Das Projekt Agri:Change ging in Niedersachsen offiziell an den Start. Es befasst es sich mit der Frage, wie es gelingen kann, die Agrar- und Ernährungssysteme nachhaltig in die Zukunft zu führen. – gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen, globaler Unsicherheiten und wachsender Anforderungen an die Ernährungssicherheit.
Leitmotiv: Zukunft durch Wandel
Agri:Change wird vom Land Niedersachsen mit 24,74 Millionen Euro unterstützt – gefördert unter anderem durch das Wissenschaftsministerium. Unter dem Leitmotiv „Zukunft durch Wandel“ verfolgt das Projekt Agri:Change das Ziel, strukturelle Veränderungen in der niedersächsischen Agrar- und Ernährungswirtschaft aktiv mitzugestalten. Eine starke Praxisorientierung und offene Dialogformate sollen eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Praxis und Gesellschaft ermöglichen.
Neben der Universität Göttingen als Projektleitung und dem Verbund Transformationsforschung Agrar Niedersachsen (trafo:agrar) als transdisziplinäre Leitung sind die Tierärztliche Hochschule Hannover, die Universität Vechta, die Hochschule Osnabrück, die Universität Osnabrück, die Technische Universität Braunschweig, die Leibniz Universität Hannover, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, die Leuphana Universität Lüneburg, die Jade Hochschule, die Hochschule Fulda, das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik, das Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung, das Johann Heinrich von Thünen-Institut sowie zahlreiche Partner aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft an dem Projekt beteiligt.
Mohrs: Herausforderungen komplexer denn je
Bei der Auftaktveranstaltung verdeutlichten Forscher die Spannungen zwischen ambitionierten Nachhaltigkeitszielen und der Notwendigkeit einer preiswerten Ernährungssicherung. Und sie diskutierten, welche Herausforderungen, Zielkonflikte und neue Handlungsspielräume sich für Forschung und Praxis ergeben.
„Die Herausforderungen für die Agrar- und Ernährungswirtschaft als zweitwichtigste Wirtschaftsbranche unseres Landes sind komplexer denn je: Klimawandel, Ressourcenknappheit, geopolitische Unsicherheiten und steigende gesellschaftliche Erwartungen verlangen neue Antworten.“ Das erklärte Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD).
Land investiert 68 Millionen Euro in drei Forschungsverbünde
Er unterstrich zusätzlich, wie der Wandel gelingen kann: „Innovationen aus der Wissenschaft können neue Wege eröffnen und praxistaugliche Lösungen ermöglichen – beispielsweise um die Effizienz der Höfe und Betriebe zu steigern, Ernten zu stabilisieren und zugleich Nachhaltigkeit und Tierwohl voranzubringen. Als Land investieren wir daher rund 68 Millionen Euro in drei große Forschungsverbünde im Agrar- und Ernährungsbereich. Mit Agri:Change schaffen wir eine starke wissenschaftliche Grundlage, um die niedersächsische Landwirtschaft und damit unsere Ernährungssicherheit zukunftsfest weiterzuentwickeln.“
Breites Spektrum an Kompetenzen
Zum Entwickeln tragfähiger Innovationen ist eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Praxis unerlässlich. „Eine erfolgreiche Nachhaltigkeitstransformation erfordert ein breites Spektrum an Kompetenzen“, betonte Professor Dr. Bernhard Brümmer, Vizepräsident der Universität Göttingen. „Mit ihrer umfassenden wissenschaftlichen Expertise erschließt die Universität Göttingen gemeinsam mit allen weiteren Beteiligten zentrale Zukunftsfelder, qualifiziert wissenschaftlichen Nachwuchs und adressiert im Projekt agri:change drängende gesellschaftliche Fragestellungen,“ so Brümmer.
Staudte: Wirtschaftliche Perspektiven unerlässlich
Aus dem gebündelten Wissen sollen konkrete Lösungen für die Praxis entstehen. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) erläuterte hierzu: „Wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen bieten uns enorme Chancen für mehr Nachhaltigkeit und Wachstum. Doch dieses Wissen kann erst dann wirken, wenn sich daraus wirtschaftliche Perspektiven ergeben. Der Forschungsverbund Agri:Change hat die Aufgabe, dieses Wissen zu vertiefen und zu testen. Im besten Fall ergeben sich so nicht nur neue Impulse für die Agrar- und Ernährungswirtschaft, sondern auch anschlussfähige Lösungen für niedersächsischen Betriebe.“
Vier Reallabore sind Kernbestandteile des Projektes
Kernbestandteile von Agri:Change sind vier Reallabore, in denen konkrete Fragestellungen gemeinsam mit Praxispartnern bearbeitet werden. Die Themen reichen von kreislauforientierter Ressourcennutzung über Tierwohl bis hin zu innovativen Geschäftsmodellen und gesellschaftlicher Akzeptanz. Prof. Dr. Klaus Osterrieder (Präsident der Tierärztlichen Hochschule Hannover) erklärte: „Eine der zentralen Fragen betrifft, wie sich die Nutztierhaltung wandeln wird. Wie können wir dem Tierwohl, der Lebensmittelsicherheit und dem One-Health-Gedanken einen hohen Stellenwert einräumen und gleichzeitig eine Landwirtschaft betreiben, die Landwirtinnen und Landwirten ein gutes Auskommen sichert? In Agri:Change werden diese Themen von einem großen Kollegium der Tierärztlichen Hochschule umfassend bearbeitet.“