Qualitätsforum Dortmund Tiefkühlinstitut diskutiert über KI und Lebensmittelsicherheit

Das Deutsche Tiefkühlinstitut (dti) hat sein 16. Qualitätsforum veranstaltet. 70 Experten tauschten sich über neue Technologien und Qualitätsprozesse aus. Dabei zeigte ein KI-Bot, wie Reklamationen künftig automatisch bearbeitet werden können.

Dienstag, 06. Januar 2026, 13:20 Uhr
Theresa Kalmer
Rund 70 Teilnehmer trafen sich am 3. Dezember 2025 zum 16. dti-Qualitätsforum unter dem Motto „Produktentwicklung, Sensorik und Recht im Dialog mit dem Qualitätsmanagement“ in Dortmund. Bildquelle: Deutsches Tiefkühlinstitut

Das Deutsche Tiefkühlinstitut hat sein 16. Qualitätsforum in Dortmund veranstaltet. Rund 70 Teilnehmer aus Qualitätsmanagement, Lebensmittelrecht und Produktentwicklung diskutierten über Themen wie neue genomische Techniken, Lebensmittelsicherheitskultur, Sensorik in der Produktentwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Qualitätsprozessen.

EU-Direktor live per Video zugeschaltet

Klaus Berend, Direktor für Lebensmittelsicherheit, Nachhaltigkeit und Innovation in der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Union, schaltete sich per Video aus Brüssel zu. Er erläuterte den Teilnehmern die Entscheidungsprozesse bei aktuellen Gesetzgebungen zu Pflanzenschutzmitteln, neuen genomischen Techniken und neuartigen Lebensmitteln. Berend erklärte, wie neue genomische Techniken die Landwirtschaft unterstützen könnten, etwa durch klimaangepasste Züchtungen oder Resistenzen gegen Krankheiten wie die Kartoffelfäule. 

Dreusch: Lebensmittelsicherheitskultur Frage der Führung

Andrea Dreusch von der CPM Unternehmensberatung und Natália Fava vom Tiefkühlkosthersteller Bofrost berichteten über die Umsetzung einer Lebensmittelsicherheitskultur in Unternehmen. Eine starke Lebensmittelsicherheitskultur senke Fehler- und Rückrufquoten nachhaltig, sagten die beiden Referentinnen. Fava zeigte, wie Bofrost neue Mitarbeiter bereits beim Einstieg über Lebensmittelsicherheit informiert und ihnen Zugang zu E-Learning-Tools und Trainings gibt. Interne Qualitätszirkel mit Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen nutzten die Erfahrung der Kollegen und stärkten das Verantwortungsbewusstsein.

Dreusch betonte, dass Führungskräfte die Lebensmittelsicherheitskultur aktiv vorleben müssten. „Lebensmittelsicherheitskultur stellt den Menschen in den Mittelpunkt und ist vor allem eine Frage der Führung“, so Dreusch.

Bedeutung von Textur und Sensorik

Robert Möslein von Isi Sensory Futures demonstrierte die Bedeutung von Textur und Sensorik für die Produktentwicklung. Sogenannte Sensory Claims wie „außen knusprig, innen weich“ seien entscheidende Hebel, um Kundenerwartungen gezielt aufzugreifen, sagte Möslein. „In übersättigten Kategorien kann das Schaffen eines einzigartigen sensorischen Erlebnisses ein Gamechanger sein“, äußerte der Referent. Sichtbare Veränderungen wie ein schmelzender Kern oder eine auseinanderziehbare Textur vermittelten Frische, Genuss und Handwerkskunst.

Konzept der digitalen Zwillinge vorgestellt

Christian Krupitzer von der Universität Hohenheim stellte das Konzept der digitalen Zwillinge vor. Diese virtuellen Abbilder physischer Produktionsprozesse nutzten in Echtzeit Daten aus der realen Welt. Digitale Zwillinge eröffneten enorme Chancen für KI-gestützte Qualitätskontrolle, Prozessoptimierung und Reformulierung, erklärte Krupitzer. Gleichzeitig brächten sie komplexe Herausforderungen mit sich, da große Datenmengen erhoben, strukturiert und für KI-Modelle aufbereitet werden müssten.

Reklamationsmanagement durch KI automatisieren

Jonathan Becker, Peter König-Slickers und Matthias Zinram von Modus Consult zeigten mit dem KI-Bot „Frosty“, wie Reklamationsmanagement durch Künstliche Intelligenz automatisiert werden könne. Verbraucher könnten einen Vorfall melden, und der Chatbot erfasse das Anliegen strukturiert, klassifiziere es und leite es in Echtzeit an die zuständigen Stellen im Unternehmen weiter, erläuterten die Referenten. Auf dieser Basis könnten automatisiert weitere Maßnahmen eingeleitet werden, etwa eine vertiefte Prüfung oder im Bedarfsfall ein Produktrückruf.

Das nächste dti-Qualitätsforum findet Ende 2026 statt.

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