 rechnet Crif mit weiter hohen Privatinsolvenzen von etwa 110.000 Fällen.

Junge Erwachsene und Senioren besonders betroffen

Die stärksten prozentualen Anstiege im Jahr 2025 entfielen auf sehr junge Erwachsene und ältere Menschen. Bei den 18- bis 20-Jährigen stiegen die Privatinsolvenzen um 52,6 Prozent, bei den 21- bis 30-Jährigen um 28,6 Prozent. Hier spielten vor allem eine geringere finanzielle Widerstandskraft, spontane Ratenkäufe, die steigende Nutzung von Bezahldiensten wie „Buy now, pay later“ und fehlende Rücklagen eine wesentliche Rolle, erklärte das Unternehmen.

Auch in der Altersgruppe ab 61 Jahren zeigt sich ein signifikanter Zuwachs von 10,6 Prozent. Hierfür seien vor allem steigende Miet- und Energiekosten, stagnierende oder sinkende Renten sowie der Wegfall eines Partners ausschlaggebend.

Regional bleiben die Unterschiede deutlich. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Zahl der Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner in Deutschland bei 127. Besonders die nördlichen Bundesländer weisen hohe Werte auf: Bremen liegt mit 201 Fällen je 100.000 Einwohner an der Spitze, gefolgt von Hamburg mit 177 Fällen und Niedersachsen mit 172 Fällen. Am wenigsten Privatinsolvenzen je Einwohner verzeichnen Bayern und Thüringen mit jeweils 86 Fällen je 100.000 Einwohner.

Den stärksten Anstieg gab es im Saarland mit plus 21,8 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg mit plus 17,0 Prozent. Rückgänge gab es dagegen in Thüringen mit minus 5,0 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern mit minus 3,4 Prozent, in Bremen mit minus 3,3 Prozent sowie in Berlin mit minus 2,0 Prozent.

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